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13. Etappe – Die Türkei

Exkurs I: Wie verarbeite ich einen Unfall?
Exkurs II: König Antiochos I – Der Gottkönig im Berg
Exkurs III: Türkische Gastfreundschaft

Nach wirklich einfacher Grenzkontrolle fahren wir in die Türkei ein. Der Pulsschlag geht hier schneller, das ist uns sofort klar – spätestens als wir uns in die Schlange für die Fähre über die legendären Dardanellen einreihen. 10 Leute brüllen verschiedene Kommandos und die Autofahrer machen was sie wollen. Nach 10 Minuten ist die Fähre voll.

Eine unbeschreibliche Hektik lädt das Boot – das ginge auch anders, wäre dann aber nicht mehr türkisch.

Nach kurzer Überlandfahrt, auf der wir unser erstes Kamel sehen, erreichen wir Camlik, das ist eine Art Campingplatz, für den man 10 Lira, also etwa 1,50 Euro, für die Nacht bezahlt.

Unser erstes Kamel – es sollten noch einige folgen.

Wir sind die einzigen Ausländer und die Kinder kommen und fragen, ob sie Englisch mit uns reden dürfen. Im Hintergrund dudelt Türk-Pop und es ist eine sehr entspannte Atmosphäre.

Eigener Strandzugang inklusive…

Die Kommunikations- und Arbeitsbedingungen sind 1a: Wir haben uns in Galipolli eine SIM-Karte mit 20 MB gekauft für 20 Euro. Der Diesel ist längst nicht so teuer wie gedacht: Knapp ein Euro.

Nächste Station ist der Campingplatz “Altin-Camp”. Hier planen wir die nächsten Tage. Troja, Ephesos und Pergamon sind zwar berühmte Orte in der Umgebung, aber ganz im Ernst: Ich kann keine alten Steine mehr sehen. Also minimieren wir den Besichtigungsmarathon auf Pergamon un fahren dann direkt nach Pamukkale. Die Annehmlichkeiten des Altin-Camps werden uns aber wohl noch etwas halten. In neun Tagen holen wir Ella in Antalya vom Flughafen ab.

Ein Schläfchen nach der Hitze des Tages – und dann ab ins Nachtleben.

Des Leben in der Türkei ist sehr günstig, insbesondere Nahrungsmittel wie Gemüse, Brot oder Obst ist unglaublich preiswert und von der Qualität nicht mit deutscher Supermarktware zu vergleichen. Die Pracht ist paradiesisch.

Am nächsten Morgen – es ist bereits 9.30 Uhr und die Zirkaden schlafen noch. Es herrscht absolute Ruhe auf dem Platz, obwohl hier gut 100 türkische Familien vor ihren Zelten, Wohnwagen und Wohnmobilen sitzen und frühstücken. Hier schreit keiner rum. Das ist alles überaus angenehm und ein Kontrapunkt zur Art und Weise, wie die Türken ihr Stadtleben präsentieren.

Einladen und eingeladen werden – das geht hier ganz schnell und unkomplizert.

Wir sind weiterhin die einzigen Deutschen hier und neben unserem Michel interessieren sich die Türken ziemlich für mein Auto. Das gibt immer wieder Anknüpfungspunkte für sehr schöne und auch sehr tiefgehende Gespräche, die in einer für uns doch eher ungewohnten Herzlichkeit geführt werden. Was mich weiter tief beeindruckt ist diese Ruhe und Harmonie auf dem Platz und die Ausgeglichenheit der Kinder.

Papa interessiert sich für mein Auto, die Tochter hat nur Augen für den Hund: “Call me if you have any problems in turkey!” Wir werden die Nummer gut aufbewahren.

9. Juli – in sechs Tagen landet Ellas Flugzeug im 500 Kilimeter entfernten Antalya und wir müssen uns auf den Weg machen – widerwillig! Wir haben hier im Altin-Camp tolle Leute kennengelernt, hatten ein Tagesbudget von unter 15 Euro und haben in schönen Gesprächen viel Angenehmes und Widersprüchliches über dieses große Land erfahren. Wer aus politischen Gründen nicht dieses Land bereist, ist meiner Meinung nach selber schuld.

Ob türkischer Kaffee oder ein typisch türkisches Frühstück. Die Türken pflegen einen sehr bewussten Umgang mit Lebensmitteln.

Den Zwischenstopp in Pergamon haben wir nicht bereut: 150.000 Menschen haben hier gelebt und die Anlage – hoch auf einem Berg – vermittelt dazu einen absolut authentischen Eindruck. Das ich nicht mit den paar alten Steinen zu vergeichen, die in Olympia oder Epidauris rumliegen – das ist echt Geschichte zum Anfassen in einer beeindruckenden Umgebung – 700 Meter über Bergama.

Die 250 Kilometer bis nach Pamukkale absolvieren wir auf einer durchweg 2-spurigen Landstraße. An den Straßen hier kann sich Deutschland eine Scheibe abschneiden – nur dass sie in dieser Qualität hier gar nicht notwendig wären. Ich weiß nicht mit welchen Zuwachsraten die bei den kfz-Anmeldungen noch rechnen, aber Staus wird es hier niemals geben.

In Pamukkale will der Campingwart 150 Lira von uns haben, wir handeln ihn auf 90 runter und er ist nicht mal böse, eher leicht beeindruckt. Im Restaurant lernen wir Amel aus Usbekistan kennen. Er schwärmt so von seinem Heimatland, dass wir ernsthaft überlegen, den Schlenker zu machen. Auf dem Campingplatz ist mittlerweile der Australier Paul mit seinem Motorrad angekommen. Er ist seit 8 Wochen unterwegs und ist in Thailand gestartet. Wie ich ärgert er sich, dass der Iran als Transitland kaum noch genutzt werden kann und auch er empfiehlt uns Usbekistan und Kasachstan.

Das Auto läuft seit 1000 Kilometer ohne Mucken und auch die Kabinenelektrik ist stabil – so langsam packt uns das Reisefieber wieder.

Unglaubliche Eindrücke: Pamukkale gehört zu den Top5-Sehenswürdigkeitem der Türkei

Den nächsten Vormittag verbringen wir auf den Kalkfelsen, die wirklich schneeweiß in der Sonne strahlen. Die Türkinnen nutzen diese beeindruckende Sehenswürdigkeit als Laufsteg und schießen dabei nicht selten weit über’s Ziel hinaus. Ich lach mich tod wenn ich drüber nachdenke, dass wir in Deutschland mit den bei uns lebenden Türken eine Kopftuchdiskussion führen und die jungen Damen hier wirklich alles rausholen, was an Figur und Haut zu zeigen ist.

Es geht aber auch stilvoll, wie diese junge Asiatin beweist.
Pamukkale heißt “Weiße Festung” – in Anspielung auf die befestigte Stadtanlage hoch oben über dem Kalk – Das Amphitheater sieht aus, als hätte es gestern noch eine Aufführung gegeben.
Ein Blick von oben auf das neuzeitliche Pamukkale.

Am Nachmittag entfliehen wir der Hitze in die Berge und finden Tepe-Camping. Alles etwas gewöhnungsbedürftig aber wir verzeihen diesem tollen Land mittlerweile gern einiges.

Die Türken wollen mit uns diskutieren – über Erdogan, über die Türken in Berlin, über Trump und über EU-Beitritte. Sie machen das in einer Offenheit, die ich nicht so erwartet hätte. Ich werde dieses Thema aufnehmen, wenn ich zuhause in Deutschland die Zeit und die Muße habe, dass so darzustellen, wie es sein muss.

Hier hat mich vor allem ein älterer Türke zum Nachdenken gebracht. Ich habe ihn gefragt, warum seiner Meinung nach die Deutschen nicht mehr in die Türkei fahren. “Weil unsere Zeitungen ein falsches Bild über die Türkei vermitteln!” Ich konnte ihn davon überzeugen, dass es damit ganz und gar nichts zu tun hat, sondern dass es nur um fehlenden Respekt geht und um Anfeindungen gegenüber Deutschland und auch unserer Kanzlerin, und auch um die Verhaftung deutscher Journalisten und die unnötigen Anspielungen auf die Nazi-Zeit. Er hat sofort verstanden, dass das mit dem türkischen Volk – oder mit seinem Land als Kultur – aber auch gar nichts zu tun hat – aber es hat die Begegnung gebraucht, um sich greunzüberschreitend darüber bewusst zu werden.

Kaum sind wir mit dem Essen fertig bringen uns die Nachbar den Nachtisch – das ist wirklich unglaublich!!!

Mit einem Türkei-Boykott erreichen wir gar nichts – eher das Gegenteil. Die Leute hier wissen nicht mal wirklich, warum die Touristen nicht mehr kommen.

Mein Nachbar Durgan lädt mich ein und ich trinke Raki mit Wasser und finde wieder mal das Konterfei von Atatürk. Der Gründervater der modernen Türkei ist populärer denn je. Mit Nationalismus hat das aber gar nichts zu tun. Es ist eher ein Statement dafür, welche Qualitäten ein Staatsoberhaupt haben sollte.
Selfie mit Durgan: Der Diplomingenieur aus Ankara betreut hier in Denizli eine Baustelle und wohnt werktags auf dem Campingplatz. Er bietet mir rohe Köfte mit Schafskäse an, dazu einen Raki – perfekt.

Die 90 Kilometer zum Lake Salda zeigen ein anderes Bild der Türkei als das bislang gesehene. Ich würde das nicht als ärmlich oder rückständig bezeichnen.

Den Leuten hier geht es wirtschaftlich nicht schlecht. Es stehen große Traktoren vor den Bauernhäusern aber alles in allem entspricht das doch eher dem Bild von Anatolien, das ich im Kopf hatte. Nimmt man die Kopftuchrate – hier 99 % – als Parameter, dann wird klar, dass die Türkei hier eine andere ist als rund um Istanbul, Ankara, Trabzon oder Izmir. Ob beide Teile harmonieren weiß ich noch nicht, aber schlecht gesprochen über die Landbevölkerung wird hier nicht, obwohl 70 % aller Türken in den 10 größten Städten des Landes wohnen.

Die türkischen Malediven: An den Ufern des Lake Salda, etwa 150 Kilometer nördlich von Antalya, sorgt kalkhaltiger Schlamm für beeindruckende Wasserfarben.

Am Lake Salda stehen wir frei: Die Solaranlage versorgt uns mit Strom, im See gibt es Süßwasser und für insgesamt 10 Euro haben wir in Salda Vorräte für 4 Tage eingekauft, inklusive einem Bund frischer Kichererbsen. Sehr angenehm: 1000 Meter über dem Meer geht die Temperatur nicht über 26 Grad und in der Nacht mussten wir unsere eingemotteten Decken wieder herauskramen.

Am zweiten Tag dösen wir grad so rum, als uns eine zehnköpfige türkische Familie aufmischt. Wir wissen kaum wie uns geschieht, da sind wir schon zum Abendessen eingeladen.

Die Kopdtuchfrage wird in der Türkei wesentlich unemotionaler geführt als bei uns.

Suleymann wohnt mit seinen Eltern und seiner Schwägerin in einem 3-stöckigen Haus. Die Familie hält zusammen, sonst würde es für den Tomatenzüchter und Frisör (im Winter) eng werden, die 5-köpfige Familie zu ernähren. Aber wenn es Gäste gibt, dann ist in türkischen Familien von Mangel nichts zu spüren. Wir unterhalten ins wirklich gut und staunen über die Weltoffenheit dieser Menschen

Zuhause bei Suleymann – für so viel Gastfreundschaft fehlen mir einfach die Worte.

Am nächsten Morgen müssen wir zum Frühstück kommen. In der Nacht zuvor hatte man uns von unserem Stellplatz vertrieben – übrigens das erste Mal während unserer Tour. Wir sind ein paar Meter weiter gefahren und alles war gut.

