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9. Etappe – Durch Bulgarien (4. Mai – 9. Mai 2019)

Ich kämpfe wieder mit meinen Geistern: Morgen geht es nach Bulgarien und ich habe nicht viel Gutes gehört über das vermeintlich ärmste EU-Land. Ich höre immer noch zu sehr auf diese Stimmen, statt offen ins Abenteuer zu gehen. “No risk no fun” – yo, das waren noch Zeiten. Heute liest man Google-Bewertungen über Campingplätze und löst damit eine grundsätzliche Angst vor einem ganzes Land aus. So ein Unsinn. Andererseits ist Vorsicht ein deutliches Evolutionsmerkmal.

Egal: Morgen stehen 370 Kilometer bis nach Belogradchik an. ich habe es noch nie besucht, also wird es mich überraschen – zwangsläufig. Ich weiß, dass dort viele zu junge Mädchen für Geld an der Straße stehen und so manches Kind unseren Michel um sein Hundeleben beneiden wird. Und? Ich kann das nicht ändern, so sehr ich das auch möchte. Ob Bulgarien und Serbien für mich mehr als Transit sind auf dem Weg nach Montenegro sind wird sich herausstellen. Am 1. April hätte ich es nicht für möglich gehalten, dass ich fast einen Monat in Rumänien bleiben werde.

DerWeg nach Belogradchik ist trostlos, aber es geht auf wirklich sehr guten Straßen zügigvoran. An der Grenze macht mich der finster dreinblickende Grenzer ganz kirre und ich muss Sylvia daran erinnern, dass ich als Jugendlicher Grenzen noch anders erlebt habe. Er winkt uns durch und wir landen drei Meter später an einem weiteren Häuschen: Die freundliche Bulgarin will 6 Euro für den “Beach” haben. “Was’n für’n Strand”überlege ich und entschließe mich doch lieber zu zahlen. Zwei Kilometer weiß ich was sie meinte: Nicht den “Beech” sondern die “Breeedge”, was auf bulgarisch/englisch Bridge heißen sollte und für die mächtige Donaubrücke steht, die sich hier über den unvorstellbar breiten Strom schlägt. Wir lachen uns halbtot und tauchen sofort tief in dieses interessante Land ein. Hier haben die alten Schinken noch kein Oldtimer-Kennzeichen und auf den Straßen werden jederzeit Offroad-Qualitäten abgefragt.

Aber es ist schon schön. Wir kommen am Campingplatz an und würde es regnen, es wäre die gleiche Szene wie der Beginn der Rocky Horror Picture Show. Wir essen im Restaurant und ich bekomme mit Ziegenkäse überbackenen Schafskäse in einem echt brennenden Tontopf. Auch das Bier wird im Topf serviert und sogar die Fanta. Außer Töpfen braucht’s hier kein Geschirr. Hintergrund jault es wie aus einem türkischen Taxi und wir wissen endlich: Der Orient ist nicht mehr weit. Die Anlage ist skurill, aber blitzsauber.

Kathleen aus Belgien setzt sich zu uns. Die Psychiaterin aus Antwerpen reist allein in ihrem Mercedes-Allrad-Kastenwagen und will die Seidenstraße hoch und die Pamir-Hochstraße meistern.

An Plätzen wie diesen begegnet man Individualisten. Wir unterhalten uns super und beschließen, uns die Burg und die Felsen morgen zusammen anzusehen.

Am Morgen kreist ein Storch über dem Camper und es ist toll anzusehen, wie dieser majestätische Vogel die Winde zum aufsteigen nutzt und quasi ohne Flügelschläge an Höhe gewinnt. Kathleen bleibt im Camper, sie hat bis 2 Uhr in der früh Russisch gelernt und ist müde.

Die Festung von Belogradchik ist der Hammer – Eine Wahnsinns-Verteidigungsanlage, die die mächtigen Steinkolosse in die spektakuläre Architektur einbezieht. Die gesamte Gegen um die Stadt ist mit diesen Steinriesen übersäht, die teils bis zu 100 Meter aufragen. Man bekommt schnell einen eindruck davon, warum diese Festung als uneinnehmbar galt.

Wir frühstücken im schicken Hotel Fortobel, direkt neben der Festung. Der sympathische Hotelbesitzer begrüßt uns auf deutsch und ich verspreche, etwas Werbung für ihn zu machen. 70 Lew, also 35 Euro kostet hier das Doppelzimmer für zwei Personen. Die Campingplätze der Region liegen bei 40 Lew, also 20 Euro. Kurz überlege ich, eine Hotelnacht einzulegen, aber wir wollen heute noch knapp 300 Kilometer bis nach Rila fahren, um die weltberühmte Klosteranlage zu besuchen. Sofia lassen wir links liegen, irgendwie werden wir nicht warm mit dem Land – kann aber am Wetter liegen – an der Landschaft auf keinen Fall.

Camping Bor ist gespenstisch – Im Sommer mag hier einiges los sein, aber die Nacht wird höchstens mal ein Bär am Wohnmobil klopfen. Wir sind allein mit dem alten Aufseher, der kein Wort von irgendeiner Sprache spricht, ich bezweiflle, dass irgendwer das Bulgarisch versteht, dass er radebricht. Selbst aus seinen Gesten werden wir nicht klug. Aber irgendwie geht das alles – dauert alles halt etwas. Die Landschaft mitten im Rila-Nationalpark ist auf jeden Fall mehr als beeindruckend. Hier könnte man prächtig wandern, aber die Temperaturen sind um die Null grad und das Wetter wird nicht besser. Morgen schauen wir das Kloster an und fahren am Nachmittag nach Skopje in Mazedonien, wo es immerhin um die 20 Grad warm sein soll.

Und wieder umgeplant: Es ist super Wetter und bei Sonnenschein ist die Anlage gar nicht mehr so gruselig. Wir entscheiden kurzfristig, noch einen Tag zu bleiben, weil es aktuell viel Arbeit für mich gibt und ich dringend funktionierendes Internet brauche. Ob ich das in Mazedonien habe weiß ich nicht. Eventuell bleiben wir sogar morgen hier, Vorräte haben wir genug und bin lieber Samstag und Sonntag außerhalb der EU schlecht erreichbar.

Rezeption und Sanitärranlagen – etwas gewöhnungsbedürftig, aber blitzsauber und absolut funktional.

Zeit für einen Klosterbesuch ist aber trotzdem und wir sind echt erschlagen von diesem Eindruck. Ein absolut mystischer Ort!

Das Kloster Rila – wohl eine der wichtigsten religösen Stätten der Welt und das Zentrum der orthodoxen Kirche in Bulgarien.

Außerdem sind wir nicht mehr allein. Wir treffen Michael, der mit seiner Bimobil-Kabine auf dem Weg von Georgien nach Hause ist. Die Kabine zieht nach hinten und er hofft, dass die in Georgien geschweißte Naht am gebrochenen Fahrwerk seines Nissan Navarro hält bis nach Hause. Schwachstelle bei seiner Kombi ist das Gewicht der Kabine auf einem Doppelkabiner-Chassis. Das bedingt viel Gewicht hinter der Hinterachse und der Nissan ist nicht mehr der Jüngste.

Mit dem Ranger und der Kabine ist zum Glück alles bestens. Einzig nervend ist die Tatsache, dass die vielgerühmte ALDE-Heizung mit den Straßenverhältnissen große Schwierigkeiten hat und immer wieder Luft in den gemarterten Kanälen für Störungen sorgt. Ich muss die Heizung quasi jeden Abend entlüften.

