Archiv der Kategorie: Gedanken

In dieser Kategorie landen alle Beiträge, in denen ich mich mit meiner jeweils aktuellen seelischen Befindlichkeit zwischen Zweifel (selbst & fremd), Zielen, Rückblicken und dem Sinn des Lebens ganz im Allgemeinen befasse. Es mag helfen oder nicht, mir hat es auf jeden Fall geholfen, es aufzuschreiben…

Minus 8 – Angst vor Veränderungen

Aussteiger müssen vor allem eins tun, eine Entscheidung treffen – und zwar eine Entscheidung, die sehr viele, sehr unterschiedliche und auch in der Bedeutung extrem variierende Folgen mit sich bringt, über die man dann nicht mehr entscheiden muss. Es ist quasi eine Master-Entscheidung. Wer aussteigen will, muss z.B. kündigen, sein Haus verkaufen, sich von seinen Freunden verabschieden und damit klarkommen, dass Themen wie Rente und das soziale Umfeld neu geordnet werden.

So eine Entscheidung mit den klassischen Entscheidungsbewertungen falsch oder richtig einordnen zu wollen, funktioniert aber nur bedingt und wie immer, wenn man sich zwischen falsch und richtig nicht einsortieren kann, kommt das Gefühl dazu: Also es fühlt sich entweder gut oder schlecht an.

Bei uns hat sich das Gefühl Aussteigen zu wollen und es auch letztendlich zu können, von Anfang an gut angefühlt – also musste es wohl auch richtig sein. Daraus entwickelt sich Zuversicht. Fühlt es sich schlecht an, dann erwächst daraus Zeifel und später Angst.

Nun hat aber Gott der Herr oder die Evolution dafür gesorgt, dass Zweifel, Angst und Zuversicht zu wichtigen Überlebensmerkmalen wurden.

Wer also zweifelt, der sollte sich erst mal um diese Ängste kümmern und überlegen, wo sie herkommen und ob sie begründet sind, wer zuversichtlich ist, sollte sich auf jeden Fall genau überlegen, ob er nicht besser zweifeln sollte. Genau an dieser Stelle kommt die Rationalität ins Spiel und Menschen, die eher zur Zuversicht, als zur Angst tendieren – ohne das eine oder andere klar begründen zu können – werden die Frage nach der Möglichkeit des Aussteigens entspechend bewerten: Gas geben oder auf die Bremse treten.

Astrid Lindgren hat ihre Pippi Langstrumpf mal sagen lassen: “Das haben wir noch nie versucht, also wird es schon gutgehen!” Ein guter Freund hat mir mal gesagt: “Sowas habe ich noch nie gemacht, also ist das nichts für mich!” Jeder Mensch hat eine “Warum ich das nicht tue”-Antwort, und die sollte immer mal hinterfragt werden.

Bei uns kam zur grundsätzlichen Zuversicht auch noch das positive Ergebnis einer rational behandelten Entscheidungskette dazu. Ja, wir konnten das Haus gut verkaufen, ja, ich kann auch unterwegs Geld verdienen, ja, wir kommen auch auf kleinstem Raum gut miteinander aus.

Wir hören oft “Das würde ich mich nicht trauen!” Was impliziert das denn? Dass man gehen würde, wenn man den Mut hätte? Aber wie komme ich denn ohne Mut zurecht – in welcher Welt und wo auch immer?

Der Mensch ist ein komisches System, den bei aller Genialität kann er das Thema “Angst” nicht wirklich steuern. Bestes Beispiel: Wir wissen ganz genau, dass wir derzeit dabei sind, unsere Welt mit Schmackes zu zerstören. Es gibt genug wissenschaftliche Studien und niemand, der sich ernsthaft damit auseinandersetzt zweifelt daran, dass in 50 Jahren nichts mehr so sein wird wie heute.

Warum wir nichts dagegen tun? Weil wir keine Angst davor haben und Frau Merkel das schon richten wird. In Systemen wie unseren hat der Einzelne keine Angst oder übertriebene Zuversicht zu haben – dann funktioniert es nicht mehr.

Hätten wir Angst vor der Katastrophe, dann würden wir etwas dagegen unternehmen. Da wo die Angst zu Entscheidungsprozessen beiträht, hat Sie ein mächtiges Stimmchen mitzureden, wo die Evolution oder Gott der Herr sie für nicht zielführend hält, ist sie obsolet.

