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Exkurs II: Die Armenische Diaspora

1,5 Millionen Menschen starben, als während des 1. Weltkrieges und kurz danach Westarmenien von Mardin bis zum Ararat quasi “entvölkert” wurde. Auf das zum russischen Staatsgebiet gehörende Ost-Armenien hatten Kurden und Türken keinen Zugriff. Wer rechtzeitig fliehen konnte suchte und fand den Weg nach Russland, Frankreich und Armenien.

Viele dieser Flüchtlinge fanden sich im Ausland gut zurecht, einige machten ein Vermögen, andere wurden für die Kutur bedeutsam. Bestes Beispiel ist wohl der französische Sänger Charles Aznavour, dessen Eltern vor dem Genozid nach Frankreich flohen.

Zahlreiche Auslandsarmenier unterstützen heute Projekte in ihrem Heimatland, obwohl die Sichtweise etwas korrigiert werden muss, denn ihr Heimatland bleibt für immer verloren. Und Ost-Armenien ist nicht die Heimat der Vertriebenen – allein schon sprachlich gibt es hier erhebliche Unterschiede, die sich durch die türkisch/russische Grenzziehung erklären. Allerdings fördert die so genannte Diaspora das, was man als “Gemein-Armenische” Identität bezeichnen könnte: Den Glauben, die Geschichte und die Hoffnung auf eine erfogreiche armenische Jugend.

Beispiele sind vor allem die hervorragend renovierten Klöster. Noravank z.B. ist über 1000 Jahre alt, sieht aber aus wie ein Neubau. Man braucht auf den Infotafeln nicht lange nach “USAID” zu suchen, was wohl die engagierteste Diaspora-Organisation zu sein scheint.

Engagierte Einzelpersonen investieren Millionen in Schulprojekte. Ich denke, dass Armenien – durch den Streit mit der Türkei und Azerbeidschan in zwei Himmelsrichtungen zu 100 % isoliert – niemals ohne die Auslands-Armenier zurecht käme und alenfalls in den größeren Städten eine moderne Infrastruktur aufbauen könnte.

Demnach arbeitet das Land mit zwei Budgets: Das eine nährt sich aus der eigenen Wirtschaftskraft und dem Fleiß der Ost-Armenier, das andere aus dem Vermögen der Nachkommen der vertriebenen West-Armenier. Wer das koordiniert, das weiß ich nicht und ist eins der großen Mysterien hier. Ebenso weiß ich nicht, warum es in Jeriwan mehr Lexus, Porsche und Mercedes gibt als in ganz Georgien (so mein Gefühl)

Mit dem Wohnmobil in den iran

Vorab, wir sind nicht mit dem Wohnmobil in den Iran eingereist, obwohl es nicht an Visa oder Carnet de Passage gescheitert wäre. Wir haben uns auf der armenischen Seite des Ararat an Mr. Hossein erinnnert, der uns vor Wochen auf der türkischen Seite angeboten hatte, uns in den Iran zu bringen – ganz legal und zu angemessenen Kosten.

Ich rufe ihn an über Whatsapp und er kalkuliert uns 700 Euro inkl. Visa für 2 Personen und einer “Temporary Permission” für unser Auto. Da das fast genau dem Preis entspricht, den wir auch in Deutschland für das Arrangement entsprechender Dienstleistungen gezahlt hätten, wird das Thema konkret. Wir wägen ab und entschließen uns, den Iran auszulassen, so reizvoll dieser Abstecher auch wäre. 700 Euro nur für die Einreise, um dann nach 14 Tagen wieder ausreisen zu dürfen erscheint uns etwas viel. Andererseits: Wann kommt man mal wieder mit dem Wohnmobil in die Nähe des Irans?

Also: Was gibt es bei der Einreise in den Iran zu beachten?

1. Zweifel: Mit Hund in den Iran

Zunehmend schwierig, da es ein Gesetz gibt, das zumindest den Iranern selbst den Transport von Hunden im Auto verbietet. Angeblich soll das Gesetz bei Touristen nicht so eng ausgelegt werden. Ich persönlich befürchte keine Probleme, aber es sind immer die “Kombi-Probleme”, die es einem am Ende schwer machen. Angenommen, es ist etwas mit dem Auto und man ist auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen, dan kann es auch für Touristen schwer werden, den Hund durch’s Land zu bekommen.