Die Straße nach Mazedonien ist zum Glück sehr gut in Schuss, aber auf dem Weg wird uns einmal mehr bewusst, wie gegensätzlich dieses Land ist. Kurz vor der EU-Außengrenze passieren wir ein Zigeunerdorf und selbst beim Vorbeifahren ist der Gestank durch verbrannten Müll kaum auszuhalten. Einige Behausungen bestehen aus ein paar aufgeschichteten Ziegeln und Wellblech drauf. Vielleicht mögen die Roma in Rumänien ein freies und selbstbestimmtes Leben führen – dies hier ist auf jeden Fall das Ende der Zivilisation und ein Staat, der das zulässt, hat Hausaufgaben zu machen.

Wir passieren erstmals die EU-Außengrenze und brauchen rund eine halbe Stunde für den Übergang mit insgesamt 4 Stationen. Die LKW-Schlange ist etwa 3 Kilometer lang. ich mag mir nicht vorstellen, wie lange die Fahrer hier ausharren müssen.

Wir verlassen Bulgarien als ein Land, mit dem wir nicht wirklich warm geworden sind. Teils recht unfreundliche Leute, teurer als Rumänien und touristisch anspruchsloser. Auf der Plus-Seite: Grandiose Landschaften, tolles Essen und eine konsequente Karl-May-Atmosphäre. Wir bereuen nichts – kommen aber sicher auch nicht noch einmal wieder.

8. Etappe – Die Karparten bis nach Bukarest (28. April – 2. Mai 2019)

Wir stehen immer noch auf dem Platz bei Michelsberg, orientieren uns aber jetzt in Richtung auf unser neues Abenteuer: Die Karparten. Wir wandern über die sanften Hügel und finden überall die intensiven Spuren der Bewirtschaftung durch Schafhaltung. Es ist etwas Vorsicht geboten, denn die Hunde der Schäfer sind gefährlich und würden mit unserem Michel kurzen Prozess machen.

Unvorstellbar schön: Die Karparten

Auf unserem Weg kommen wir an einem Honig produzierenden Betrieb vorbei und der junge Besitzer drückt uns Gläser seines Honigs in die Hand. Es ist unglaublich und wir schämen uns dafür, wie wir Rumänen in Deutschland behandeln würden. Man muss sich das vorstellen: Diese Leute sind als Deutsche zu uns gekommen und wirklich nicht immer gut behandelt worden.

Wir treffen eine “echte” sächsische Familie und bitten sie, für uns ihre Sprache zu sprechen. Es ist völlig fremd und wir verstehen kein Wort. Deutsch sprechen die Sachsen perfekt und haben es in der Schule und im Elternhaus gelernt. Sie fühlen sich deutsch – wie ich – und ich fühle mich mies, dass ich das 58 Jahre lang nicht gewusst habe, dass ich hier Landsleute habe. Ich weiß so wenig über diese Welt. Ich frage den Bauern wie es ihm hier so geht und es kommt als Antwort das hier so typische Achselzucken: “Früher hat es hier eine Teppichfabrik gegeben mit 7500 Arbeitsplätzen, heute gibt es nichts mehr!” Ich mag nicht über den Preis der Freiheit reden, spüre aber, dass ihn das alles bedrückt – dass fast alle Sachsen weggezogen sind 1990, fort nach Deutschland, und keiner kommt zurück. Er versteht nicht, warum er nicht die gleichen Subventionen erhält wie deutsche Landwirte und auch nicht, dass ihn damals niemand vom Bahnhof abgeholt hat, als er als Erntehelfer kam und seine Koffer drei Kilometer bis zu seiner Unterkunft schleppen musste.

Im Zigeunerdorf ein paar Kilometer entfernt leben die Roma ihr Leben. Die Lokal-Politiker setzen sich dafür ein, dass sie das ungestört und entsprechend ihrer Traditionen machen können, denn am Wahltag organisieren die Familienchefs den gemeinsamen Gang zur Wahlurne. Viele Politiker in ländlichen Gegenden sichern sich mit der Gunst der fleißig wählenden Roma ihre politische Position. Auch das ist Rumänien

Wir schauen uns abends den Film “Dem Himmel so nah” über die letzten siebenbürger Schäfer an. Es berührt mich tief und ich frage mich, “Wo verorte ich das Glück?” und auch wie ich es schaffen kann, diesen Menschen hier zu sagen, dass sie reich beschenkt sind.

Ich bin so glücklich über diese Reise und darüber, was es mit mir macht, dass ich weinen könnte.

Der erste Monat ist um und hier einiges zur Statistik: Wir sind bei einem Tagesbudget von 45 Euro gelandet inkl. Diesel. Das ist gut, aber ich denke, dass wir das nicht halten können, wenn wir die Campingplätze bezahlen müssen. Bislang haben wir von 30 Übernachtungen nur 4 bezahlen müssen. Andererseits werden wir nicht noch einmal 2500 Kilometer in einem Monat fahren. Der maximale Tagessatz von 50 Euro ist gesetzt. In Summe ist das deutlich weniger, als mich das Haus in Deutschland gekostet hätte. Auf der negativen Seite bislang: Ich bin von einem Hund gebissen worden, Michel gleich zweimal und Sylvia von einer Zecke. Die Grippe haben wir beide gut überstanden.

Wir haben noch nichts verloren. Eine defekte Schublade konnte ich mit Leim wieder reparieren. Die Wohnkabine ist ohne jede Kritik und ist für diese Art Reise optimal. Beim Ranger macht mir der Adblue-Verbrauch etwas zu schaffen, beim Diesel liegt er konstant bei 12 Litern, egal was ich mache. Die Arbeit klappt gut, die 30 Gigabyte-Karte von Vodafone hat 4,90 Euro gekostet und hält schon 14 Tage. In Bulgarien werde ich wieder die insgesamt 4 Gigabyte nutzen können, die wir über unsere Handy-Verträge beziehen.

Es ist Freitag und wir haben für die 150 km nach Bran gut 4 Stunden gebraucht – das ist ein guter Schnitt. Wer so zügig unterwegs sein will, muss eine elektronische Vignette kaufen (6 Euro/Woche), um Schnellstraßen und Autobahnen nutzen zu können.

Am Schloss Bram wird mächtig auf Dracula gemacht, sogar das Bier wird blutrot eingefärbt und der Trubel errinnert mich an den Hexentanzplatz im Harz. Auf dem Campingplatz haben wir ein Pärchen aus Bukarest getroffen, die uns spontan einen Stellplatz in der Innenstadt angeboten haben. Wir werden am samstag die Hauptstadt Rumäniens ansehen. Die Tochter unserer Campingplatznachbarn studiert Ozeanologie in Hamburg, spricht perfekt Deutsch und schickt uns stündlich per Whatsapp Updates zu den Sehenswürdigkeiten. Wir sind sehr gespannt und gehen jetzt erstmal zur Schlossbesichtigung.

Ist weder von Wlad Tepes noch von Dracula jemals besucht worden – trotzdem ein mysteriöser Ort …

Der Gang durch das sehr gut erhaltene Schloss hat sich ganz gegen meine Erwartung zu einer sehr inspirierende Erfahrung entwickelt. Man kann das schlecht erklären, aber der Geist der Leute, die hier mal gelebt haben, ist noch spürbar. Das ist alles noch sehr viel zum Anfassen und die komplette Anlage wird mit sehr viel Fingerspitzengefühl instand gehalten. Authentizität bedeutet, Geschichte nicht zu verfälschen und sieht man mal vom missglückten Versuch ab, Dracula hier zu verorten, funktioniert das prima.