Ein türkisches Abendessen – so lecker…

Nach dem so ziemlich besten Frühstück, das ich bislang genießen durfte, gibt es eine Besichtigung der familieneigenen Tomatenzucht. Wir werden sofort eingespannt und helfen bis zum frühen Nachmittag. Es ist ein Knochenjob und für 8 Kilogramm Tomaten bekommt Suleyman einen Euro.

Am Lake Salda ist es so schön, dass man es fast nicht glauben kann…

Wir verabschieden uns von diesen herzlichen Menschen und finden auf dem Weg nach Antalya einen wunderschönen Stellplatz mitten im Wald. Einmal mehr preisen wir die Zuverlässigkeit der Apps, mit denen Fernreisende recht zuverlässig gute und sicherer Übernachtungsplätze finden. Wir nutzen Park4Night, merken aber, dass diese in Europa sehr populäre App in der Turkei kaum nochErgebnisse liefert und sind schon vor Wochen auf das von Offroad-Fahrern gestaltete IOverlander (sprich Eioverländer) umgestiegen. Die App führt uns zu einem Camyon mit gasklarem Wasser. Der Platz wird von 100ten von Türken zum Picknicken genutzt und die Holzkohle betriebenen Teekocher und Grills qualmen um die Wette.

Einen Grill und Fleisch dazu – Ohne diese Kombi ziehen die Türken in ihrer Freizeit nicht los. Und es sind immer mindestens 2 Generationen unterwegs.
Glasklares Wasser im Canyon…
Hier sind wir die Exoten – und die Leute freuen sich und begrüßen uns mit einer unglaublichen Herzlichkeit

In Antalya können wir endlich unser Tochter Ella in die Arme schließen. Wir machen jetzt erstmal Urlaub und fahren mit ihr nach Kas.

Prominenz in Kas: Michel trifft Donald Trump – oder zumindest seinen 4-beinigen Doppelgänger.

Thema Erdogan: Da gibt es viel zu berichten und ich freue mich schon auf die Diskussionen in Deutschland. Eins vorab: Es ist vieles nicht so, wie wir das in Deutschand sehen. Erdogan ist hier in allen Bevölkerungsgruppen ein Reizthema.

Antalya/Kas – Wohl eine der schönsten Küstenstraßen der Welt…

Noch mehr und immer aktuelle Bilder finden auf https://www.instagram.com/schmallenbergudo

Kaputaj Beach – noch so ein Superlativ
Meerjungfrauen inklusive – Badeurlaub hat hier schon eine hohe Qualität. Andererseits: In einem ferienhotel möchte ich hier nicht eingepfercht sein. Kaputaj Beach z.B. ist nur mit dem Auto zu erreichen.

Und “Essen in der Türkei” ? Auch der Hammer

Nach 5 Tagen AirBnB reicht es dann auch mal. Morgen geht es wieder auf die Piste und nachdem wir Ella Mittwochfrüh am Flughafen abgeliefert haben werden, geht es direkt nach Kapadokien und von da aus entweder nach Samsun oder nach Trabzon – auf jeden Fall ans Schwarze Meer. Am meisten freue ich mich, im Norden der Türkei wieder auf die “Aussteigerroute” zu stoßen und mal wieder Gleichgesinnte zu treffen und mit ihnen über Reiseziele zu reden.

Lieblingsplatz: Eine kleine Bucht 5 Kilometer östlich des etwas stressigen und auch ziemlich überteuerten Kas.

Am letzten Tag in Kas haben wir einen Tauchkurs gebucht – sind schon ganz aufgeregt.

Ein Hammererlebnis: Das Wasser ist kristallklar und es gibt eine unglaubliche Artenvielfat an Fischen zu sehe

Mittlerweile haben wir Ella wieder am Flughafen abgeliefert und sind auf dem Weg in den Norden. Nach rund 500 Kilometern durch das türkische Hochland erreichen wir Kapadokien und sind schon von den ersten Eindrücken geflasht – wie muss das erst im Zentrum z.B. in Göreme aussehen. Unser Stellplatz ist wohl bei türkischen Hochzeitspaaren beliebt und wir dürfen als Glücksbringer mit auf das Bild.

Wir haben hier in den letzten 5 Tagen so viel erlebt, dass ich hier kaum hinterherkomme. Hier den jeweils letzten Stand sehen.

https://www.instagram.com/schmallenbergudo

Da gibt es auch Videos vom Tauchen und viele Dinge, die ich hier einfach zeitmäßig nicht verarbeiten kann.

Vom Ihlara-Tal fahren wir ins Zentrum Kapadokiens und besichtigen unterirdische Städte, christliche Felsenkirchen. Am meisten staunen wir allerdings über diese unvergleichbaren Felsformationen, die sich teils wie steinerne Zipfelmützen aneinanderreihen.

Die Jungs vom örtlichen Offroad-Club transportiert hauptsächlich fernöstliche Kundschaft über Stock und Stein von einer Sehenswürdigkeit zur anderen. Wummernde Bässe begleiten die Asiaten auf jeder Station und zum Sundowning gibts Schampus unter großem Gekreische. Wir beobachten das von unserem Stellplatz aus und staunen über diesen Culture Clash.

Der Sonnenuntergang ist unvergleichlich – und lässt Fotos hier zwangsläufig wie gemalt aussehen.

Am nächsten Morgen – wie jeden Morgen – steigen hunderte von Ballonen auf und sorgen für unfassbare Fotomotive.

Nach dem Frühstück würden wir gerne die Kirchen in der Museumsstadt Göreme ansehen, aber die Art und Weise wie die Touristen hier mit sakralen Stätten umgeht stößt uns irgendwie ab. Wir besichtigen ein kleines Felsenkirchlein abseits der Touristenströme und bekommen einen Eindruck davon – wie Urchristen und Kreuzfahrer hier im Schutz der Felsen ihre Religion ausgeübt haben. Die “Undergroundcitys” sollen angeblich bis zu 10.000 Menschen Schutz geboten haben. Die langen Tunnelanlagen konnten mit großen Felsen verschlossen werden.

Viele Felsenkammern werden heutefür die Gastronomie genutzt.

Wir entfliehen dem kaum erträglichen Touristentrubel Richtung Osten und Sylvia hat einen tollen Stellplatz bei “IOverlander” gefunden. “Direkt am See da können wir uns endlich mal wieder richtig waschen!” Der See entpuppt sich als ebenso malerisch wie lebensfeindlich und ist im Sommer von einer 30 Zentimeter dicken Salzkruste bedeckt. Wir tanken Ruhe in der Einsamkeit und freuen uns auf unsere letzten Tage in der Türkei.

Lake Tuz: Der zweitgrößte See der Türkei ist 900 Meter tief und im Sommer von einer dicken Salzkruste bedeckt. Der Lake Tuzla ist deutlich kleiner .

Was uns hier immer wieder fasziniert ist die Offenheit und Freundlichkeit der Menschen, obwohl die Türkei immer wieder Stereotype bedient – aber das macht das land auch liebenswert und verstärkt den “orientalischen Chararakter”.

Ein Laden aus 1000 und einer Nacht, natürlich gibt es sowas auch.

Der Unfall

Nach unserem Abschied von Kapadokien sind wir zum Tuzlasee gefahren, auch um unsere Wasser Wasservorräte aufzufrischen. Leider ist der Tuzlasee ein Salzsee und im Sommer von einer dicken Kruste bedeckt. Am nächsten morgen stand also Wasser-Suchen auf dem Programm. Auf dem Weg nach Darende ereignete sich dann ein ein ziemlich heftiger Verkehrsunfall. Wir blieben zum Glück unverletzt, aber es gibt grad so viel zu organisieren, dass ich kaum dazu komme, die Homepage zu pflegen. Ich wäre euch sehr dankbar, wenn ihr für ein paar Tage auf Instagram schauen würdet, was gerade los ist. https://www.instagram.com/schmallenbergudo

Es ist Dienstag, Tag 3 nach dem Unfall und wir sind mit einem Leihwagen in Ostanatolien unterwegs.

Wir sind hier in der Region Komagene am Euphrat tief im Kurdenland angekommen und die Menschen sind sehr arm hier. Wir sehen junge Frauen, die mächtige Bündel Grünzeug von den Feldern in die Ställe schleppe, während kleine Kinder sich mit 5-Liter-Kanistern Trinkwasser abmühen, das offensichtlich zu den Wohnungen transportiert werden muss. Hier ist es schon ein Job, den ganzen Tag auf eine Kuh aufzupassen oder mit einem Eselchen Heuballen von A nach B zu transportieren. Auf einem Feld zieht ein Pferd einen Pflug und die ganze Familie steht drumherum und schaut zu.

Auf einem Bergpass werden wir von der Militärpolizei kontrolliert. Das ist Alltag in der Türkei und passiert mindestens einmal am Tag. Die Soldaten sind grundsätzlich in voller Montur mit dem Gewehr am Anschlag – aber immer sehr freundlich, meist noch sehr jung. Auf dem Gipfel hat es sich eine Gruppe um ein paar echte Veteranen mit Teekochern unter einer Zeltplane gemütlich gemacht. Trotz aller Gelassenheit werden wir genau kontrolliert. Wir sind 400 Kilometer von der syrischen Grenze unterwegs im Kurdenland.

Kurz vor dem Mount Nemrut erreichen wir die “Kervanseray” und werden daran erinnert, dass die Region der einzig sicherer Platz für Handel Treibende auf der Seidenstraße war, wenn es mal wieder Streit zwischen Römern und Persern gab.

In Richtung Nemrut Dhagi wird die Straße immer schlechter, obwohl es sich bei den Monumenten auf dem 2100 Meter hohen Berggipfel um die bedeutende Überreste des Königs Antiochos handelt, der zur Zeit Christi Geburt hier am Euphrat eine wichtige Position am Berührundgpunkt der damaligen Weltmächte Rom und Persien einnahm und durch Handel zu großem Reichtum kam.

Heute ist Osman Wirt der Kervanseray und er fragt mich: “Was wollen die Europäer und Amerikaner hier?” So wie ich es langsam verstehe ist die Türkei der Meinung, dass die Problemlage zwischen Euphrat und Tigris nicht Sache der Amerikaner sei. Erdogan sei der einzige, der sich in diesen Zeiten den Europäern und Amerikanern entgegenstelle. Wieder merke ich, dass wir es uns in Deutschland viel zu einfach machen, wenn wir die Türkei in “gut und böse” oder “Für oder gegen Erdogan” aufteilen. Das funktioniert hier nicht.

Am zweiten Tag in der Kerwanseray fassen wir den Entschluss, an diesem magischen Ort die Reparatur unseres Autos abzuwarten und handeln mit Osmann einen angemessenen Preis aus. Für 50 Euro bekommen wir Vollpension und können sein Auto nutzen wenn wir wollen. Der Archäologe und Nemrut-Experte Anne aus Holland bietet an, uns aus Malatya abzuholen, nachdem er seinen Kumpel Kaes zum Flughafen gebracht hat. Wir nehmen dankbar an und akzeptieren, dass Osmann beleidigt ist, weil er das hätte machen müssen: “Ihr seid Familie, keine Gäste!”

Das Hotel Kerwanseray – Unser Heimat für die nächsten Wochen…

Insgesamt sind wir an diesem Tag rund 600 Kilometer unterwegs, nur um den viel zu teuren Leihwagen (50 Euro/Tag) wieder abzugeben. In der Werkstatt erfahren wir, das es unter Umständen einen Monat dauern kann, bis alle Ersatzteile beisammen sind.

Osmanns Zwillinge lassen uns nicht aus den Augen.

Abends lädt uns Osmanns Schwester, die uns begleitet, zum Abendessen an einem durch den Atatürk-Damm aufgestauten Nebenarm des Euphrats in Kahta ein. Kurz vor 11 kommen wir wieder zu Hause an und Osmann hat sich wieder beruhigt. Anne erzählt mir die unglaubliche Geschichte des Mount Nemrut und hilft mir dabei, wieder ein Stück aktuelle türkische Geschichte, Politik und Lebensart zu begreifen. Dem Mount Nemrut werde ich noch ein komplettes Kapitel widmen.