2. Zweifel: Diesel im Iran

Mit einem Euro6-Fahrzeug kann es zu enormen Schwierigkeiten mit dem Schwefelgehalt des dort verfügbaren Diesels geben. Dieser ist so hoch, dass die Sonden im Abgassystem eines Euro6-Autos gleiche Ergebnisse messen, als ob die Abgasreinigung ausgefallen wäre. Das System fährt dann bis zum nächsten Werkstattbesuch in einen Notlaufmodus. Das Problem lässt sich nicht dadurch verhindern, indem man zeitnah die AdBlue-Abschaltung deaktiviert. Das Thema hat mit Adblue nichts zu tun. Eine Abschaltung der Messung der Abgaswerte ist meinem Kenntnisstand nach nicht möglich.

3. Zweifel: Mit einem Ford in den Iran

Selbst mit einer ordentlichen Carnet de Passage hätte ich mit meinem 3,2-Liter-Ranger maximal 5 Tage im Iran bleiben dürfen. Angeblich wird Autos amerikanischer Bauart derzeit die Einreise komplett verweigert.

4. Zweifel: Reparaturmöglichkeiten im Iran

Sollte es im Iran aus irgendwelchen Gründen zu Problemen mit meinem Auto kommen, wird mir da niemand helfen können, da EURO6-Technologie hier völlig unbekannt ist und Ersatzteile nicht aufzutreiben sind wegen des Handelsembargos. Da ich mit einem Automatik unterwegs bin, kann mich auch kein freundlicher Perser kurz über die nächste Grenze schleppen. Im Land lassen kann ich das Auto auch nicht wegen der begrenzten genehmigung.

Alle vier Zweifel in Summe haben uns überzeugt, lieber doch nicht mit unserem Wohnmobil in den Iran einzureisen.

Exkurs III – Das Verhältnis Georgiens zu Russland

Kurz gesagt: Es ist kompliziert! Der Nachbar Russland steht in Georgien für Machthunger, ständige Bedrohung, Mafia und Korruption.

Das Verhältnis war schon immer kompliziert. So fragt man sich z.B. warum es keinen “Tbilisier Frühling” gab Ende der 60er? Ganz einfach: Die Georgier hatten ihre Lektion gelernt, denn hier hatte man sich schon 1956 gegen die russische Führung aufgelehnt – leider nicht für die Freiheit und die Menschenrechte, sondern weil Nikita Sergejewitsch Chruschtschow in einem geheimen Dossier jeden weiteren Personenkult um den 1953 verstorbenen Georgier
Iosseb Bessarionis dse Dschughaschwili untersagt und damit die Ent-Stalinisierung der Sowjetunion eingeleitet hatte.

Aber gerade die den folgenden Aufstand anführenden Studenten wollten sich ihr großes georgisches Idol nicht nehmen lassen und forderten Freiheit – vor allem das Recht, den “Stählernen” weiter gottgleich anbeten zu dürfen.

Chruschtow beendete den Aufstand nach Russenart und ein paar hundert Aufständige verloren beim Massaker von Tbilisi ihr Leben. Es war der letzte Aufstand bis 1989, als russische Fallschirmjäger einen gewaltfreie Demonstration gegen die Sowjetunion niederknüppelten. 40 Menschen kamen ums Leben.

Aber: Die Sowjetunion löste sich auf, wurde zunehmend handlungsunfähiger und bei den Wahlen 1990 siegte eine pro-georgische Partei, die sich die Eigenständigkeit Georgiens auf die Fahnen geschrieben hatte.

Zwei Jahren nach der brutal niedergeschlagen Demo wurde die Republik Georgien auf Basis der Verfassung der ersten Republik ausgerufen.

Der Georgische Präsident Gamsachurdia verkündete, dass sich Georgien nicht an der Gründung der Gemeinschaft der GUS-Staaten beteiligen würde.