Am Abend kommt unsere Campingplatznachbarin Lena zu uns in den Camper und ich freue mich wieder mal wahnsinnig über ein tolles Gespräch. Das Schöne am Reisen ist, dass man solche Leute trifft. Die junge Aussteigerin (sorry Lena, aber das musste jetzt sein 😉 ) reist mit ihrem Freund durch Rumänien und erzählt uns von ihrem Leben in der Schweiz, wo sie in einem Bauwagen ein recht unkonventionelles Leben führt. Sie räumt tüchtig mit dem landläufigen Bild auf, dass wir gern von Schweizern haben.

Die jungen Leute reisen auch, um Antworten zu finden. Eigentlich wie wir, nur aus einer ganz anderen Perspektive: Sie haben das Leben noch vor sich und stehen vor wichtigen Entscheidungen – wir haben es fast hinter uns und fragen uns, ob wir die richtigen Entscheidungen getroffen haben. Uns eint eine spürbare Seelenverwandschaft im Bemühen, uns nicht einreihen zulassen und ich neide ihnen nur ein bisschen ihre Jugend und was sie schon alles erlebt haben.

Nun zu profaneren Dingen: Zum Glück funktioniert die Heizung wieder, die Nächte sind doch noch ziemlich kalt und der Haussegen hängt schnell schief wegen sowas. Die Alde-Heizung hatte von einem Moment auf den anderen den Betrieb aufgegeben . Mit den nötigen Hilfestellungen durch Adam Lentner vom Wohnkabinencenter geht’s wieder.

Uli und Volker sind gerne abseits der üblichen Routen unterwegs – ihr Wohnwagen muss dabei immer wieder Geländetauglichkeit beweisen.

Wir verabschieden uns von Lena und Cyrill und auch von Uli und ihrem Mann, die wir zuletzt in Hermannstadt getroffen hatten. Lenas Freund sieht nicht gut aus, er hatte die Polen rechts neben ihm nur nach einem Grill fragen wollen und war dann bei Bier und Schnaps hängengeblieben.

Ein tolles team: Lena und Cyrill aus der Schweiz.

Uli und Volker kamen spät in der Nacht auf dem Weg vom Donaudelta zufällig hier vorbei. Sie schwärmen uns vor vom Delta, aber wir müssen Prioritäten setzen und endlich in den Süden kommen. Bukarest ist schon ein Umweg – aber wer weiß, ob wir hier so schnell wieder vorbeikommen.

Auf dem City-Campingplatz stehen wir keine 5 Minuten und finden mit Jean einen supernetten Franzosen, der sich mit uns das Taxi ins Zentrum teilen will. Seit wir los sind werden wir von Menschen getragen die uns ein Stück begleiten, uns beeindrucken und prägen und dann wahrscheinlich auf ewig wieder verschwinden.

Die Zuverlässigkeit, mit der wir solche Leute finden ist immer wieder eine wunderbare Erfahrung. Wir waren früher oft unterwegs, aber dass wir mit so einer traumwandlerisch sicheren Wahrscheinlichkeit Menschen treffen, die uns an die Hand nehmen, oder die wir an die Hand nehmen ist eine völlig unerwartete Facette dieser Reise.

Wir hatten zu Beginn Angst davor, Langeweile zu bekommen, oder die Zwei/Einsamkeit nicht ertragen zu können.

Die Monumentalbauten – hier das Nationalmuseum – sind in einem Top-Zustand.

Bukarest: Gut, dass wir das nicht verpasst haben! Was für eine tolle und inspirierende Stadt, die so gar nichts mit Budapest oder Wien zu tun hat. Der Touristenanteil ist unter 1 Prozent und die Leute hier leben ein von südländischem Flair und östlichen Einflüssen bestimmtes Leben.

Jetzt kennen wir endlich eine studierte Meereswissenschaftlerin: Maria aus Bukarest.

Unsere Fremdenführerin Maria zeigt uns ihr Bukarest. Z.B. einen extrem stylischen Bücherladen oder ein frisch restauriertes Upper-Class-Restaurant in historischem Ambiente. Die Stadt gibt wirklich alles, um sich Besuchern als urbanes Zentrum eines liebenswürdigen Landes zu präsentieren.

“Nur” eine Bücherei im Stadtzentrum.

In Bukarest spürt man nichts von der Armut des Landes und es ist seit langer Zeit das erste Mal, dass mir eine Stadt dieser Größenordnung wirklich sehr gut gefällt. Vielleicht auch, weil hier der Müllwahnsinn des Landes etwas geordneter erscheint. Wer sich in Deutschland über achtlos weggeworfene Cola-Dosen aufregt, der sollte Rumänien als Urlaubsland meiden.

Innenhof einer rumänisch-orthodoxen Kirche mitten in der Stadt.

Die 2,5 Millionen Einwohner merkt man der Stadt nicht an, zumal man mit 6 Euro mit dem Taxi fast von einem Ende bis ans andere fahren kann. Apropos Taxi: Die Taxifahrer hier fahren nicht, sie fliegen. Ich bin niemals mit solchen Geschwindigkeiten durch zweispurige Kreisverkehre geschossen wie hier.

Die gehobene Gastronomie spart nicht am Ambiente…

Wir bedanken und bei Maria für die sympathische Stadtführung. Morgen gibt es einen Arbeitstag und Sylvia will zum Gottesdienst einer ev. Gemeinde fahren. Auf dem Campingplatz frischt Familie Micaud aus Frankreich unsere Französischkenntnisse wieder auf.

Wir reden über deutsche Schäferhunde und Michel hat gehörig Respekt vor Easy.

Ich weiß nicht, wo das all die Jahre gesteckt hat, bzw. wo Frau Wienand all die Vokabeln in meinem Hirn vergraben hat, aber wenn man muss, dann geht es irgendwann und wir unterhalten uns prächtig.

Avec plaisire et avec Easy: Madame / Monsieur Micaud.

Am Abend sitzen wir mit Steven und Jane aus Südengland zusammen. Er ist Schreiner und baut Weidenzäune und Tore, sie hat bei der Heilsarmee gearbeitet. Wahnsinnig interessant – nicht nur zum Thema Brexit. Steve ist politisch mindestens so “Grün” wie ich und es scheint uns unvorstellbar, dass “sein” Land die EU verlassen wird. Wozu? Warum? Wir sind Europäer.

Steven und Jane – Seit 40Jahren ein Superteam – It was a great pleasure to meet you!

Am Montag geht es denn endgültig Richtung Bulgarien.


7. Etappe – Hermannstadt (23. – 28. April)

Endlich Hermannstadt – ich habe so viel gelesen und gehört über die Hauptstadt Siebenbürgens, dass ich es kaum erwarten kann. Andererseits: Der Campingplatz Ananas strahlt so viel Ruhe und Sicherheit aus, dass wir erst einmal einen Zuhause-Tag machen und den Blick auf die verschneiten Karparten genießen.Ich kann auch arbeiten, weil es hier hervorragendes WLAN gibt. Ob wir uns erholen? Kann man so nicht sagen. Der Mensch ist dazu gemacht, sich das Leben schwierig zu gestalten. Aber ich habe das Gefühl, dass ich keine Ameise mehr bin im Ameisenstaat. Eine Reise wie dieses hat keinen Erholungscharakter. Wer sich erholen will, der muss was anderes machen.

Wir lernen unglaublich interessante Menschen kennen, Zuhause in Warstein kannte ich viele interessante Menschen, aber es kamen keine Neuen hinzu. Das hat mich zunehmend belastet.