Überall auf unserem Weg werden wir auf einen türkischen Tee eingeladen.

“Pass auf, hier gibt es Schlangen und Skorpione!” Warnt mich Anne, als ich frühmorgens mit Michel ums Haus streiche. Das ist hier alles so fremd, dass ich zum ersten Mal wirklich intensiv das Gefühl habe, im Orient gelandet zu sein. Den sympathischen Holländer nenne ich nur noch “Indiana”… Seine Website: www.vertellervanhetoude.nl

Mit Dr. Jones unterwegs in einem Grabkammersystem hoch über dem Euphrat. Anne ist fast sicher, dass die Anlage mit Antiochos I in Verbindung gebracht werden kann.
Beim Barbier in Kahta: Anne und ich zahlen 8 Euro für eine Rundum-Gesichtsbehandlung und sehen anschließend wirklich gut aus 😉

Ich fahre mit Anne nach Kahta, weil er sich nach einer abgeheilten Verletzung, die er sich beim Abstieg in eine römische Grabkammer zugezogen hat, die Fäden ziehen lassen muss. Sowas wird in der Türkei vom pensionierten Onkel des Apothekers gemacht. Er sieht zwar kaum was, kriegt aber mit meiner Hilfe doch irgendwie die Fäden zu fassen. Anschließend lassen wir uns beim Barbier “das Gesicht machen”!

In Kahta sind wir die Touristen – die beiden jungen Leute sind froh, Englisch sprechen zu dürfen

Es ist Montag, 5. August 2019, und heute werden wir wohl endlich erfahren, wie es mit unserem Auto weitergeht – 9 Tage nach dem Unfall werden heute – wenn alles gut geht – die Teile bestellt. Das kann im schlimmsten Fall einen Monat dauern, da einige wichtige Sachen in der Türkei nicht auf Lager sind. Von diesen Informationen hängt ab, wie es weitergehen wird. Wir haben unser Zimmer in der Kervansaray bis Freitag gebucht und müssen dann sehen, wie wir unsere Tour fortsetzen.

Freitag verlässt uns Anne und ohne den kann ich es mir hier nicht vorstellen, also werden wir auch weiterfahren. Unser Plan ist, erst einmal nach Kahta zu fachren und uns hier neu zu organisieren. Der Plan, mit mit einem Leihwagen das Land zu erkunden schlägt fehl, weil wegen des kurdischen Schlachtfestes alle Autos belegt sind. Wir gehen jetzt nach Kahta ins Hotel bis wir ein Auto haben. Für diesen Tripp haben wir jetzt 4 Wochen eingeplant, bis dahin sollte das Auto fertig sein und wir können uns dann ganz intensiv Armenien vornehmen. Den Bus nach Tiflis können wir vergessen, weil öffentliche Verkehrsmittel in der Türkei keine Hunde transportieren.

Nach 5 Tagen rumgammeln brauchen wir und der Hund etwas Bewegung. Wir laufen zum Gipfel des Nemrud. Hin- und zurück etwa 20 Kilometer
Die Ostterrasse zeigt noch die die Rümpfe der Statuen – allerdings sind die Köpfe kleiner als auf der Westterrasse.
Gottkönig Antiochos I Teos

Während der kommenden Tage in der Kervansaray werden wir tief in einen seit Jahren schwelenden Familienstreit hineingezogen. Das endet damit, dass unser holländischer Freund Anne – ein “Bremer” (türkisch für “Bruder”) des verstorbenen Hotelgründers auf unserem gemeinsamen Weg nach Kahta von der Polizei angehalten und verhört wird, weil er angeblich die Zeche geprellt haben soll. Zum Glück kann er die Reise zum Flughafen fortsetzen, nachdem die Familienältesten sich für ihn eingesetzt haben. Wir hatten zuvor eine Stunde mit Osmann gestritten, was wir für die Biere am Abend bezahlen sollen und warum Tee nicht – wie üblich in der Türkei – umsonst ist.

Uns ist das alles immer noch sehr fremd, aber ich merke, wie ich so langsam in diese Kultur hineingleite. Als normaler Durchschnitts-Antalya-Touristen hätten wir diese Situation nicht klären können.

Wir sind jetzt im Hotel “Kommagene” in Kahta, zahlen 20 Euro für’s Doppelzimmer mit Frühstück (50 Euro in der Kervansaray mit Vollpension) und werden hier wohl nicht die Reparatur des Autos abwarten Wir laufen in die Stadt, um doch noch zu versuchen, einen Leihwagen zu bekommen, trotz Bayramfest.

Sylvia fragt sich nach einem Damen-Friseursalon durch. Gar nicht so einfach in einer Stadt, in der es gefühlt 50 Herrenbarbiere und friseure gibt. Sait hilft uns und wärhend Sylvia in einem versteckten Seitenstraßen-Hinterzimmer die Haare gemacht bekommt, verhandle ich mit einem Autoverleiher in der Nachbarschaft um einen Leihwagen. Das Auto ist fast neu und soll 45 Euro kosten. Eigentlich ein guter Preis, aber genauso eigentlich brauche ich gar nicht so ein neues Auto. Ich will nicht mehr als 20 zahlen und frage, ob er kein kleineres Auto hat. Hat er nicht, wegen Bayram. Ich sage ihm dass ich 20 Euro, also etwa 120 türkische Lira bezahlen würde.

Man spürt, dass er für das bevorstehende Fest Geld braucht und er bietet mit 170 Lira an. Sait flüstert mir zu: “Sag 160” und Özal der kurdische Autoverkäufer willigt brummelnd ein. Ich hab jetzt für 25 Euro am Tag ein Super-Auto.

Halbgötter unter sich: Antiochos und Herakles sind auf diesem Handshake-Relief zu sehen. Die mächtige Tafel ist zentrales Element der Kultstätte Arsameia.

In den nächsten Tagen sind wir auf Antiochos Spuren unterwegs und besuchen die klassischen Stationen der Nemrut-Tour: Arsameia, die Römische Brücke und Karrakus, das Grabmal von Antiochos letzter Königin. Es ist teilweise bis zu 45 Grad heiß, aber die steinernen Monumente ziehen uns doch in ihren Bann.

An der Römischen gruppe haben wir wieder intensiven Menschenkontakt. Unseren Michel lieben hier alle.

Wir brechen auf zu unserer Süd-Ost-Anatolien-Rundfahrt, müssen uns aber zuerst von Tulays Familie verabschieden, was am Haupttag des Bayram-Festes nicht ganz so einfach ist. Gastfreundschaft ist in diesen Tagen besonders wichtig.

Hinter dem Haus werden zwei Hammel geschlachtet . Ob und wie das viele Fleisch mit den Armen geteilt wird wissen wir nicht – eigentlich ist das die Tradition des Türkischen Opferfestes.

Nun geht es über Dyabakir in den Süden und nach einem Tag Fahrt erreichen wir Mardin. In der Altstadt kriegen wir eine Hotelabsage nach der anderen: “No pets allowed!” Irgendwann klappt es dann doch: Ein Hotel hat ein Extrazimmer für Hunde, und das ist frei und bezahlbar. Hinter den dicken und 900 Jahre alten Mauern tauchen wir ein in ein Märchen aus 1000 und einer Nacht.

Am Horizont müsste Syrien sichtbar sein – unvorstellbar, dass nur ein paar Kilometer vondiesem friedlichen Ort Krieg herrscht.

Emre ist im Hotel für die Gästebetreuung zuständig und bietet uns eine persönliche Stadtführung an. Wir nehmen das gerne an und tauchen ganz tief in die Geschichte dieses Ortes ein. Wir erfahren, dass der Turm der großen Moschee von den Mongolen geschliffen wurde und dass Teile der Stadt über 1000 Jahre alt sind.

Am Abend gehen wir auf eigene Faust essen und fallen auf die Nase dabei: Für ein mittelmäßiges Fastfoodmenue berechnet man 220 Türkische Lira, also etwa 30 Euro, mehr als doppelt so viel, wie das Essen wert war. Zumindest bei der Abrechnung konnten wir noch 40 Lira rausholen, weil die sich schlichtweg schlampig verrechnet hatten – trotzdem ärgerlich. Für die nächste Touristenfalle sind wir gewappnet.

Am nächsten morgen brechen wir auf und reisen weiter Richtung Osten. Die Schilder weisen den Weg in den Iran – leider ist ohne Visa nix zu machen, in den Irak können wir mit unserem türkischen Auto auch nicht und die Armeniengrenze ist seit der Selbständigkeit Armeniens eh geschlossen. Also gebietet uns der mächtige Ararat die aktuellen Grenzen der Reisefreiheit.

Auf dem Weg zum Hl. Berg der Armenier passieren wir einen 2800 Meter hohen Pass. Es ist schon dämmerig und Fahren ist hier echt Konzentrationssache. Weil ich plötzlich die Straße nicht mehr sehe trete ich voll in die Bremsen und komme mitten in einer Schafherde zum Stehen. Die Hirtenkinder winken uns zu und rings um uns her mäht es fröhlich. Nicht auszudenken, wenn wir hier mit hoher Geschwindigkeit reingerauscht wären. Schutzengel – mal sind sie da, mal nicht…

Aus fast 50 Kilometer Entfernung ist der mächtige Ararat gut zu sehen. Im Hotel erfahren wir, dass man ohne Guide und “Sport-Visa” nicht mal in die Nähe des Berges kommt. Es gibt hier angeblich offene Auseinandersetzungen mit der kurdischen PKK – da will man nicht noch unbedingt Touristen um die Beine haben. Fragt man die Leute auf der Straße, dann glauben die nicht an diese Version. Man ist eher der meinung, dass man der Kurdenregion den Aufbau einer rentierlichen Tourismusindustrie nicht zubilligen möchte. Wie immer liegt die Wahrheit wohl irgendwo dazwichen.

Auf den Straßen alle 500 Meter ein Militärposten, junge Burschen posieren hemdsärmelig mit dem Maschinengewehr aus deutscher Produktion über der Schulter am Straßenrand, die Einsatzfahrzeuge wirken auch einsatzbereit. Das alles wirkt nicht unbedingt bedrohlich, trotzdem spürt man mit jedem Kilometer, dass man sich den aktuellen Brennpunkten des Weltgeschehens nähert. Wie im Rest der Türkei auch: Wikipedia gibt’s hier nicht…

Abends schlendern wir durch die Stadt und dank Michel werden wir hier sofort als Exoten erkannt und entsprechend beobachtet. Da wir kein Restaurant finden, in das wir Michel mitnehmen dürfen, holen wir uns was “auf die Hand”, einen Ayran dazu – reicht! Besonders auffällig: Das öffentliche Leben wird hier zu 99 % von Männern bestimmt. Die Frauen scheinen darüber nicht unglücklich zu sein, aber manchmal frage ich mich: “Für wen posen diese ganzen Gockel eigentlich?” Nach 8 kommen hier 100 Männer auf eine Frau.

Unseren 2. Tag am Ararat verbringen wir mit unzähligen Cay in einem Straßencafe. Wir lernen einen Tourguide kennen, der mit uns für 100 Dollar pro Person bis auf 3200 Meter wandern würde und diskutieren mit den Türken darüber, ob man den Bettlern Geld geben sollte oder nicht. Ihre Meinung ist eindeutig: Ein erfahrener Bettler macht um die 150 Lira am Tag, Mitleid ist da fehl am Platz. Aber es nervt: Kinder und Jugendliche prügeln sich auf offner Straße um Reviergrenzen und es hört einfach nicht auf – man wird alle 10 Meter angebettelt.

Der gesamte Ararat ist militärisches Sperrgebiet – ich denke, selbst ihn zu fotografieren ist verboten. Die Besteigung mit einem Guide kostet etwa 400 Euro.

Wir flüchten und schauen uns die Hauptsehenswürdigkeit der Region an, den Ishak Pasha Palast. Das monumentale Gebäude wurde auf dem Niveau eines Neubaus restauriert und hat sicherlich dadurch einiges an Charme eingebüsst. Auch das ist typisch Türkei: entweder sie lassen ihre Ruinen zerfallen, oder sie restaurieren sie völlig über Bedarf. Für ein Hammer-Sunset-Photo reicht’s aber allemal.