Allerdings Swiad Gamsachurdia machte bei der Lösung der innenpolitischen Aufgaben keine gute Figur und agierte zunehmend diktatorischer, bis er 1992 in einer Art Militärputsch abgesetzt und durch Eduard Schewardnadse, letzter Aussenminister der UDSSR, abgelöst wurde.

Im ersten Abchasienkrieg 1993 unterlag Georgen und musste sich mit der Unabhängigkeit der Teilrepublik abfinden – und dafür hohen Tribut zahlen: 50.000 Menschen starben und etwa 200.000 mussten fliehen. Auch in Süd-Ossetien gab es Probleme.

Schewardnadse führte Georgien 1995 wieder den GUS-Staaten zu und bis 2003 regierte er, ohne eine Ansteigen der allgegenwärtigen Korruption sowie den Schulterschluss mit Russland verhindern zu wollen oder zu können. Erst die sogenannte Rosenrevolution machte dem Schewardnadse-Treiben 2003 ein Ende und sorgte für einigermaßen demokratische und verlässliche Strukturen, die in dieser Form bis heute anhalten.

Große Probleme bekam Georgien 2007/2008 mit weiteren Auseinandersetzungen um Abchasien und Südossetien, die mit einer deutlichen Manifestierung des wohl endgültigen Verlustes der Teilrepubliken endeten.

Die erste Republik

Die erste kurze Selbständigkeit hatte es übrigens nach dem 1. Weltkrieg 1917 bis 1921 mit der “1. Republik” gegeben. In schweren Zeiten zog es die “Terrasse Europas” aber doch vor, sich zunehmend und schließlich endgültig unter das schützende Dach des großen Nachbarns zu stellen. Natürlich nicht ohne massiven Druck Russlands: Über die vielen tausend Toten und die Autonomiebestrebungen Georgiens dieser Zeit berichtet eine ständige Ausstellung des Tbiblisier Nationsmuseums auf sehr eindringliche Art und Weise. 1921 wurde Georgien dann zur Sowjet-Republik.

Tbilisi selbst hat nur einmal in der Vergangenheit wirklich den Atem der Geschichte in seinen Gassen gespürt. 1908 hatten sich hier die Geschicke der kommunistischen Revolution entschieden, als ein junger Seminarschüler namens Dschughaschwili einen Geldtransport der Bank von Russland überfiel und mit den erbeuteten 250.000 Rubeln über Jahre den Kampf von Lenins Rotgardisten bis hin zur erfolgreichen Oktoberrevolution finanzierte. Dabei sollen bis zu 40 Menschen getötet worden sein, Stalins damaliges Vorgehen erinnert an die Bankraubpläne der späteren RAF in Deutschland oder der IRA – auch hier zählte Geschwindigkeit und Rücksichtslosigkeit über alles.

Die Deutschen in Georgien

Die Geschichte der Deutschen in Georgien ist eng mit dem Einwanderungsdekret der russischen Zarin Katharina II. verbunden, das seit Ende des 18. Jahrhunderts Hunderttausende von Europäern – vornehmlich deutsche Bauern und religiös Verfolgte aus Württemberg – in den Osten zog, um hier die endlosen Weiten des Zarenreiches zu besiedeln. Die Deutschen gründeten hier Siedlungen, die man noch heute an ihren schnurgeraden Hauptstraßen erkennt. In Marienfeld bei Tbilisi stehen noch “Deutsche Häuser”.

Während zu Beginn der Besiedlung insbeondere die stetigen Angriffe der Völker jenseits der russischen Grenzen Opfer unter der deutschen Bevölkerung kosteten, war es am Ende Stalins Wahn, der das Kapitel “Deutsche in Georgien” brutal und unwiderruflich beendete. Nach der deutschen Kriegserklärung an die UDSSR wurden über Nacht alle Deutschen nach Sibirien und Kasachstan deportiert. Nur knapp 2000 sollten jemals zurückkehren. In den Orten erinnern sich die alten Leute noch daran, dass die Häuser der Deutschen wie bewohnt schienen, als die neuen Besitzer einzogen. Teilweise stand noch das Essen auf den Tischen – so überraschend hatte die Deportation die deutsche Bevölkerung erwischt.