Hier reden wir 20 Minuten beim Kaffee mit Leuten, die schon vor zig Jahren “ausgestiegen” sind und da kein großes Ding draus machen. Z.B. der Chef vom Camping Ananas. “Du kannst doch gar nicht beurteilen, ob die Zigeuner glücklich sind oder ob man denen helfen. Es ist die einzige Gruppe in Europa, die sich noch erfolgreich gegen das wehrt, was sonst alle gleichmacht!” Ich denke nach und frage mich: “Da hat er recht, eigentlich müsste man dieses Kulturgut schützen!”

Campingplatz-Chef Michael bringt uns zum Nachdenken!

Den ersten Abend haben wir im “Apfelhaus” gegessen. Hauptgang und Dessert für 2 Personen in gehobenem Ambiente für 24 Euro.

Am zweiten Abend haben wir begonnen, die Lebensmittel aus dem Kloster und von unseren rumänischen Freunden zu verwerten. Nach unseren Maßstäben sieht das alles etwas ungewohnt aus, aber wir müssen anfangen, Lebensmittel wieder als das zu sehen, was sie sind: Kalorien. Und wir wollen anfangen Nahrungsmittel wieder zu ehren.

Pater Mina hat uns ein heiliges Brot mitgegeben. Das darf man nicht wegwerfen, auch nicht, wenn es knochentrocken ist – und so mümmeln wir uns durch diesen Weißbrotberg und haben ein gutes Gefühl dabei.

Nudeln, Tomatensauce, eingemachte Bohnen aus dem Kloster und frischer Knoblauch, dazu das Weinchen, das mir der TuS Allagen zum Abschied geschenkt hat – Mehr braucht’s nicht.

Unser Michel bildet Rudel mit den unterschiedlichsten rumänischen Hunden. Abends ist er ratzenalle – aber er reift hier zum Rüden.

Der dritte Tag: Wir sind die 12 Kilometer nach Hermanstadt mit dem Rad gefahren und wieder mal überrascht uns dieses Land: Hermannstadt – oder Sibui – ist eine moderne Universitätstadt, in deren versteckten Winkeln man einen Harry Potter-Film abdrehen könnte.

Wir besuchen das Bücher-Cafe Erasmus und staunen über die erstklassige Auswahl deutscher Bücher. Auch wenn das “Sächsische” hier ausstirbt – Deutsch ist eine Trendsprache und wird an vielen Schulen als 2. Fremdsprache gelehrt – und die Rumänen sind stolz auf ihre Sprachfertigkeit. Die jungen Leute sprechen fast alle gutes Englisch. Hermannstadt ist sauberer als jede deutsche Stadt die ich kenne und auf eine sehr lässige Art und Weise absolut tiefenentspannt. Und auch wenn das alles mit EU-Geld finanziert ist – man könnte sinnloseres damit anstellen…

Am Abend beißt mir der Campingplatzhund ins Bein und der Campingplatz-Chef hat seinen Spaß. Hunde, auch bösartige, gehören hier überall dazu und es regt sich niemand auf. Die ganze Nacht durch kläffen die Köter und Michel fängt auch schon an. Hunde sind hier ein echtes Mega-Problem und selbst die Wachhunde werden nachts von der Kette gelassen. Der Polizei und der Administration sind die Hunde völlig egal.

Übrigens: Die deutsche Kultur ist hier rund 800 Jahre alt. Warum die Menschen aus dem heutigen Deutschland hierherkamen und die sieben Städte gründeten ist historisch nicht geklärt. Einige Erklärungen sehen in den Vorfahren der Siebenbürgener Sachsen gestrandete Kreuzfahrer, eine andere Theorie sagt, dass die Sachsen von einem ungarischen König angeworben und mit Land gelockt wurden. Historisch belegt ist das alles nicht.

Und Dracula? Der hatte hier in Transsylvanien lediglich mit dem grausamen Wlad Tepes ein historisches Vorbild. Der war ein Meister im Pfählen seiner Opfer, ihr Blut hat er aber wohl nicht getrunken. Dracula steht für “Sohn des Drachen”. Fest steht, das Wlad Tepes ein Adliger der Walachei war und der mit seinen Gegnern, z.B. den Türken, nicht zimperlich umging, aber von seinem Volk durchaus als gerechter Herrscher geachtet wurde.

Von Blutsaugern zu Politikern: Am 9.Mai findet ein EU-Gipfel in Hermannstadt statt. Rumänien führt aktuell den EU-Vorsitz und im Hermannstädter Kreiskrankenhaus wurden eigentlich verschobene Investition noch reaktiviert, um den hohen Gästen im Notfall medizinische Versorgung zukommen lassen zu können. Wenn Rumänien sich der Welt von der besten Seite zeigen will, dann hat es mit dem Gipfelstandort Hermannstadt eine perfekte Wahl getroffen.

Der nächste Tag: Michael nimmt uns mit nach Hermannstadt und wir gehen auf den Markt, für knapp 15 Euro kaufen wir einen Berg Ziegenkäse, total leckeren Schafskäse, Gemüse, Brot und Eier. Die Frage, ob das hier “bio” sei erübrigt sich. Ein Mann verkauft Sauerampfer.

Die rumänische Küche verarbeitet viele Sachen aus der Natur, in diesen Sauerampferblättern werden Reisbällchen eingewickelt.

Michael zeigt uns seine Wohnung. Der über 500 Jahre alte Dachstuhl ist wenig vertrauenserweckend. Es wirkt alles eher baufällig, hat aber auch einen ungeheuren Charme, leicht morbide, aber auch sehr bodenständig und bewusst.

In einem Cafe in einer Nebenstraße trinke ich den leckersten Kaffee seit langem und staune wieder einmal für das “Händchen” dieser jungen rumänischen Geschäftsleute, aus wenig ungeheuer viel zu “zaubern”.

Wir nutzen den Samstag und wandern zu einer historischen Kapelle auf einer Anhöhe über Michelsberg. Hier oben wird auf Marmortafeln der Toten aus dem ersten Weltkrieg gedacht. Ich summe andächtig “…und du warst nicht einmal 19 Jahre alt!” und gedenke dieses Wahnsinns, der nicht selten genug in Heldenverehrung gipfelt. Hier nicht so wirklich, denn als Siebenbürger Sachse für König und Kaiser das Leben zu lassen für Ereignisse 1500 Kilometer entfernt der Heimat dürfte auch aus damaliger Sicht nicht wirklich Sinn gemacht haben und heute kann das wirklich niemand mehr verstehen.

Heute sind die Tafeln die einzige Spur zu ihrem Leben und sie mahnen uns wachsam zu sein. Abends gehen wir essen mit Michael und es ist wirklich superlecker. Sylvia und ich zahlen 90 Lei (18 Euro) für ein tolles Essen mit Getränken und Dessert. Ich streite mit Michael, ob es meine Pflicht ist, mir die orthodoxe Osternachtfeier um Mitternacht in der Dorfkirche anzusehen. Des lieben Friedens willen gehe ich mit und sammele wertvolle Erfahrungen. Michael hat schon nach einer Stunde genug von dieser wirklich beeindruckenden aber uns völlig fremden Lithurgie und verabschiedet sich. Wir bleiben noch eine Stunde und genießen den Gesang und die Fremdartigkeit der Szenerie. Als aber gegen 2 Uhr früh immer noch kein Ende in Sicht ist heißt es auch für uns ein letztes Mal “Amin!” und ab ins Bett.

Die orthodoxen Christen feiern Ostern eine Woche später als wir in Deutschland.