Minus 16 – Die eigene Kraft

Würde ich derzeit auf den mentalen Lukas hauen, ich würde nicht einmal das Angeber-Niveau erreichen. Gerade in einer Zeit, in der man sich auf seine Ressourcen verlassen können sollte, bin ich platt wie Flasche leer – Glückwunsch nachträglich an Guiseppe Trappatoni zum 80. Geburstag!

Andererseits: ich denke dass ich es auch nur bis zum 1. April schaffen muss, danach gibt es keine Aufgaben mehr, die ich zu lösen hab, keinen Stress mehr, dem ich mich stellen muss und wahrscheinlich auch eine Menge Verantwortlichkeiten weniger.

Komisch, dass die Vorbereitungen zum Stressabbau so stressig sind.


Minus 17 – Stephan Grünewald

Stephan Grünewald schreibt sehr intelligente Sachen, die man sehr gut verstehen kann. In seinem Buch “Wie tickt Deutschland?” erklärt er uns das eigentliche Problem unseres fast schon familiären Verhältnisses zu Mutter Merkel und er definiert unsere Lebenswelt in ein “Innen” (das Auenland) und ein “Draußen” ( das Grauenland). Wir fühlen uns einigernmaßen sicher drinnen und fürchten noch mehr , was draußen ist das, was reinkommen könnte – z. B. Flüchtlinge.

Doch das Leben im schönen Auenland ist nicht mehr wie früher. Es scheint, wir können nicht mehr alles was uns belastet Mutter Merkel überlassen, weil die sich in der Flüchtlingkrise als eher unzuverlässig erwiesen hat und das Böse schafft sich auch im eigenen Land Raum und wird zum Exportschlager – z.B. der Dieselskandal. Es müffelt im Auenland…

Die Globalisierung, Bedrohung durch den Islam, Plastik in den Weltmeeren – da kann der einzelne eh nichts machen – das ist wie die Pest: Ist halt so. Soll Mutter Merkel das mal richten. Aber der Flüchtling auf der Straße, der hat ein Gesicht, da kann man reinhauen.

Eine undurchlässige Membran zwischen Auenland und Grauenland verhindert Entwicklung. “Wie ticken die Deutschen? von Stephan Grünewald – ein Must-Read – nicht nur als Motivationshilfe für Aussteiger.

Minus 18 – Unwohlsein

Ich habe absolutes Verständnis für jede Art von Entscheidungen, die begründet sind. Wer sich Gedanken macht, macht alles richtig. Etwas unwohl wird mir aber beim Gedanken, ob das, was man tut richtig ist und wenn ja dann für wen.

Schüler auf Freitagsdemos werfen mir vor, dass ich Ihre Zukunft bereits zerstört hätte. Ihr Kinder…

Wenn ihr mal groß sein möget, dann werdet ihr auch keine anderen Ziele haben, als möglichst schnell möglichst viel auf eure Seite zu bringen oder über euer Unglück zu lamentieren. Dem Menschen liegt es halt nicht im Blut, Macht nicht zu missbrauchen.

Ich höre ein Interview mit einer der Führungspersönlichkeiten der Schülerbewegung. Allein ihr Dasein bedingt schon ihre Teilhabe an der Kollektivschuld. Eins hab ich auf jeden Fall mit Ihr gemeinsam: Wir werden die Welt beide nicht retten können.

Minus 20 – Surreal

Am Sonntag bin ich durch Warstein gelaufen. Ich hab da eine wunderschöne Jugend erlebt, lange in einer damals ziemlich lebendigen Stadt gearbeitet. Damals gab es drei Zeitungen – ziemlich viel für so eine kleine Stadt. Aber als Journalist hat das Spaß gemacht – schneller, witziger, besser sein zu können als die Kollegen und sich über Niederlagen zu ärgern – das hat’s ausgemacht. Dann hat ein paar Jahre nach meiner Kündigung mein damaliger Arbeitgeber die erste Redaktion geschlossen und vor ein paar Wochen hat die zweite Lokalredaktion dichtgemacht. Minus 20 – Surreal weiterlesen

Minus 21 – Was hat Sahra Wagenknecht?

Mit einer Mischung aus Spott und Häme kommentiert Politiker-Deutschland die Entscheidung von Sahra Wagenknecht, keine führende Rolle mehr bei “Aufstehen” und in der Linken-Fraktion ausüben zu wollen.Sie redet von Gesundheit und von Grenzen, die sie nicht mehr überschreiten möchte. Wer wie sie stets am Rande des Machbaren navigiert, der weiß, was mit ihr los ist, und welche Größe es braucht für so einen würdigen Abschied. Minus 21 – Was hat Sahra Wagenknecht? weiterlesen