Auf dem Rückweg essen wir hervorragend für 60 Lira (13 Euro) und staunen über den Weihnachtsschmuck in der Stadt.

Während ich fotografiere kommt ein Militärpolizist mit Maschinengewehr auf mich zu und wil kontrollieren, ob ich militärische Einrichtungen oder Personen fotografiert habe. Das ist hier permanenter Ausnahmezustand. Aber die “Jandarma” ist stets korrekt und freundlich. Über die türkische Militär-Polizei hören wir während unserer gesamten Reise kein böses Wort aus türkischem Mund.

Zurück im Hotel treffen wir Ray aus Neuseeland und seinen iranischen Tourguide Hossein.

” Grenzgänger: “Mr. Hosseinbringt sogenannte “Overlander” über die iranische Grenze. Ray aus New Zealand nimmt das gern in Anspruch – und hat auch das Geld dazu.

Hossein gibt uns seine Telefonnummer und sein Versprechen, dass er uns in den Iran bringen kann – Anruf genügt.

So froh wir auch sind, mit Dogubayazit wohl die typischste aller Kurdenstädte im Osten der Türkei intensiv kennengelernt zu haben, so froh sind wir auch, hier wieder wegzukommen. Für mich hat sich hier hier ein Paradoxum entschlüsselt. Ich weiß jetzt, warum der arme Osten zu den Stützen der AKP gehört. Das hat nichts mit Politik zu tun, man wählt hier aus religiösen Motiven und zwar genau die Partei, die für die Beibehaltung und Regeneration der alten Werte steht. So konnte die CDU in Deutschland zu einer Volkspartei werden. Ein Rezept für alle Zeiten ist das sicher nicht.

Verschleiererung wirkt hier nicht fremd oder bedrohlich – selbst in der hintersten Kurdenstadt dürfen sich Mädchen kleiden wie sie wollen. Vielen gefällt das nicht…

Ob hier neue Straßen gebaut werden oder nicht, das steht hier gar nicht zur Diskussion. Es geht um die Wahrung einer ausschließlich von Männern dominierten Gesellschaftsform. Dass sich an der Vorherrschaft der Männer nichts ändert, dafür steht die AKP und dafür wird wird Erdogan selbst von den Kurden gewählt, die ansonsten nicht viel von ihm zu erwarten haben. Dieser Knoten lässt sich nicht auf die Schnelle lösen vor allem nicht durch Druck aus dem Westen.

Bei “Ararat Carpets” erfahren wir viel über Land und Leute. Hier werden Web-Kurse angeboten, damit Mädchen und Frauen der armen Landbevölkerung ein Auskommen haben und eine uralte Handwerkskunst erhalten bleibt.

Wunderschöne Teppiche – und die Herstellung eingebunden in ein soziales Projekt.

Wir erleben hier unglaublich viel – zum Glück haben wir ein Auto. Mobilität ist hier ein großes Thema und um mit dem Minibus von A nach B zu kommen, braucht es gute Nerven. Das Autofahren in den Städten Ost-Anatoliens ist nichts für Weicheier. Wichtig: Man muss in Bewegung bleiben- wer stehenbleibt hat verloren und kommt nicht mehr vom Fleck. Das geht nicht übertrieben hektisch zu, aber man muss mit allem rechnen. Es wimmelt hier von selbstgebauten Transportmitteln und es interessiert wirklich niemanden, ob Verkehrsregeln eingehalten werden oder nicht. Verkehrspolizei, also die Trafic Polis , habe ich in ganz Ostanalolien nicht gesehen. Die hat sowieso eher “Hostessen-Status” und steht meilenweit unterhalb der Jandarma.

Unser Leihwagen hat viel zu tun: Mit 70 KW quält sich der Fiat über die Pässe, die hier alle jenseits der 2000 Höhenmeter liegen.

Wir fallen hier als Europäer mächtig auf. Unser Michel teilt die Massen in der Fußgängerzone wie Mose das Rote Meer. Hunde als Haustiere gibt es hier nicht. Das Thema “Armenien” wird hier – im Gegensatz zur resttürkei – nicht tabuisiert. Ich erfahre viel über die Entstehung des Streites und kann auch langsam nachvollziehen, warum sich die Türkei gegen Verallgemeinerungen in der Genozid-Debatte wehrt. So ist z.B. der Anteil der kurdischen Milizen und deren Bereicherung am Vermögen vertriebener oder ermordeter Armenier in Deutschland weitgehend nicht bekannt.

Etwa 100 Kilometer vor Trabzon ändert sich die Vegetation mit einem Schlag – feuchter Nebel wabert aus den Tälern und die Temperatur sinkt um fast 20 Grad

Auf dem Weg nach Trabzon überschreiten wir mehrfach die 2000 Meter -Marke. Auf einer der Ost/West-Hauptrouten für Rauschgift geraten wir in eine Kontrolle der türkischen Drogen-Fahnder. Wir werden intensiv gefilzt.

Ohne Tripadvisor wären wir hier verloren und würden solche Perlen wie das Tehran Hotel nicht finden

Wieder fällt mir auf, dass wir den Militär- und Polizei-Apparat der Türkei nicht mit unseren Maßstäben messen können. Die stecken mittendrin, haben nicht wirklich gute Verhältnisse zu ihren Nachbarn und innen- wie außenpolitisch nicht einfache Gemengelagen zu verarbeiten. Wir müssen unsere Grenzen nicht schützen – vor wem denn auch? Den Belgiern? Hier sieht das etwas anders aus.

Die Mädchen hier sind total offen und selbstbewusst – ob sie frei über ihre Zukunft entscheiden können? Ich weiß es nicht.

In Macka finden wir ein Hotel, in dem wirklich niemand einen Brocken Englisch oder Deutsch spricht. Das ist schon eine Herausforderung. Zum Glück können andere Gäste übersetzen – sonst müssten wir verhungern…

Apropos verhungern: Das ist hier das kleinste Problem!

Rund um Trabzon gibt es interessante Klöster und Kirchen zu besichtigen. Ab Mitte kommender Woche werden wir dann wieder zum Nemrut ziehen, wo wir bei Tulays Familie ein kleines bischen Heimatgefühl auftanken wollen. Im Euphrat-Hotel konnten wir einen guten Rabatt aushandeln und hier werden wir dann endgültig die Reparatur des Campers abwarten.

In Macka platzen wir in eine türkische Hochzeit hinein – wie man ohne Alkohol schon am frühen Morgen über Tische und Bänke gehen kann, bleibt ein türkisches Geheimnis.
Alles so schön bunt hier…

Es regnet in Strömen und die Landschaft 40 Kilometer von der Schwarzmeermetropole Trabzon wirkt mit tief hängenden Wolken und dichterVegetation wie ein Urwald am Amazonas.

Die kleinen Läden sind ein Paradies für Shopping-Queens und das alles kostet fast gar nichts…

Wir fahren nach Macka und lernen hier wieder unglaublich viele nette Menschen kennen.Wir fühlen und auf Anhieb wohl, denn diese Stadt verströmt etwas Westliches. Keine “Gruppen junger Männer”, die aufgebrezelt den Macho machen, gepflegte Läden und eine liebenswerte Betriebsamkeit. Die Frauen sind zum allergrößten Teil unverschleiert und es gibt mindestens ebensoviel Damen- wie Herrenfriseure. Trotz bleibt es türkisch. Hier kuckt sich niemand den Schaden an, wenn beim Ausparken mal was verbeult wird. Falsch rum in die Einbahnstraße? Alles kein Problem…

Trabzon Spor-Fan Turan zeigt mir stolz seinen Laden. Was anderes als Cay gibt es nicht.

Die Cay, die wir trinken, bezahlen wir höchst selten. Meist übernimmt ein netter Nachbar mit feundlicher Hand-auf’s-Herz-Geste die Rechnung. Auf der Straße tummeln sich zig Nationen. Wir sehen Nummernschilder aus der Schweiz, Azerbeidschan, Iran, England etc.

So wickelt man Schafwolle auf: Sylvia nimmt gern eine Nachhilfestunde.

Wie ich da so sitze und meinen Cay schlürfe fällt mir auf, wie unsinnig Vorurteile andere Nationen gegenüber sind: “Kein Volk der Welt empfängt seine Gäste mit einem Messer zwischen den Zähnen!”

Spektakulärer Bauplatz: Das Kloster Sümeli wird derzeit aufwändig restauriert

Auch am zweiten Tag ist das Wetter nicht viel besser, aber wir kommen wenigstens trockenen Fußes am Kloster an. Hier merken wir schnell, dass der Touristenmagnet zum Einzugsgebiet von Trabzon gehört, wo es neben russischen Gästen auch viele Touristen aus Oman und Quatar gibt. Ich habe niemals so viele vollverschleierte Frauen gesehen und echt viel zu dicke Männer gesehen. Insbesondere Kinder und Jugendliche aus Quatar werden anscheinend richtig gemästet.

Das kleine Mädel kommt aus Azerbeidschan – ganz genau weiß ich es nicht.

Wir lernen sehr aufgeschlossene Menschen aus Oman kennen, sind aber auch teils echt befangen, wenn uns Gruppen vollverschleierter Frauen entgegenkommen, angeführt von einem echt dicken Mann in Jogginghose.

Unser Michel ist hier ein Star!

Trotz all dieser Widersprüchlichkeiten ist dies ein inspirierender Ort, an dem sich viele Kulturen begegnen. Ich habe das Gefühl, dass ich den Menschen viel besser und offener begegnen kann als noch vor einem Jahr.

Die Mädchen aus Oman sprechen fließend Englisch.

Zur Vollverschleierung habe ich mittlerweile eine klare Haltung: Für mich ist das seelische Körperverletzung und gehört verboten. In der Türkei wird man das nicht mehr oft sehen und Vollverschleierung ist meist Erkennungszeichen arabischer Touristinnen. Was wir tun können? Aufhören, das als Teil einer kulturellen Identität zu sehen und Stellung beziehen. Vollverschleierung ist Diskriminierung.

Mardin, Dyabakir, Van – die Liste der abgesetzten Bürgermeister prokurdischer Städte liest sich wie unsere aktuelle Reiseroute. Alle drei Städte verfügen über eine für kurdische Städte untypisch hohe Wirtschaftskraft und ein großes kurdisches Bewusstsein. Dass hier PKK-Anhänger in den Rathäusern sitzen bezweifle ich. Die Kurden wollen in Ruhe ihre traditionelle Lebensart pflegen. Ich hab mit den Leuten geredet – Terroristen sind das hier nicht, ganz im Gegenteil.

Bleibt man länger als eine Nacht im Hotel, dann gehört man mehr oder weniger zur Familie

Nach Macka haben wir auf dem Weg zurück nach Malatya in Erzincan Station eingelegt. Wir haben ein Zimmer für 16 Euro die Nacht – nicht das Hilton aber sauber und der Hund darf mit. Das ist in der Türkei leider keine Selbstverständlichkeit.

Erzincan ist eine erstaunlich modern-türkisch orientierte Mittelstadt mit rund 100.000 Einwohnern. Hier gibt es mehr Damen- als Herrenfriseure, was ein guter Parameter für das Selbstbewusstsein der Frauen hier ist. Das erinnert mich hier an Lippstadt oder Bielefeld, etwas quirliger vielleicht, aber schon sehr lebenswert – auch mit europäischen Ansprüchen gemessen. Diese Unterschiedlichkeit macht für mich den Reiz der Türkei aus.

Erzincan – eine total liebenswürdige Stadt mitten im anatolischen Hochland – das kam für uns sehr unerwartet.

Dabei kommen aber auch Kilometer zusammen: In den 10 Tagen haben wir knapp 3000 Kilometer mit unserem Leihwagen abgespult. Wer mit dem Flieger nach Antalya reist und nach 10 Tagen Strandbar wieder zurück, der hat von der Türkei weniger mitbekommen, als würde er in Neukölln einen Döner kaufen.