Am Montag wollen wir weiter. Michael hat mir für einen kostenlosen Stellplatz ein Geschäft vorgeschlagen, das ich heute umsetzen werde. Meine Fähigkeiten im Netz helfen mir auch hier und ich habe langsam dasGefühl, dass dieses “Digitale Nomadentum” funktionieren könnte. Ich arbeite mit einer Datenkarte von Vodafone: 30 Gigabyte für 4,90 Euro. Am Montag müssen wir in Hermannstadt noch Gas auffüllen – die ersten 10 Kilogramm gehen zu neige.

Ein tolles Team: Vero und ihr Vater Janos sind Nachbarn von Michael in Michelsberg. Die selbstbewusste Frau ist eine stolze Rumänin, für die Familie über alles geht.

Das ist das Ende dieser Etappe: Morgen geht es nach Kronstadt und Bran und ich freue mich sehr auf die erste Bergetappe in den Karparten, bevor es uns nach 3 Wochen Rumänien nach Bulgarien führt und dann nach Albanien, wo wir uns – so alles klappt – mit Karl aus Österreich treffen werden.

6. Etappe – Durch Siebenbürgen (21 – 23. April)

Wir verabschieden uns von Vater Mina und den Klosterleuten und fahren im Convoy mit Suzanna nach Cluj, wo Michaela schon auf uns wartet. Man sagt, Siebenbürgen würde von den 7 Städten abgeleitet, die von den “Sachsen” im 13. Jahrundert angelegt wurde. Klausenburg und Hermannstadt sind die bekanntesten. Auf dem Weg nach Klausenburg inspiziert Suzannas Mann noch einen Zuchthengst im Auftrag eines Freundes. Hier gibt es auch ein grad mal 12 Stunden altes Fohlen.

Die Unterbringung der Tiere ist etwas gewöhnungsbedürftig, aber ich möchte den Leuten hier auch nicht absprechen, einen guten Draht zu ihren Tieren zu haben. Es ist halt alles etwas anders hier. Man merkt das auch im Verhältnis der Rumänen zu ihren Hunden. Hier ist längst nicht jeder Hund an der Kette, aber immer noch zu viele. Ein Hund ist hier aber auch kein Kuscheltier oder jemand, mit dem man spazieren geht. Man muss hier einfach aufhören, vorschnell Urteile zu sprechen.

Gerade auf dem Land leben viele Hunde an der Kette.
Zuchthengst, ausgebildet für die Kutsche und als Arbeitspferd – Der stramme Bursche soll in Cluj Hochzeitskutschen ziehen.

Ein paar Kilometer weiter bilden unterschiedlichste Menschen eine Schlange vor einem öffentlichen Brunnen. “Hier gibt es das beste Wasser” klärt uns Suzanna auf und wir stellen uns ebenfalls mit unseren Kanistern an.

Das hat hier nichts mit Armut zu tun – hier gibt es halt gutes Wasser.

Abends essen wir vegetarisch in einem tod-schicken In-Restaurant in Rumäniens zweitgrößter Stadt – was für ein Kontrastprogramm zur Klosterküche unter freiem Himmel. Das Essen mit Getränken und Desserts für 5 Personen kostet knapp 50 Euro.

Wir übernachten in Michaelas Wohnung und starten am nächsten Morgen zum Sightseeing nach Cluj. Klausenburg – so die deutsche Bezeichnung – ist die zweitgrößte Stadt Rumäniens und in direkter Konkurrenz zur Hauptstadt. Unser Eindruck: Eine ganz normale Stadt mit attraktivem Kulturprogamm, schöner Einkaufsstraße, Restaurants, Uni und sogar einem eigenen Opernhaus. So eine Stadt hätte man hier nicht erwartet, aber Rumänien überrascht uns eh an allen Ecken und Kanten.

Künstler aus der rumänischen Moldau sind bekannt für ihre Ostereimalereien

In der Boutique von Suzanna und ihrem Mann staunen wir über die Geschäftstüchtigkeit der Rumänen. Auch diese Seite gibt es.

Michaela will uns gar nicht gehen lassen, aber wir wollen weiter. Es kommt mir vor, als tausche ich ein altes System gegen ein neues, würden wir hierbleiben. Ich habe NIEMALS in so kurzer Zeit so viele wertvolle Menschen kennengelernt. Z.B. den Vater eines Priesters aus Klausenburg, der mit 95 Jahren zu Fuß auf dem Weg zum Kloster war und nur mit Michaelas Überredungskünsten zum Einsteigen ins Auto aufzufordern war. Er hätte sonst für die 2 Kilometer 2 Tage gebraucht. Aber er hätte es geschafft.

95 Jahre alt und fest im Glauben verwurzelt.

Wir fahren nach Turda und parken vor der weltberühmten Saline, die wir am nächsten morgen besichtigen. Unglaublich, was Menschen Hand vermag. Der Salzabbau schuf Fußballfeldgroße Hallen. Wir tauchen über knapp 600 Stufen in die Tiefe hinab.

Sehr beeindruckend: Die Saline von Turda.

Am Nachmittag besichtigen wir die Altstadt von Schässburg. Der evangelische Friedhof gibt Zeugnis über die deutsche Kultur, die diesen Ort maßgeblich prägte. Aber man bekommt den Eindruck, als gäbe es aktuell eine Zäsur und dass sich das Deutsche hier und aus ganz Siebenbürgen zurückzieht unwiederbringlich.

Ein Teil der alten Wehranlage von Schässburg.

In Hermannstadt angekommen haben wir das erste von mehreren Sehnsuchtszielen erreicht. Hier werden wir ein paar Tage bleiben, bevor es in die Bergwelt der Karparten geht.

Kilometerstand: 2400
Ausgegeben: 1100 Euro (50 Euro Tag alles inklusive)


5. Etappe -Durch Transsylvanien (16. bis 21. April)

Auf dem Weg nach Hermannstadt brauche ich einige Zeit um zu begreifen, dass das Navi die Anweisung „Keine Autobahnen“ auch auf Schnellstraßen bezieht. Wir fahren über Straßen, in deren Schlaglöchern man Spanferkel grillen könnte. Endlich die Grenze! Aber welche Grenze? Der freundliche Herr im Häuschen erklärt uns, dass es hier in die Ukraine ginge. Wieder zurück auf dem Weg in den Süden testen wir mehrere Abzweige, um uns einen Platz für die Nacht zu suchen. Jedes mal passt irgendwas nicht. Dann weist uns der Weg zu einem kleinen Kirchlein, das sich nach 2 Kilometer Schotterpiste als komplette Klosteranlage rumänisch-orthodoxer Mönche entpuppt. Bruder Mina leitet das Kloster und schon wie ich ihn sehe weiß ich, dass hier der nächste große Moment unserer Reise auf uns wartet. Am Ende passt es immer…

Natürlich können wir hier stehen und natürlich fährt Vater Mina zum Abendessen auf, was die Klosterküche hergibt. Vor Ostern dürfen rumänisch-orthodoxe Mönche nur vegan leben – und es ist ein Traum! Das beste vegane Essen, dass ich je auf den Teller bekommen habe.

Wir reden über Gott und die Welt und bleiben schließlich bei der Apokalypse hängen. So ein gescheiter Mensch – unglaublich. Morgen empfängt das Kloster 200 Kinder bedürftiger Familien der Umgebung. Ich hab ihm versprochen, eine Geschichte draus zu machen und Fotos in Deutschland zu veröffentlichen.

Das Kloster führt gemeinsam mit Leuten aus dem Dorf ein soziales Projekt. Federführend ist Michaela, die mit mehreren Hochschulabschlüssen doch den Einsatz für ihre „Kleinen Herzen“ einer Karriere als erfolgreiche Rechtsanwältin oder Psychologin vorgezogen hat.

Michaela und unser Michel haben sich sofort verstanden.

Wir begleiten das Projekt zwei Tage lang und sind nicht nur von Michaelas stoischem Durchsetzungswillen beeindruckt, sondern auch überrascht, wie Vater Mina Verantwortung für dieses sehr weltliche Thema übernimmt. Er ist immer dabei, begleitet jeden Schritt, spielt mit den Kindern und freut sich, dass wir dabei sind. Es ist für ihn „Fügung“ und völlig unvorstellbar, dass wir in diesem System – heute oder morgen – keine Position einnehmen.

Am Morgen werden über 200 Kinder hier versorgt – geistig und körperlich. Die Kinder und Jugendlichen sind höflich, gebildet und sehr interessiert. Natürlich grassiert auch hier der Handywahn, aber es ist doch alles noch etwas geerdeter.

Sylvia steht den Mädchen Rede und Antwort.

Ich habe nicht das Gefühl, dass diese Kids unglücklicher sind als unsere.

Essen hat in Rumäniens Willkommenskultur eine ganz besondere Bedeutung.

Auch Sportlehrer Radu bricht eine Lanze für seine kleinen Rumänen. Er zeigt uns seine Schule und die Rektorin führt uns stolz zum PC-Raum und ins Labor. Gut – es könnte mal gestrichen werden, aber einen echten Unterschied zu einer deutschen Schule mag ich nicht ausmachen – auch nicht auf der schönen Kunstrasenanlage. Im Lehrerzimmer: Wieder Essen. Eine Kollegin hat Geburtstag und wenn die Rumänen Essen auffahren, dann nicht zu knapp. Z.B. Reisbällchen in Kohlblätter eingerollt.

Seine Schüler finden ihn toll: Sportlehrer Radu

Kurz sprechen wir über das Roma-Thema und für ihn ist das klar: „Die sind nicht integrierbar!“ und diese Meinung begegnet uns immer wieder. Ich denke, man muss es akzeptieren. Radu macht mir nicht den Eindruck, als dass er Menschen in Klassen einteilt – aber er hat seine Erfahrungen. Seiner Meinung nach leben einige traditionelle Roma in Rumänien genau den Lebensstil, den sie leben möchten und nichts könne sie davon abbringen. Ich tue mich schwer mit dem Thema, muss aber akzeptieren, dass die Leute hier eher Experten ihrer eigenen Situation sind als ich.

Vater Mina ist immer dabei!

Am Tag liefert eine Hilfsorganisation aus Coburg einen Bulli mit Anhänger voller Hilfsgüter. Die Dinge werden alle dankend angenommen, aber wenn ich die Tüte mit den 300 bunten Plastikeiern „zum Dekorieren“ sehe frage ich mich, wer die wohl aus welchem Antrieb 1500 Kilometer quer durch Europa geschickt hat und wer entschied, ob man die hier brauchen könnte.

Seit 28 Jahren gibt es diese Rumänienhilfe und dafür gilt Xaver und seinen Leuten mein ehrlicher Respekt und mein tiefer Dank! Die Welt wäre ärmer ohne Menschen wie euch! Aber Systeme sollten immer mal wieder durchleuchtet werden.

Ich persönlich denke, die Leute hier vor Ort könnten mit Geld und puren Lebensmitteln viel mehr anfangen und das auch besser organisieren.

Michaela erklärt uns, dass die Menschen oft meinen, nur mit Lebensmitteln und Kleidung caritativ sein zu können in der Tradition des Hl. Martin: “Wir sind sehr dankbar für diese Hilfe, aber wir brauchen auch Zement und Farbe!” Die Rumänienhilfe tut etwas und das mit aller Kraft und allerbesten Absichten, aber ich glaube, dass man mehr miteinander sprechen müsste.

Abends sind wir dann bei Rodrica zum Essen eingeladen. Auch sie tischt wieder auf als ob‘s kein Morgen gäbe.

Die Großmutter führt einen großen Haushalt mit Schweinen, Hühnern und eigenem Mini-Weinberg. Sie schenkt uns eine Flasche selbst gekeltertem Rotwein, eine Cola-Flasche voll Schnaps, der mich schon vom Riechen blind macht und eine 5 Zentimeter dicke Schweineschwarte mit etwa 4 Kilogramm purem Fett. Selbst als Vegetarier komme ich aus der Nummer kaum raus – aber zumindest den Speckberg werde ich in Michaelas Tiefkühtruhe wandern lassen.

Nach dem Essen zeigt uns Michaela ihren Traum – noch ist es eine halb renovierte Bauruine, aber schon bald sollen hier Begegnungen stattfinden und Jugendfreizeiten organisiert werden. Ich weiß nicht, woher dies Frau ihre Kraft nimmt – und ihre Zuversicht. Mir scheint die Aufgabe kaum lösbar, wenn nicht eine Geldquelle aufgetan wird.

Zu Ceaușescu -Zeiten ein Partei-Gebäude – Heute ein Zeichen der Hoffnung für Michaelas Projekt.

Abbrennen und auf Millionäre warten klappt vielleicht in Paris, hier nicht…

Am späten Abend kommen Michaela und Pater Mina zu uns ins Wohnmobil und wir diskutieren über’s in den Himmel kommen und was man auf Erden so alles Gutes tun kann. Wir reden auch über die 600 Millionen, die für Notre Dame gespendet wurden, während es hier in Rumänien an allen Ecken und Kanten fehlt. Vater Minas sagt: „An Gott darf man nicht sparen!“ – und Punkt.

Michaela erzählt, dass die öffentliche Meinung in Bukarest laute: „Lieber Krankenhäuser als Kirchen!“ Dass aber trotz Verzicht auf den Kirchenbau keine Krankenhäuser gebaut würden ist für sie typisch in glaubensleeren Gesellschaften.

Im Oktober ist der Orden in Deutschland und ich soll eine Präsentation erstellen. Sobald ich ordentlich WLAN habe baue ich Michaela die Homepage für ihre „Kleinen Herzen“ und den Text für’s Kloster gibt’s dann auch.

Ganz normale Mädchen – wie überall auf der Welt!

Es ist Karfreitag, unser 3. Tag im Kloster. Michaela hat sich mit dem Daimler-Transporter des Klosters auf dem Schotterweg zu Ihrem Feriencamp festgefahren – ich denke nicht das erste Mal. Ein Wendeplatz würde helfen, damit nicht immer rückwärts der steile Weg gegen die Kupplung hochgestemmt  werden müsste. Nach einer Stunde hab ich den Transporter wieder in der Spur. Er hat 700.000 Kilometer auf der Uhr uns ist das technische Herz der Organisation. Es ist eine Frage der Zeit…

Ihrer überbordende Zuversicht steht den Rumänen oft ein kleiner Mangel an Voraussicht im Wege. Das gilt nicht nur für Wendeplätze.

Und das Plastik…Das ist hier gegenüber Ungarn nochmals eine Steigerung. Getrunken wird hier nur aus Plastikflaschen und die Müllabfuhr hat Schwächen. Egal wie oft wir uns „Blue Planet“-Folgen auf Netflix ansehen – die Realität sieht ganz anders aus – insbesondere in Transsylvanien. In Deutschland macht man sich keine Vorstellung davon, vielleicht auch als Folge der Tradition der Mülltrennung im „Gelben Sack“. Ich habe das mal verurteilt, heute sehe ich das komplett anders. Würde man in Rumänien für jede Flasche, die man entsorgt, einen Lei bekommen, könnte es vielleicht anders aussehen.