Update zum Auto: Alle Ersatzteile sind da und die schlechteteste Prognose lautet: 14 Tage.

In Dyabakir ist die Militärpolizei massiv mit Waserwerfern und Schlagstöcken gegen Demonstranten vorgegangen. Schon komisch, dass wir da vor einer Woche noch durchgefahren sind. Die Oppositionsparteien sehen das natürlich kritisch. Als Urlauber kann ich grad mal nicht mehr dazu sagen.

Auf dem Weg nach Malatya sind wir heute in einen echten Hochlandsturm geraten . Nach 40 Kilometern Schotterpiste sind wir an einer Fähre über einen Staudamm angekommen. Wegen des Sturms müssen wir 2 Stunden warten, denn einen anderen Weg gibt es nicht. Wer die Fähre nicht nimmt muss knapp 200 Kilometer Umweg fahren.

Türkische Gastfreundschaft

Wir sind hier in Ost-Anatolien in einer Gegend gelandet, in der traditionelle Werte mit einer extremen Hartnäckigkeit gepflegt und auch verteidigt werden. Dies gilt insbesondere für das Verhältnis der Geschlechter. Hier essen die Männer getrennt von den Frauen, Kindererziehung ist reine Frauensache und das Patriarchat funktioniert noch wie vor 500 Jahren. Die Vorherrschaft des Mannes, insbesondere des Vaters und des ältesten Sohnes ist nicht diskutierbar und auch jüngere und gebildete Frauen unterwerfen sich diesem System – wenn auch vielfach in stillem Widerstand.

Letzten Endes entscheiden und bestimmen tut der Vater oder nach dessen Tod der älteste Sohn. Ich habe das Gefühl, dass viele Frauen das auch nicht in Frage stellen und sich sehr bewusst in diese Rolle fügen.

Natürlich ist die “Türkische Gastfreundschaft” ein besonders lebendiger Teil türkischer Tradition. Einladungen zu Tee und Kaffee gibt es nahezu bei jedem Kontakt mit allen Teilen der Bevölkerung. Spätestens nach 5 Minuten wird eine Einladung zum Essen ausgesprochen. Wir haben aber auch erlebt, dass eine solche Einladung dann auch mal vergessen wird und man wie bestellt und nicht abgeholt rumsteht und niemand kümmert sich um einen.

Es gilt als extrem unfreundlich, eine Einladung nicht auszusprechen – sie nicht zu erfüllen ist dann nicht ganz so tragisch.

Wir haben nirgendwo auf unserer Reise mehr Gastfreundschaft erleben dürfen wie in der Türkei – das ist unbestritten und dafür gilt dem ganzen Land unser herzlicher Dank.

Manchmal frage ich mich, warum das bei uns so ausgestorben ist. Ich glaube wirklich, dass ein realistisches Maß an Gastfreundschaft auch ein Evolutionsmerkmal ist und ein Zuviel an Gastfreundschaft irgendwann persönliche und auch gesellschaftlich relevante Probleme produziert, weil aus Aktion und reaktion zu oft zu unterschiedliche Dinge herausgelesen werden. Allerdings dürfte ein Zuwenig an Gastfreundschaft noch viel schlimmere Folgen haben…

König Antiochos I Teos und der Nemrut – Der Gottkönig im Berg –

König Antiochos I Teos (69 – 34 vor Christus) war ein besonderer König – er war reich und er hat es geschafft, sich in der Fülle von Herrschern im damals noch größtenteils hellenistisch geprägten Anatolien einen Sonderstatus zu erarbeiten und im Gedächtnis der Welt über die Zeit zu retten.

Heute ruht der König auf 2150 Metern- wahrscheinlich auf ewig – im Mount Nemrut in der Nähe der Provinzhauptstadt Adyaman. Bis heute ist es keinem Forscherteam gelungen, den Eingang zur Grabanlage zu finden und so wie es aussieht werden dazu auch keine Initiativen mehr ergriffen. Grund dafür: Um an die Grabkammer zu gelangen, müsste der komplett von Menschenhand aufgeschüttete Gipfel wieder abgetragen werden. Dies wäre nicht zu finanzieren und würde auch die zum UNESCO-Weltkulturerbe ernannte Kultstätte zu 100 % zerstören.

Ein Blick von der Ostterrasse auf den aufgeschütteten Berggipfel.

Die Architekten des Königs haben ganze Arbeit geleistet und ihren Auftrag erfüllt: Niemand wird die Ruhe des Königs stören – auch wenn Archäologen sich mit teils unorthodoxen Mitteln Zugang zu verschaffen suchten. So setzte die als “Queen of the Mountain” in die Geschichtsbücher eingegangene Nemrut-Pionierin Theresa Goell sogar Dynamit ein, um den Zugang freizubomben – vergeblich: Der massive Sprengstoffeinsatz hinterlies nur eine kaum sichtbare Mulde im monumentalen und weithin sichtbaren Geröll-Haufen.

Zur Geschichte des Königreiches Kommagene

Das Reich der Kommagene war in der Zeit um Christi Geburt ein Puffer zwischen den damaligen Weltmächten. Antiochos I verwies auf einen Stammbaum, der sich angeblich mütterlicherseits bis zu Alexander dem Großen zurückverfolgen ließ, väterlicherseits bis zu Darius I, dem legendären Großkönig der Perser. Allerdings: Antiochos schrieb sich seine eigene Geschichte: Alexander der Große hatte keine Kinder…

Antiochos war offensichtlich ein guter Geschäftsmann, der zum einen zwischen den Mächten vermitteln und zum anderen in Krisenzeiten Ausweichrouten für die Händler auf der Seidenstraße anbieten konnte.

Die reale Geschichte des Antiochos I ist überliefert und spannend: Als Antiochos den Thron bestieg war Kommagene das einzige im Osten des römischen Reiches noch nicht unterworfene Volk. An Antiochos Hauptstadt Samosata bissen die Römer sich die Zähne aus.

Antiochus bewies Verhandlungsgeschick und der römische Konsul Lucullus zog seine Truppen ab. Politisch geschickt agierend verheiratete Antiochus eine Tochter mit dem damaligen Perserkönig, der sich nach einem Sieg über die Römer deren Provinz Syria einverleibt hatte.

Für kurze Zeit herrschte Frieden, aber 38 vor Christus gelang Marcus Antonius der entscheidende Sieg über die Perser. Antiochos blieb zwar neutral und konnte sein Königreich bewahren, er machte sich allerdings mit der Aufnahme vieler Flüchtlinge keine Freunde in Rom. Man wurde sich nicht einig und abermals rannten die Römer gegen Antiochos Hauptstadt an – wiederum vergeblich.

Antiochos starb jung und sein Sohn – Mitradates II – konnte das erfolgreiche Abwehren der Römer nicht fortsetzen. Kommagene wurde Teil der römischen Provinz Syria.

Dem historischen Samasota machten übrigens die Türken selbst den Garaus: Die Stadt versank in den Fluten des Atatürk-Staudamms.

Wer die Anlage heute besucht kommt sofort ins Grübeln, z.B. darüber, wo sich der Eingang zur Grabkammer befinden könnte und auch darüber, wie der Berggipfel wohl ausgesehen hat, bevor Antiochos I den Nemrut zu einer Kultstätte machte. Wahrscheinlich war der ursprüngliche Berggipfel gar nicht der höchste Gipfel der Region. Allerdings hatte er das Potential, mit ein paar Nachbesserungen zu einem weithin sichtbaren Monument zu werden.

Ich unterstütze die Theorie, dass auf dem ursprünglichen Gipfel des Nemrut eine Grabkammer in den Berg gebohrt wurde. Anschließend wurde der 50 Meter hohe Gipfel künstlich aufgeschüttet – entweder mit bereits”bewohnter” Grabkammer oder mit einem Zugang, der nach der Beisetzung zerstört wurde oder durch das Gewicht des Berges kalkuliert zusammenbrach.

Durch diese geniale Technik ist die Grabstelle – wahrscheinlich – auf ewige Zeiten vor Grabräubern und Archäologen geschützt. Um an die letzte Tür zu gelangen, die Zugang zur Grabkammer des Antiochos I gewährt, müsste der gesamte Berg abgetragen werden und das ist schlichtweg unmöglich.

Archäologisch ist auch ohne Öffnung der Grabkammer noch einiges zu tun. Errosion und kletternde Touristen setzen der Anlage sehr zu und ohne aufwändigste Restaurationen wird die Anlage – bis auf die Bergspitze – Stück für Stück verfallen.

Ein gutes Beispiel ist das so genannte Löwen-Horoskop. Es handelt sich dabei um ein Relief, das genaue Daten zum Geburtstag des Antiochos liefert. Nach der Entdeckung der Tafel war man hoch erfreut über den tollen Zustand – es hatte tausende von Jahren auf dem Kopf gelegen. Allerdings setzten die kommenden 50 Jahre dem Relief derart zu, dass es so gut wie zerstört ist.

Es gibt zwar noch einen hervorragenden und rekonstruierbaren Abdruck des vollständigen Reliefs – dies ist aber dann nicht das Original, sondern nur eine Kopie.

Hier mehr über interessante Ausgrabungsstätten in der Umgebung des Mt. Nemrud erfahen: www.vertellervanhetoude.nl


Hotel-Empfehlung Griechenland

Wer Griechenland aus der Einwohnerperspektive erleben will, dem empfehlen wir das kleine, aber ungemein stylische Hotel Amymone in Nafplio. Wir hatten ein Zimmer mit Ausgang direkt auf eine der lebhaften Gassen, in denen sich die gemütlichen Tavernen aneinanderreihen. Zu absolut korrekten Preisen gibt es hier einen unschlagbaren Service und ein tolles griechisches Frühstück.

Hier mehr erfahren und/oder direkt buchen

Amymone-Instagram

12. Etappe – Griechenland (1. Juni – 5. Juli 2019)

Update 28. Juni: Alles geht wieder!

Wir starten unsere Griechenlandetappe mit der Fahrt vom albanischen Gjirokaster nach Meteora in Thessalien. Wir passieren Lazarat und ich überlege, warum die Hochburg der albanischen Mafia ausgerechnet 10 Kilometer vom Geburtsort des Diktators Hodscha zu finden ist. Ein junger Mann, den ich darauf anspreche, erklärt mir, dass die alten Kader noch immer in den Führungspositionen sitzen und wenn sie zu alt werden, rücken die Söhne nach. Er erklärt mir den Fatalismus der Albaner: “Wenn die Politiker korrupt sind, dann zahlen wir eben keine Steuern!” Nur 50 % von EU-Ländern kommen auf den Baustellen an, der Rest versickert in den Behörden. Bei uns versickert das in Planungsbüros, bei Gutachtern und in Ausschüssen, der Unterschied ist die Legalisierung dieses Mittel-Abflusses.

Gespannt, wie das in Griechenland sein wird, überqueren wir die Grenze Richtung Thessalien. Der Kulturschock kommt mit wuchtiger Faust. Wir hatten uns an Mazedonien und Albanien gewöhnt, deshalb wird uns der Unterschied zu einer EU-Volkswirtschaft nun sehr deutlich vor Augen geführt. Die Straßen sind in einem Top-Zustand, die Tankstellen sehen aus wie Supermärkte und niemand steht herum, um für 5 Euro Erlös 10 Stunden lang Kirschen zu verkaufen…

Wir erreichen Meteora und staunen über die mächtigen Monolithen, die wie von einem anderen Stern anmuten. Es ist bemerkenswert, mit wie viel Engagement die noch verbliebenen 6 Klöster gepflegt werden. Andererseits: Es lohnt sich auch, denn ein nicht enden wollender Strom von Reisebussen quält sich die engen Straßen hinauf.