Die Hilfe kommt an – trotzdem wird es Zeit für ein Umdenken.

Sylvia ist mit Joana unterwegs und bringt Lebensmittelpakete zu bedürftigen Familien. Sie ist fasziniert und erschrocken zugleich. Die Armut ist kaum vorstellbar. Häuser ohne Fußboden und Kinder und die Hühner unter einem Dach. Mit viel Glück gibt es eine Waschmaschine, im Bad allenfalls ein Klo und ein Waschbecken. Michaela sagt: “Sie müssten so nicht leben, aber es ist sehr schwer herauszukommen!”

Michaelas Organisation packt außer zu den Feiertagen 4 – 5 mal pro Jahr Pakete. Besonders willkommen ist das Schulpaket, wo es für jedes Kind einen Rucksack und die notwendige Ausrüstung für die Schule gibt.

“Der Gottesdienst dauert 3 Stunden von 17 bis 20 Uhr und die Zeit reicht gerade mal, um all die Bilder anzusehen, die jeden Quadratzentimeter des imposanten Gebäudes schmücken. So viele goldene Heiligenscheine auf einmal habe ich noch nie gesehen. Es macht den Eindruck, als würde hier die ganze Bibel nacherzählt. “Draußen ist noch Platz für noch mehr Heiligenbilder” – lacht Vater Mina sein sehr unorthodoxes Lächeln.

Und das ist nur der Speisesaal.

Orthodox steht im Glaubensverständnis dieser Kirche übrigens für “einfach”.

Wir wollen weiter, die Rumänen erzählen uns von unglaublichen Sehenswürdigkeiten und wir sind es diesen tollen Leuten schuldig, uns das anzusehen.

Am Morgen zur Frühstück kommen Vater Mina und Michaela und bitten uns, noch einen Tag zu bleiben. Sie brauchen Helfer zum Kirchenputz, außerdem soll ich Michaelas Freizeitanlage aufräumen und die Hilfsgüter einsortieren. Das Wetter ist toll und uns gefällt es hier ganz gut, also verschieben wir die Weiterreise auf Sonntag.

Wie ich hier so arbeite denke ich nach, wie man dem Projekt am meisten helfen könnte. Michaela braucht Leute mit Organisationstalent und Lust, die Ärmel hochzukrempeln. Ich denke an die vielen Rentner in Deutschland, die hier unglaublich viel helfen könnten – auch mit handwerklichem Können. Das Arbeiten im Kloster gibt einem viel. Die Atmosphäre bei den gemeinsamen Mahlzeiten und der geregelte Tagesablauf fahren ein gestresstes System spürbar herunter. Vater Mina würde jeden Helfer herzlich willkommen heißen. Es ist ein sehr spiritueller Ort hier und das spürt man sehr deutlich.

Er fragt, ob ich mir den kaputten Fendt mal ansehen könnte, der käme schließlich auch aus Deutschland. Der 40 Jahre alte Schlepper laboriert an einem defekten Planetengetriebe an der linken Vorderachse. Bruder Mina wundert sich, warum er nirgendwo Ersatzteile findet im Internet. Mein Kumpel Bruce gibt Rat per Telefon: “Weil man die ganze Antriebseinheit wechseln muss. Einen defekten Satelliten kann man nicht austauschen!” Kosten: Etwa 400 Euro schätzt er. Das ist hier in Rumänien sehr viel Geld.

Am Abend des vierten Tages haben wir Küchendienst. In Sachen Ordnung und Sauberkeit muss man kleine Abstriche machen. Sylvia meint: “Ist halt ein Männerhaushalt!”

Etwas Essen muss stehen bleiben, weil Vater Mina noch bis Mitternacht Gläubigen die Beichte abnimmt. Die Seelsorge ist hier ein Knochenjob. Was mich an diesen orthodoxen Mönchen fasziniert ist ihre Erdverbundenheit und ihre Unverkrampftheit, gerade in Glaubensfragen. “Wir missionieren nicht”, sagt Vater Mina. Für Gemeindepfarrer gilt auch kein Zöllibat und viele der starren und tausendjährigen Regeln werden mal mehr mal weniger beherzigt.

Morgen geht es weiter: Wir besuchen Michaela in Klausenstadt und wollen uns dann in Turda das Salzbergwerk mit dem unterirdischen See ansehen, bevor wir mit Hermannstadt – der heimlichen Hauptstadt Siebenbürgens – unser erstes Monatsziel erreichen. “Danach kommt ein anderes Rumänien”, warnt uns Michaela und empfiehlt, bis zum Donaudelta zügig durchzufahren.

Kurz vor der Abfahrt schreibe ich noch ein Mail an meine Familie:

“Hallo, euch auch ein schönes Osterfest und dank des rumänischen Internets war das Lämmchen nach etwa einer Stunde Ladezeit auf unserem Rechner.

Da ich während dieser Zeit nicht arbeiten kann eine herzliche Bitte: Denkt bitte dran, dass es auch für solche Anhänge notwendig wird, dass überall auf der Welt Strom fressende Rechenzentren gebaut werden müssen. Idealerweise hier in Rumänien. Geht bitte sorgfältiger mit unserer Umwelt und den Leuten überall auf der Welt um. Es ist teils fürchterlich anzusehen, was hier passiert, und die Leute haben keine Chance sich zu wehren. Die Helfer reißen sich wirklich den Arsch auf, aber es scheint, als könne man gegen den Westen und diesen miesen Kapitalismus nicht anarbeiten. Cocacola müsste verurteilt werden, die ganzen Scheiß PET-Flaschen zurückzunehmen. Kauft bitte nichts mehr von solchen Multis bis die anfangen auch internationale Verantwortung zu übernehmen. Nehmt mir das bitte nicht übel, aber man beginnt krass nachzudenken hier…”

Wir verabschieden uns von Vater Mina und den Klosterleuten und fahren im Convoy mit Suzanna nach Cluj, wo Michaela schon auf uns wartet. Auf dem Weg inspiziert Suzannahs Mann noch einen Zuchthengst im Auftrag eines Freundes. Hier gibt es auch ein grad mal 12 Stunden altes Fohlen.

Abends essen wir egetarisch in einem tod-schicken In-Restaurant in Rumäniens zweitgrößter Stadt – was für ein Kontrastprogramm. Das Essen mit Getränken und Desserts für 5 Personen kostet knapp 50 Euro.

Schwarzen Meer wollen wir dann einfach nur mal Urlaub machen. Ich fürchte, da wird uns auch wieder etwas dazwischenkommen.

4. Etappe – Budapest und die Puzsta (14. – 16. April)

„Fahrt’s nach Rumänien!“ bringt uns Karl aus Wien auf den weiteren Weg Richtung Osten. Er schwärmt von Lost Places, die es im Norden Ungarns und ganz besonders in Rumänien gebe, wo man wunderschön stehen kann. Im Ansatz ahnen wir was er meint, als wir kurz vor Budapest halt an einem See machen. Im Sommer mag hier ein Freizeitwunderland pulsieren – jetzt grade aber retten sich die einstigen Vorzeigehotels des Ostblocks von einem Verfallsjahr ins Nächste.

Artenvielfalt in Ungarns Vorgärten.

Wir stehen auf einem Parkplatz, 50 Meter vom Wasser und es ist wunderschön hier – aber auch völlig ausgestorben. Grad haben wir uns nach dem Abendessen „Brother Sun und Sister Moon“ angesehen – ein toller Film über die Jugend des Hl. Franziskus. Wieder bleibt mir was hängen „Ich will nicht verstanden werden – ich will verstehen!“ Warum investieren wir so viel Zeit, damit andere uns verstehen?