In den Klöstern selbst ist es verhältnismäßig ruhig, was daran liegen mag, dass die steilen Aufstiege schon ein gewissen Maß an Fitness verlangen, was die meisten Busreisenden nicht mehr aufbringen. Am Wegesrand wieder allerhand Getier – Schlangen, Eidechsen, Schildkröten – und nervige Hunde, die hier angriffslustiger sind als auf dem Balkan.

Vier der insgesamt 6 Klöster auf einem Blick – Im Zentrum das namensgebende “Meteora”

Camping Vrachos ist typisches Industrie-Camping, wie man es oft an bedeutenden Sehenswürdigkeiten antrifft. Sehr sympathisch finde ich die öffentliche Küche und die vielen überdachten Ess-Plätze. Solche Dinge werden gern von den oft sehr spartanisch ausgerüsteten Kletterern genutzt.

Die unglaublich Detail reichen Wandmalereien erzählen nicht nur Bibelgeschichten, sie dokumentieren auch in drastischen Bildern die wechselvolle Geschichte der Klöster.

Am nächsten Morgen erleben wir, welche Dynamik eine zehnköpfige Holländergruppe auf einem Campingplatz entwickeln kann. Man reist zusammen, räumt zusammen auf, staubsaugt gemeinsam und wenn der Zauber vorbei ist, legt sich eine bleierne Stille über den Platz und man fragt sich: “Was war das denn jetzt?”

600 Jahre alt und stabil wie am 1. Tag – Bogenbrücke im Hinterland.

Wir räumen anschließend unseren Kram zusammen und verzichten dabei bewusst auf jegliche Außenwirkung.

Bei der Routenwahl Richtung Peloponnes wählen wir wieder das Abenteuer und grandiose Bergpässe führen uns durch das mächtige Pindos-Gebirge Richtung Süden. Es macht den Eindruck, dass viele dieser Straßen nicht nur nicht mehr gewartet werden, sondern gänzlich aus Kostengründen aufgegeben wurden.

Heruntergerasseltes Geröll wird nicht entfernt und wenn die halbe Fahrbahn sich in Richtung Tal verabschiedet, wird nicht mal ein Warnschild aufgestellt. Zugegeben: Wir waren da völlig alleine und vielleicht haben wir auch das Schild “Vorsicht Lebensgefahr” verpasst.

Ob vor 5 Minuten oder vor 3 Jahren – Der Felsrutsch hätte uns garantiert “platt” gemacht.

Die Straße selbst ist eigentlich in gutem Zustand, andererseits phasenweise überhaupt nicht mehr als Straße zu erkennen – und es geht immer höher…

Viel höher geht’s nimmer – das Pass-Strässchen schraubt sich über die Baumgrenze…

Nach vier Stunden und zahllosen Fotostopps erreichen wir die Autobahn und erleben das Kontrastprogramm: Rund 40 Euro zahlen wir an Gebühren inkl. der Brücke über den Golf von Korinth.

Die Zivilisation hat uns wieder – Abendessen an der Autobahn in Richtung Patras.

Wir übernachten an der Strandpromenade von Patras und sammeln erste Erfahrungen mit “Freistehen” in Griechenland. Eine geruhsame Nacht und ein schneller Kaffee – wer so steht, der bekommt auch keinen Ärger mit der Polizei. Wenn ein reisendes Pärchen aber die Campingstühle rausholt, sind da schnell 300 Euro Bußgeld fällig.

Sonnenuntergang inklusive: Freier Stellplatz hinter Patras.

Strandtage auf dem Peloponnes: Bei rund 30 Grad machen wir das erste Mal auf unserer Reise wirklich Urlaub. DerPlatz liegt an einem bezaubernden Strand und hat eine tolle Infrastruktur – kein Wunder, dass sich das hier zum Rentnerparadies entwickelt. Ich war hier zuletzt vor fast 40 Jahren – Da gab’s ein paar Zelte, VW-Bullis und Wohnwagen. Heute überschwemmt die weiße Lawine mit Hymer, Concorde und sonstigen Luxuslinern die Halbinsel. Anreise per Fähre Triest/Patras – und das- so scheint es – können sich ein Haufen Leute offensichtlich leisten. Wir trefffen niemanden, der die Strecke komplett gefahren ist. In der Hochsaison muss man dafür ein Jahr im Voraus buchen. Wir wollen bald weiter in Süden wo sich die Touristenströme etwas verlaufen.

Schon schön hier – Strand südlich von Patras.

Bei der zukünftigen Planung macht mir das nicht immer harmonische Verhältnis zwischen Griechenland und der Türkei einen Strich durch die Rechnung. Eine Fährverbindung Piräus/Izmir gibt es leider nicht, was für mich einen Umweg von fast 1000 Kilometer ausmacht in den Süd-Westen der Türkei, wo wir uns mit unserer Tochter Ella treffen wollen. Vielleicht sind es aber auch die aufwändigen Grenzformalitäten, die einen regulären Fährverkehr hier erschweren.

Nach drei Tagen Extrem-Erholung haben wir die Nase gestrichen voll und lassen Campingplatz Aginara hinter uns. Aber das Gefühl “Langeweile” mal wieder zu spüren war eine schöne Erfahrung. Auf dem Weg nach Olympia finden wir einen Lidl und verfallen prompt in einen tiefen Kaufrausch. Nach all den übersichtlich sortierten Dorfläden nun ein echtes Kaufparadies. Der einzige Unterschied zum deutschen Lidl: Mit der Sortierung nehmen die’s hier nicht ganz so genau und so verteilen sich z.B. Nudeln über den ganzen Laden. Die Preise sind happig und der Laden rappelvoll – also wie bei uns…

In Olympia fragen wir den Chef von Camping Diana, wann denn die die Kreuzfahrtschiffe die olympischen Stätten der Antike überfluten. Wir hatten gehört: Nur mittwochs und samstags? Er lacht und klärt uns auf: “Jeden Tag!” Ob die Leute auf den Schiffen sich bewusst sind, dass sie wie eine Landplage daherkommen?

Ines berichtet uns aus Montenegro, wo die Kreuzfahrtpassagiere wie die Ameisen den Küstenstädten das Malerische rauben. Andererseits: Wer sind wir, dass wir nur den eigenen Reisestil als stilvoll bewerten?

Was ein kleiner Frechdachs : Keine 5 Zentimeter groß aber seit 2000 Jahren in Angeberpose! Kleine Bronzefigur aus Olympia.

Bei weit über 30 Grad ist die Besichtigung der antiken olympischen Sport- und Tempelanlagen bei Olympia eine Schweiß treibende Angelegenheit. Insbesondere der Stadioneingang vermittelt ein gutes Gefühl für das, was hier mal los war. Erst seit 1936 wird die Flamme übrigens hier abgeholt und zum Standort der Spiele der Neuzeit transportiert. Der Opa des Betreibers von Camping Diana hat damals am Staffellauf nach Berlin teilgenommen und seine noch lebende Witwe – 92 Jahre alt – präsentiert stolz die Urkunde. Auf einem ausgestellten Foto recken die Olympioniken die Hand zum Hitlergruss und oben drüber hängt ein großes Portrait von Theodor Heuss, der hier als großer Förderer der griechisch/deutschen Freundschaft gilt.

Hier ging’s durch ins Stadion.

Der gesamte Ausgrabungs-Komplex ist groß und angelegt wie eine Stadt. Die Pracht ist am ehesten in den beiden Museen erahnbar, wo die großen Marmor-Statuen ausgestellt sind.

Mal mit, mal ohne Arm – wirklich komplett ist hier niemand.

Die Hitze hier im Inland ist schwer zu ertragen und so fahren wir wieder ans Meer.

Auf dem Weg zum südlichsten Zipfel des Peloponnes zeigt sich Griechenland weiter abwechslungsreich: Von schneebedeckten Gipfeln bis zu malerischen Stauseen ist da alles dabei. Wir setzen mit der Fähre über nach Elafonisos und staunen über ein wirklich türkisfarbenes Meer – jedes Foto wird zum Postkartenmotiv.

Leider hat der Campingplatz eher Stellplatz-Charakter, aber der Strand entschädigt dafür. Es weht ein laues Lüftchen, das die Hitze erträglich macht.

Wir fahren wieder in den Norden. 100 Km pro Tag haben wir uns vorgenommen, damit wir so etwa den 25. Juni herum in Izmir sind. Da kann man sich die kleinen Küstenstraßen leisten, die einem unfassbare Aublicke und schöne Ecken zum Pausemachen bieten. Wir erreichen nach sehr aussichtsreicher Fahrt Monemvasisa und die Festung sowie das hier angesiegelte Städtchen beeindrucken uns sehr. Hier ist innerhalb hoher Festungsmauern eine gar nicht mal kleine Stadt entstanden, die auf dem Weg zum Tourismus-Magneten auf sehr schöne Art und Weise unverkitscht geblieben ist. Wohnen darf hier allerdings kaum noch jemand – im Winter gerade mal 20 Personen.

Und das hier in allen Blau- und Grüntönen schimmernde Meer bietet einen malerischen Rahmen für Postkartenmotive ohne Ende.

Am Fuße des Festungsberges finden wir einen freien Stellplatz und freuen uns auf eine hoffentlich mückenfreie Nacht. Geld sparen tun wir dadurch aber nicht, denn wir müssen endlich mal wieder was Ordentliches essen. Griechenland mit 50 Euro am Tag ist nicht zu schaffen. Ich kann die Griechen verstehen, die unter den EU-Finanzregeln ächzen. Das Leben hier könnte sich selbst mit deutschen Einkommensverhältnissen kaum jemand leisten. In einem kleinen Restaurant am Fuße des Berges kommen wir mit 26 Euro für ein Abendessen noch billig weg.

In und auf diesem Berg befindet sich eine unglaubliche abwechslungsreiche Szenerie aus historischer Festung, mittelalterlichem Städtchen und touristischer Einkaufsmeile. Am Fuß finden wir einen freien Stellplatz für die Nacht und ein tolles Restaurant.

Kurz hinter Monemvassia reiht sich Traumstrand an Traumstrand – kein Wunder dass sich hier zu aktiveren Zeiten dieses Menschenschlages viele Hippies und sonstige Aussteiger tummelten. Wir fühlen uns dieser Tradition verpflichtet und finden in Sonja und Gerald vom Wörthersee auch gleich zwei passende Mitstreiter. Wir stehen frei in einem wunderschönen Wäldchen direkt am Wasser, Stranddusche inklusive.

Auch unser Michel liebt Griechenlands Strände…

Wir fürchten ein klein wenig die Polizei, denn freies Campieren ist in Griechenland nicht erlaubt, aber der wohlige Schauer des Verbotenen lässt die Flasche Rotwein noch besser schmecken. Am nächsten Tag hab ich Kopfweh, aber das war es wert.

Petra und ihr italienischer Freund sind in Monemvassia “hängengeblieben” und haben ein Haus gekauft. Sonja und Gerald aus Österreich sind “still traveling” und nach lange nicht am Ende angekommen.

Für die nächste Übernachtung gehen wir mal wieder auf einen Campingplatz und erwischen es auch ganz gut. 16 Euro inkl. Strom ist ein guter Preis. Wir gehen in die Stadt und kehren in einem kleinen Fischrestaurant ein, wo wir für ein Essen auf deutschem Pommesbudenniveau unglaubliche 40 Euro bezahlen.

Es wird Zeit, dass wir in die Türkei kommen – das ist hier bei aller Schönheit echt kein Land für mich. Auf den Campingplätzen herrscht eine unglaublich unverbindliche Atmosphäre, die Preise sind überzogen und die Leute lassen etwas die erwartete Herzlichkeit vermissen. Es gibt Ausnahmen: Der Chef von Camping Semili bei Leonidio hat das Zeug zum Lieblingsgriechen!

Beim frei Stehen fühlen wir uns allerdings richtig wohl. Natürlich schwingt die Angst vor Platzverweisen und Bussgeldern immer mit, aber selbst das wär’s wert. Wir stehen bei Nafplio quasi direkt am Wasser, können die Stranddusche nutzen und etwas von diesem alten Griechenlandflair geniessen, von dem auf den Campingplätzen aber so wirklich gar nichts mehr übrig geblieben ist. Die Krönung war eine Selbstbedienungstaverne mitten in einem Schildkrötenschutzgebiet. Hier wurde an einem Tag mehr Plastik produziert als eine Schildkröte im ganzen Leben fressen kann.

Man könnte den Griechen – würde man sie besser kennen – eine gewisse Unsensibilität solchen Themen gegenüber vorwerfen. Aber ich nehme lieber meinen deutschen Besen und kehre vor meiner eigenen Haustür, da liegt genug Plastikscheiß herum.

Eins muss man sagen: Das ist einfach alles wunderschön hier, paradiesisch sogar. Allein wie das alles riecht: Man hält die Nase aus dem Auto und riecht die Zitronen, den Thymian, die Kiefern und vor allem das Meer.

Frei zu stehen ist uns das größte Vergnügen in Griechenland und versöhnt uns etwas mit einem Land, in dem Tourismus eine Industrie ist.

Und sonst alles paletti im Paradies? Nein, natürlich nicht. Auch Paradiese haben schlechte Tage. Wir bekommen durch das ständige Herumreisen von einem Hotspot zum nächsten keinen geregelten Tagesablauf hin und das nervt. Außerdem kämpfen wir immer wieder mit der Technik. Aktuell haben wir kein Licht und kein fließendes Wasser in der Kabine und werden wahrscheinlich eine Werkstatt suchen müssen. Irgendwas ist immer – was mich an das alte Leben erinnert. Wenn ich dann aber so muffelig am Strand langlaufe denke ich plötzlich: “Hast du sie noch alle an der Waffel? Nimm dir ‘ne Kerze mit den Camper und stell ‘ne Flasche Wasser auf’s Klo und gut ist…!”

Zudem habe ich Stress mit Ford Assistance, die mir die Abschleppkosten aus Albanien nicht bezahlen wollen, weil ich statt die ganze Nacht im albanischen Bergland auf den ADAC zu warten lieber einen Abschlepper vor Ort beauftragt habe. Das sollte aber ohnehin nicht der letzte Kontakt gewesen sein.

Die nächsten drei Tag stehen wir frei an einem traumhaften Strand bei Nafplio. Wir lernen nette Griechen kennen und arrangieren uns zunehmend mit diesem uns immer wunderbarer anmutenden Land und seinen grandiosen Farbenspielen und Geruchsexplosionen.

Malerisches Nafplion…

Man muss halt die Campingplätze meiden, dann klappt es auch mit dem Griechenlandfeeling. Irgendwann ist aber dann doch der Kühlschrankstrom alle und wir müssen weiterfahren – diesmal in Richtung Ephidaurus, wo wir das weltberühmte Amphitheater ansehen wollen.

Die alten Griechen liebten das Theater – anders lässt sich diese grandiose Anlage nicht erklären.

Auf dem weiteren Weg will Sylvia einen Sack Orangen kaufen. Ich warte im Ranger und auf einmal geht er aus. “Nicht schon wieder” denke ich, weiß aber, das die Elektronik wieder aussetzt und auch, dass dieser Moment kommen musste. Die Albaner haben zwar fleißig an allen Steckern gewackelt, den Fehler gefunden und beseitigt haben sie aber nicht.

Diesmal kümmere ich mich um nix und lass alles über Ford Assistance abwickeln. Nach drei Stunden ist der Abschlepper da und wir fahren mit dem Taxi nach Argos, wo das für uns gebuchte Hotel die Aufnahme von Hunden verweigert. Nach weiteren zwei Stunden wird es langsam dunkel, als die Griechen melden: “Wir haben ein Hotel für Sie!” Die Bude hat allenfalls mittelmäßigen Hostelcharakter und kostet 25 Euro als Dreibettzimmer. Wir verkünden: “Hier bleiben wir nur eine Nacht!” und freuen uns, als gegen 23 Uhr der Ford-Servicepartner verkündet, dass wir die nächsten Tage in Nafplion Quartier nehmen können. Die Stadt ist traumhaft schön und wir können damit gut leben, zumal Nafplion einen tollen Badestrand hat.

Nach einer miesen Nacht im miesesten Hotelzimmer ever bekommen wir ein wirklich nicht gutes Frühstück im Nachbarhotel. Ford Assistance kümmert sich irgendwie, hat aber wohl immer extrem die Kosten im Blick. Wahrscheinlich waren die Zimmer in Nafplio teurer…

Aber jetzt die Krönung: wir warten von 9.30 bis 14 Uhr auf ein Taxi, das uns die 10 Kilometer nach Nafplio bringt. Hier hat man uns ein wirklich schönes AirBNB-Appartement – ohne Frühstück – organisiert. Etwa 20 Gehminuten vom Zentrum. Suboptimal – Aber wir mögen da nicht mehr diskutieren. Nach 4 Stunden Taxi-Warten in der 2-heißesten Stadt Griechenlands ist man froh über jede Verbesserung.

Argos: Laut Fremdenführer die 2-heißeste Stadt Griechenlands und über 5000 Jahre alt.

Jetzt heißt es warten – Sonntags läuft nix und am Montag ist hier auch Feiertag. Ford Assistance interessiert es nicht besonders, was wir machen, wie’s uns geht oder ob wir irgendwas brauchen. Selbst meine Mail wird nicht beantwortet.

Das Positive: Wir erleben gerade eine wundersam lebendige Stadt aus der Einwohnerperspektive und revidieren unser Griechenlandbild wieder etwas. Die Griechen sind ungeheuer gesellig und sehr lebensfroh. Die Stadt pulsiert in mediterranem Flair und ich frage mich: “Warum ist diese Lebensfreude bei uns so flächendeckend ausgestorben?”

Nafplion – Griechenlands erste Hauptstadt erweist sich aus der Einwohnerperspektive als toller Lebensraum.

Nach zwei Übernachtungen am Ortsrand von Nafplio verabschieden wir uns ungern von unserer liebenswürdigen Gastgeberin Nicoletta. Wir haben ein in Zimmer mit Frühstück direkt gegenüber dem Hafen mitten in der historischen Altstadt gefunden und ziehen um.

@ Nicoletta: Thank you for the great hospility – we recommend your Apartements in Germany!

Ich stehe im Kontakt mit der Werkstatt und bin langsam wieder guter Dinge. Unser neues Zimmer ist der Knaller.

Links die Tür geht direkt auf eine belebte Altstadtgasse . 50 Meter um die Ecke ist der Hafen.

Mein Elektronik-Problem wird übrigens gerade hier diskutiert: WOHNKABINENFORUM
Gut, dass es solche Foren gibt!

Der vierte Tag nach der Panne: Mittlerweile wissen wir wenigstens, was am Ranger kaputt ist und dass das Ersatzteil bestellt wurde. Da Ford Assistance allerdings nur 3 Tage Hotel bezahlt wird es langsam ärgerlich. Interessant finde ich dabei, dass die Möglichkeit des Scheiterns in unseren Fokus rückt: Was, wenn das Auto in 14 Tagen wieder liegenbleibt? Was, wenn wir zurückmüssen?

Uns geht’s trotz allem gut und wir diskutieren viel über die Systematik der Zufriedenheit


Das ist ein blödes Gefühl – an Scheitern habe ich schon lange nicht mehr gedacht, auch nicht an Zweifel. Aber andererseits: Es muss den Berg runter gehen, damit es wieder aufwärts geht. Es wird sicher kein drittes Mal geben, denn unser Kontingent an Pech ist erfüllt. Was ich nicht ändern kann soll mich nicht stressen – ich muss mir das immer wieder einreden.

Griechenland ist das Land der Philosophen – mag’s an der Sonne liegen? Glaub ich nicht, denn dann hätte die Erderwärmung ja doch noch eine gute Seite. Man denkt hier einfachunglaublich viel nach – ich zumindest, z.B. darüber, wie viel Pech ein Mensch ertragen kann und ob im Grunde nur die ersten Perlen einer Pechsträhnenkette wirklich ein mieses Gefühl machen und es dann später sowieso egal ist. Der Typ mit seinem 10-Meter-Wohnmobil: Vielleicht hat er Stress mit der Prostata und ist total unglücklich. Und ich mit meinem kaputten Auto: Ich liege in einem 75-Euro/Tag-Hotel und klage der Welt mein Leid.

Unser Michel reift hier zum echten Rüden – immer noch der liebenswürdige Kuschelhund, aber er wird zunehmend lässiger und selbstbewusster.

Wir lernen jeden Tag tolle Leute kennen und reden jeden Tag englisch, weil hier viele nette Amerikaner und Neuseeländer unterwegs sind. Das klappt immer besser. Am Nachmittag sind wir in brüllender Hitze die 1000 Stufen zur Festung hochgekraxelt und wurden mit phantastischen Aussichten belohnt.

Am Hafen liegt die 33 Millionen-Euro-Yacht eines griechischen Reedes am Pier. “Der hat auch grad die Kacke am Dampfen wegen irgendwas!” denke ich. Vielleicht ärgert er sich nicht so über ein kaputtes Auto, aber auch sein Leben muss mindestens zu einer Hälfte nicht so schön sein. Außerdem wird er sicher heftig unter der griechischen Finanzkrise leiden…

50 Meter lang und drinnen läuft der Fernseher…Die Belita des griechischen Reeders Coustas.

Mittlerweile ist es Samstag und wir erfahren in der Werkstatt, dass das Auto wahrscheinlich am Dienstag fertig sein wird. Euphorie mag nicht aufkommen, ober etwas Hoffnung schon. Wir haben uns für den tag einen 100ccm-Roller ausgeliehen und cruisen entlang der Strände Nafplios. Wir können in unserem tollen Hotelzimmer bleiben so lange wir wollen. Und ab Morgen haben wir auch einen Ersatzwagen. Ich lese gerade die Biografie über Hannah Ahrendt und frage mich, was sie in meiner Situation gemacht hätte? Ganz klar: Vorträge gehalten und Bücher geschrieben…Und ich lamentier hier rum.

Und ab an den Strand…

Lagerkoller im Paradies – wir haben sicherlich den schönsten Platz erwischt um die Reparatur unseres Autos abzuwarten. Aber nach 10 Tagen reicht’s definitiv. Ich mag das ganze Essen nicht mehr sehen, die ganze Betriebsamkeit und immer dieses türkisfarbene Meer. Morgen ist Mittwoch und mit etwas Glück ist das Ersatzteil dann endlich da.

Da schaut mal einer genauer nach: Automechaniker bei Ford in Argos.

Natürlich war das Ersatzteil auch am Mittwoch nicht da. Wir haben dann beschlossen, im Hotel auszuchecken und die restliche Wartezeit auf dem Fordgelände zuverbringen. Am Donnerstag kam dann endlich das Teil und es stellte sich – erwartungsgemäß – als nicht verantwortlich heraus. Also 6 Tage umsonst gewartet in dieser Affenhitze.

Der Automechaniker leistet aber ganze Arbeit und findet ein abgerissenes Kabel unter der Batterie. Daran lag’s. Die Albaner hatten wohl mal kurz dran gewackelt und dadurch wieder für einen Kontakt gesorgt. Es darf jetzt aber erstmal nicht’s mehr passieren – mein Aufnahme-Level für Scheiß-Situationen ist erstmal randvoll und das Problem mit dem Kabinenstrom ist ja auch noch nicht gelöst.

Vorsicht bei Nutzung von Google-Maps – ohne Allrad kann das ins Auge gehen.

Und dann war da dieser Augenblick: Sylvia sauer, weil ich den Ventilator nicht richtig zusammengeschraubt habe auf der Fehlersuche: “Du machst jetzt gar nix mehr, wir fahren nach Thessaloniki und die sollen das reparieren, ohne Wasser in der Kabine fahren wir nicht in die Türkei!!” Ich hab aber keine Lust nach Thessaloniki und ich brauche jetzt einen Schraubererfolg für’s “Wieder-Mann-sein-Können”. Da kein Mammut in der Nähe ist, muss ich irgendetwas anderes zur Strecke bringen um die Position am abendlichen Lagerfeuer zu bestätigen. Sonst ist/war das alles hier umsonst.