Warum ist das so schwer mit sich ins Reine zu kommen? Ich kann die, die mich nicht verstehen nicht verändern – nur mich selbst!

Morgen müssen wir irgendwo einen Kulturstopp machen, dringend mal Duschen, Wasser auffüllen und Wäsche waschen. Danach dann in die Karparten, wo ich mich endlich mal auf einen Stein setzen und nachdenken werde, warum ich mir ständig nur selbst im Weg stehe und die Schuld den anderen gebe. Es ist alles nicht dramatisch, aber ich bin der festen Überzeugung, dass ich die nächsten Jahre lieber ohne diesen Rucksack voller unwichtiger und bremsender Befindlichkeiten auskommen möchte und das man Dinge, die einen an sich selber stören abschalten kann.

Auf dem Weg nach Budapest zieht alles an mir vorüber, was mein Bild über Ungarn prägte, von Sissi bis Arpad der Zigeuner. Was mir auffällt: Das ist hier vielleicht nicht alles in Top-Zustand, aber hier ist es blitzsauber.

Budapest

Die Hauptstadt Ungarns ist eine absolute Perle. An den Imbiss-Buden ist alles XXL und an jeder Ecke Polizei im Doppelpack. Hier ist man bereit, das kleine Bisschen Protz und Prunk mit allen Mitteln zu verteidigen. Die Kontrolleure in den U-Bahnen sind offensichtlich die Schwarzfahrer von gestern – genial gelöst noch Orban-Art.

Auf dem Schloss lässt sich eine Ungarin in einem Hochzeitskleid fotografieren, in das sie offensichtlich aufwändig hineingenäht wurde. Und überall zwischen Posern und in Beliebigkeit hübschen Mädchen entweder sich gähnend langeweilende WLAN-Kids oder nicht-wissen-was-sie-da-eigentlich-im Hintergrund-fotografierende-Selfie-Maker. Das ist hier austauschbar. Multi-Kulti ist hier nur noch eine Hautfarben-Definition. Globale Vereinheitlichung in regionaler Beliebigkeit.

Für eine Urlaubsstation wohl sicherlich ein Muss – ich bin froh dass ich da nicht nochmals hineinmuss und schiebe einen Arbeitstag vor. Sowieso: ich muss beginnen, dass alles hier als Lebensmodell zu begreifen und nicht als Aneinanderreichung touristischer Hotspots, bis es einem aus den Ohren kommt. Der Platz hier ist als Arbeits-Platz super – mit verlässlichem WLAN, Gratis-Waschmaschine und schön ruhig – abgesehen von den Jets, die alle 5 Minuten 10 Kilometer entfernt starten und landen und abgesehen von den Geräuschen, die aus dem Stundenhotel im Campingplatzzentrum dringen und Väter kleiner Mädchen in Erklärungsnot bringen.

Ich hoffe, dass wir in der Puzsta nun etwas Natur und ursprüngliches Ungarn finden.

Die berühmte Brücke von Hortobagy

Die Puzta ist toll, aber irgendwie schecht zu greifen, da ihr Reiz in der unglaublichen Fläche liegt. Soe richtig verlieben können wir uns in Ungarn nicht, zumal es hier außerhalb der Saison echt tot ist.

Nach 15 Tagen haben wir 817 Euro ausgegeben (54.50 pro Tag), davon aber 200 Euro für noch notwendige Einrichtungsgegenstände und 160 Euro Diesel.

3. Etappe: Die Wachau und Wien, 9. bis 13. April

Nach zwei wunderschönen Tagen in der Wachau, die unser Tagesbudget schon allein mit den Stellplatzgebühren überfordert, machen wir uns auf den Weg nach Wien. In der Tasche die Adresse von Karl, der uns angeboten hat, dass wir auf dem Parkplatz vor seiner Wohnung im Gewerbegebiet übernachten könnten. Karl ist aber nicht nur Hausmeister einer riesigen Gewerbeimmobilie, sondern auch Umwelt-Pädagoge, Fledermausretter, Boxer, Unimog-Fan und ganz an sich ein sehr lieber Mensch, der unbedingt mehr über unser Aussteigerthema erfahren will. “Kommt’s zu mir!” 3. Etappe: Die Wachau und Wien, 9. bis 13. April weiterlesen

2. Etappe: Schalomkloster Pupping (5. – 8. April)

Die Nacht haben wir auf einem Feld bei Regensburg verbracht und sind dann am Nächsten Morgen zum Franziskanerkloster Pupping/Österreich aufgebrochen, wo wir uns mit Carsten Hille verabredet haben. Carsten hatten wir vor Jahren auf der Suche nach einem Gärtner kennengelernt und als wertvollen Ideengeber insbesondere auf der spirituellen Ebene auch schätzen gelernt. 2. Etappe: Schalomkloster Pupping (5. – 8. April) weiterlesen

1. Etappe: geisenheim (1. – 4. April)

Nachdem am Sonntagabend mit der Hausübergabe endlich alle Kapitel der Vorbereitung erledigt werden konnten, gab’s am Montagfrüh noch die Verabschiedung von meinen Schwestern. Zuvor musste noch die Wohnkabine auf dem Ford Ranger befestigt werden. Dann nach einem kleinen Zwischenstopp bei Freunden im Sauerland die erste Autobahnetappe mit unserem neuen Zuhause.

Wie unkompliziert das ging beschreibe ich HIER.

Das Ziel war nach 330 Kilometern erreicht: Unser Lieblingstante Hildegard verpflegte uns bis Donnerstagnachmittag.

Wir halten uns bereits an die 30 Euro pro Tag-Regel. Budget, das nicht abgerufen wird, kann später ausgegeben werden. Heute könnten wir theoretisch 68 Euro ausgeben. Jedem Tag werden dem Budget 30 Euro zugefügt. Die Rechnung für das tolle Abendessen (Bild) hat natürlich wieder mein grandioser Schwiegervater übernommen. Ich weiß nicht wie er es immer wieder schafft, vor uns zu bezahlen. Beim nächsten mal wird er angebunden.

Ich bin platt und spüre, dass der Stress der letzten Tage sich so schnell nicht wird abbauen lassen. Ich schlafe schlecht und wenig. Heute abend in Regensburg sind wir das erste mal seit sehr langer Zeit ohne Leute und Termine. Da freue ich mich sehr. Etwas lesen, Tee trinken, mit dem Hund raus und früh ins Bett.

Da die Visa für Russland nicht angekommen sind, haben wir beschlossen, sie uns nachschicken zu lassen nach Wien. Hier wollen wir unsere Tochter Ella treffen und etwas Kultur genießen. Heute geht’s erstmal zum Stellplatz nach Regensburg.

Bislang gefahrene Kilometer: 350
Augegeben: 52,00 Euro
Diesel: 89,00 Euro

Minus 1 – und los geht’s

Endlich sind wir unterwegs. Nach der wirklich sehr emotionalen Verabschiedung von den geliebten Schwägerinnen und Schwestern geht es in den Rheingau. “Mr. Extrem Hilfsbereit” – also mein Kumpel Jürgen W. – hat noch schnell beim Aufbau der Kabine geholfen und dann ging es los. Ab sofort ist nix mehr mit “Minus” und es geht los. Wir warten jetzt hier auf die Visa für Russland – das kann ein paar Tage dauern und ich werde das nutzen, um mal ein paar technische Themen hier im Blog aufzuarbeiten. ich entschuldige mich dafür, dass die letzten Postings alle etwas kurz waren – aber ich bin echt platt…