Ich verschwinde – trotz Verbot – mit meinem Schraubenzieher, Zuversicht und der Taschenlampe in den Tiefen des Camperkellers und nehme da alles auseinander, was auseinanderzunehmen ist auf der Suche nach dem Massefehler. Ich ruckel hier, ich ruckel da – Dann baue ich alles wieder zusammen wie’s war. Ein Griff zum Lichtschalter – geht! Wasserpumpe -geht! Heizung – geht! Selbst mein Schatz ist wieder zufrieden, dass ich’s doch immer wieder hingefriemelt kriege – entgegen aller Voraussicht.

Kaum zu glauben: Alles geht wieder….

Andererseits: Ich hab mir ja in Nafplio extra für solche Gelegenheiten mein Glücks-T-Shirt gekauft mit dem Leonidas-Symbol und dessen motivierendem Kampfesmotto: “Come and get them!” Das hatte ich an…

Auf den Spuren von König Leonidas fahren wir nach Thermopyles, 200 Kilometer nördlich von Athen. Geografisch/geologisch ist von der besonderen Situation dieser “Landenge” nichts mehr zu spüren. Wo vor 2000 Jahren gerade mal ein Eselskarren durchpasste, hat zunehmende Versandung sich gut 3 Kilometer Land geholt. Eine riesige Statue mit einem echt nackigen Leonidas wirkt etwas albern, als ob die frei schwingend ins Gefecht gezogen wären.

Wie auch immer – Leonidas ist derzeit mein Reizthema. Warum fasziniert der mich so? Weil er freiwillig und unnütz gefallen ist? Wohl kaum…Ob er ein Sixpack hatte wie im Film? Eher nicht – zum Pumpen hatten die keine Zeit. Ich glaube, die Faszination für solche Leute ist ein “Mem”, so nennt man es , wenn sich Dinge in den Köpfen der Menschen verfestigen um das System zu stärken. Selbst der deutsche Philosoph und Agitator Goebbels war in der Lage, dem sterbenden Soldaten in Stalingrad zu vermitteln, dass auch er ein Leonidas sei, dem man in 1000 Jahren gedenken werde.

Hansel Hitler und der Ruhm verlorener Schlachten

Hätte man z.B. 1945 beschlossen, Hitlers Vornamen in Hansel umzubennen und würde man ihn nicht bis heute als “Führer” des deutschen Volkes bezeichnen, vielleicht wäre dann auch dem letzten aufgefallen, was ein kleines Licht dies klein’ Männlein doch eigentlich war. Die Schlacht an den Thermopylen hätte niemals Geschichtsreife erlangen dürfen – dafür war sie viel zu unbedeutend.

Der steht da echt völlig frei untenrum…

Etwas enttäuscht von diesem Ort geht es weiter in den Norden. Wir fahren über Land und erleben die landwirtschaftliche Seite Griechenlands. Fast 100 Kilometer reiht sich ein Getreidefeld ans nächste. Abends finden wir ein schönes Fleckchen Erde hoch über der Bucht von Volos. Es ist angenehm kühl, keine Mücken – was will man mehr?

Stellplätze wie diesen findet man mit der App “Park4Night”

Wir sind jetzt 400 Kilometer von der türkischen Grenze entfernt und ich bin froh, das Thema “Griechenland” doch noch für mich versönlich abschließen zu können. Griechenland ist unendlich reich und sollte nicht auf Sparplan-Diskussionen reduziert werden.

Unsere Leserin Mechthid fragt noch noch mehr Griechenland. Daher hier mal mal ein ein für uns nicht untuntypischer Tag:

Wir bezahlen auf dem Campingplatz und machen uns auf den Weg nach Thessaloniki. Rund um Athen verfahren wir uns, weil wir einfach zu viele Navigationsgeräte im Einsatz haben. Letzten Endes siegt Ford Ranger über Google und wir finden die Nationalstraße neben der sündhaft teuren Autobahn. Einem Tankwart erzähle ich, dass der Diesel bei uns auch nicht billiger ist. “Wir verdienen hier aber viel weniger!” Er muss für 7 Tage Arbeit mit 500 Euro klarkommen. Wir erreichen Larissa und holen uns unser Stück Heimatgefühl im dortigen Lidl. Abends nochmal tanken – teilweise zerschlagen 150 Euro Dieselkosten unsere Tagesbudgets. Der Monat Griechenland kostet uns knapp 3000 Euro – 500 davon würde ich mir gerne von der Ford-Garantie zurückholen.Wie man hier mit 500 Euro im Monat klarkommt bleibt mir ein Rätsel.

Kurz hinter Larissa finden wir am Fusse des mächtigen Olymps ein echtes Juwel: die Griechen baden hier in den Verdunstungsbecken zur Salzgewinnung.

Baden wie im Toten Meer – im Hintergrund grüßt der 2950 Meter hohe Olymp durch den Dunst.

Man schwimmt wie im Toten Meer, für uns ein sehr beeindruckendes Erlebnis. Natürlich schmieren wir uns auch mit dem öligen Schlamm ein und lassen den Panzer an der Sonne trocknen.

Junkstörche in einem Dorf hinter Larissa

Zwischenzeitlich wechselt unser Campingstuhl den Besitzer . Gut das wir Ines Stuhl noch haben. Wir sollten etwas besser auf unsere Sachen aufpassen.

Der Stellplatz ist eine Katastrophe – nach 10 Minuten ist unser Michel übersäht von kleinen Kletten, sie sich ihm ins Fell drehen. Wir brechen in aller Eile auf und vergessen Sylvias Ersatz-Bikini. Ein kurzer Blick auf die Kabinenelektronik bestätigt mir: Die Karre lädt schon wieder nicht, der Kühlschrank hat vielleicht noch bis Mitternacht “Saft”.

Wir fahren 4 Stunden durch die Nacht zu einem Stellplatz bei Thessaloniki, der uns als “Ideal für eine Nacht mit wahnsinniger Aussicht” von Park4you angekündigt wird. Ich nehm gerade die Kamera zur Hand, da hab ich 50 Mückenstiche weg. Wir kommen nicht schnell genug in die Kabine um zu verhindern, dass mindestens 100 Mücken mit hineinschlüpfen. Es ist halb eins und wir entscheiden: “Hier können wir nicht bleiben!” Es ist brüllend heiß und ich hab immer noch das Öl aus der Saline am Körper. Das Wort unerträglich beschreibt’s am besten.

Wir fahren noch gut 2 Stunden in die Berge und finden einen mückenfreien Platz am Straßenrand. Am Morgen stresst mich das ungelöste Stromproblem so sehr, dass wir uns entschließen, zum Service nach Thessaloniki zur fahren – also 130 km zurück. Auf halber Strecke ruft mein Wohnkabinen-Techniker an und gibt mir ein paar Tipps, wie ich das Problem überbrücken kann. Gegen Mittag erreichen wir Camping Alexandro bei Kavala und das Leben ist wieder schön. So läuft das ab wenn man mit dem Camper in Griechenland unterwegs ist.

An dieser Stelle mal ein Dankeschön an alle Leser dieses Blogs: Wir sehen uns in der Türkei.

Autofahren in Albanien

Autofahren in Albanien ist ein echtes Abenteuer. Zum einen entpuppen sich offizielle Durchgangsstraßen als Schotterpisten, zum andern gibt es außer den Tempolimits wohl kaum irgendeine Regel, an die sich die Albaner halten. Dabei geht es nicht immer nur dem Gesetz der Stärke. Man darf sich halt nicht unterkriegen lassen.

Wer einen Engpass sieht und nicht versucht, schnell noch durchzukommen, der steht da die nächsten drei Stunden, oder bis die Leute hinter einem aussteigen und die Situation auf die ein oder andere Art und Weise klären. “Mutig sein” hilft hier ungemein und wenn die Gegenseite erkennt, dass es kein Durchkommen gibt, dann bleiben die irgendwann stehen oder setzen notfalls auch mal zurück.

Schlaglöcher gibt’s hier ohne jede Vorankündigung, oft so groß, dass eine Ziege drin verschwinden könnte. Werden sie zu groß, dann wird einfach ein Reifen reingelegt.

Hupen gehört zu guten Ton und niemand, der einen anhupt hat etwas Böses im Sinn. Es soll wohl nur ermuntern, endlich das Träumen sein zu lassen und zügig weiterzufahren.

Mein Liebstes: Hier sind alle Kreisverkehre mindestens zweispurig. Wer also nicht sofort wieder rausfährt dreht sich in den Innenkreis. Vorfahrt hat dabei, wer die Nase vorn hat. Und das klappt.

Und dann die Autobahn: Die unterscheidet sich von anderen Straßen nur dadurch, dass man hier schneller fahren darf. Hier gibt es sogar Kreisverkehre, manchmal mit einer angebundenen Kuh drauf – keine Ahnung wie die da hinkommen konnte. Hier sind vom Eselskarren bis hin zum selbstgebauten Mofa-Transporter die unmöglichsten Gefährte unterwegs – und Fußgänger, z.B. wenn der Schulbus am Rand anhält.

In all diesem Chaos habe ich aber nicht das Gefühl, dass das Fahren hier wirklich gefährlich ist, weil hier jeder immer auf alles gefasst ist und sich auch nicht aufregt.

Das ist eine selbst in groberen Kartenwerken eingetragene Straße.


Aussteigen mit kleinen Kindern

Wir treffen auf unserer Reise immer wieder Familien mit kleinen Kindern. Ich mag hier kaum von Aussteigern reden, weil es für diese Altersgruppe – also junge Leute bis etwa 35 – noch nicht ums Aussteigen im eigentlichen Sinne geht, sondern vielfach um die Suche nach sinnstiftenden Elementen und alternativen Lebensformen. Vielleicht ist es auch ein vorbeugende Maßnahme, um nicht in den allgemeinen Trott zu verfallen.

Familie H. aus Holland ist da so ein typisches Beispiel. Die finanziert ihre Reise durch den Verkauf ihres Hauses, haben etwas für den Neustart beiseite gelegt und reisen nun mit zwei kleinen Kindern durch die Welt. “Es ist ein Geschenk” sagen sie – auch wenn die sehr anhänglichen Kinder gerade sehr viel Aufmerksamkeit fordern und auch die Wünsche der Eltern etwas einschränken. Vater Joris: “Die haben nun mal keinen Spaß an Offroadtouren durch die Sahara!”

Aussteigen mit kleinen Kindern ist sicherlich ein Knochenjob. Wir sehen das deutlich an einem Pärchen aus München. Der kleine Ben fängt gerade das Laufen an und ist zu 150 % auf die Mami fixiert. Allerdings: “Zuhause wäre das alles noch viel anstrengender!”

Und dann gibt es auch diese Väter und Mütter, die ihr Andersein auf eine etwas übertriebene Art zelebrieren. Wir haben selbst drei Kinder groß gezogen – da weiß man, dass der Sonnenschein, den man grad stolz im Tragegurt vor der Brust präsentiert, später auch mal ganz andere Seiten zeigen kann.

Es kann nicht immer alles super sein – das ist eine allgemeine Elternerfahrung, die natürlich auch auf Reisen gilt.

Der Vater des kleinen Ben ist auf jeden Fall fasziniert “…, dass es überhaupt möglich ist, und dass es so einfach ist, man muss es nur machen!” Arbeiten während der Reise ist aber meiner Meinung nach mit kleinen Kindern nicht zu schaffen, denn die ständig wechselnde Umgebung fordert Eltern tagtäglich und pausenlos zu 100 %.

So wie ich das sehe ist “Aussteigen mit kleinen Kindern” ein absolut machbares und auch erfüllendes Projekt. Sicher sehen wir hier nur Momentaufnahmen und wissen auch nicht, wie es weitergeht. Gut möglich, dass sich gerade diese reisenden Kinder später zu All-Inclusive-Touristen entwickeln – wer weiß das schon.