Heute muss man beim Begwandern westlich der alten Heerstraße nach Wladikawkas vorsichtig sein, denn so mancher Wanderweg wird von russischen Grenzsoldaten mit Maschinengewehren im Anschlag versperrt. Andererseits kommen zunehmend mehr russische Touristen nach Georgien. Die gesamte Gemengelage ist für Europäer etwas unübersichtlich. Eins scheint klar – die Freiheit werden sich die Georgier nicht mehr nehmen lassen.

Exkurs II: Südossetien und Abchasien

In der Vorbereitung auf unsere Reise haben wir uns natürlich auch über politische und völkerrchtliche Dinge informiert. Dabei blieben Südossetien und die autonome Republik Abchasien im Verständnis der Gesamtlage immer etwas nebulös. Gerade in bezug auf die Kaukasus-Republik Süd-Ossetien waren wir von ethnischen oder religiösen Hintergründen, und allgemein geschichtich begründeten Souveränitätsbestrebungen ausgegangen.

Über Abchasien redet man hier nicht viel, denn die Geschichte ist blutig und wohl auch von ethnischen und nationalistischen Differenzen geprägt. Anders sieht das in Südossetien aus, wo es keine echte Regierung gibt, sondern die Staatsgewalt inkl. der Grenzkontrollen von russischem Militär ausgeübt wird. Fragt man die Georgier, dann sind die 50.000 Süd-Ossetier alles andere als freie Menschen und jeden Tag weitet der unbeliebte Nachbar Russland seinen Einfluss weiter aus und zwar aus rein wirtschaftlichen Interessen: Abchasien und Südossetien sind nicht militärstrategisch interessant sonden nur noch wirtschaftsgeografisch, denn wichtige Teile des Gastransports von Russland in den Westen läuft über diese Gebiete.

Ein Grenzübertritt ist nicht möglich, denn ein Stempel der süd-ossietischen oder abchasischen Verwaltung im Pass bedeutet gleichzeitig für Einreisende in Georgien, dass ein illegaler Grenzübertritt vorliegt, der im besten Fall mit einem Einreiseverbot geahndet wird. Touristen kommen beim Wandern schnell in diese Situation, denn die “Grenze” verläuft etwa 20 Kilometer neben der “Georgischen Heerstraße” und nahezu jedes Tal Richtung Westen endet irgendwann auf süd-ossietischem Gebiet.

Im öffentlichen Leben wird wenig über den Autonomiestatus der drei Republiken (auch die Region um Botumi ist autonom) geredet, allerdings ist überall und deutlich die Abneigung gegen den Nachbarstaat zu spüren, obwohl gerade im Kaukasus sehr viele russische Touristen für Umsatz sorgen.

Das eigentlich Problematische ist, dass Russland seinen Einflussbereich in Südossetien immer weiter ausdehnt, ohne dass die aktuelle Regierung sich mal zu einem weltweit zu hörenden “Halt” aufruft. Es gibt keinen zu berdenden “Status Quo”, weil die Ansprüche Russlands nicht definiert sind, sondern nach belieben ausgedehnt werden. “Wir verlieren jeden Tag ein paar Meter an die Russen und es ist nicht abzusehen, dass das aufhört”, dürfen wir einen Lokalpolitiker aus Tiflis zitieren. Wer befürchtet, mit seinem Land “geschluckt” zu werden, muss wegziehen oder seinen georgischen Pass gegen den russischen tauschen.

Um ehrlich zu sein: Wir haben noch nicht mit einem Russen über dieses Thema gesprochen und kennen die Geschichte nur von einer Seite. Daher wird dieser Artikel sicherlich nocht fortgesetzt.

Exkurs I: Das Paradies von Nika Vacheishvili

Wir sind mal wieder gestrandet – diesmal auf einer Trauminsel: Das Weingut von Nika Vacheishvili (51) nahe des Stalin-Geburtsortes Gori im Zentrum Georgiens erfüllt alle Aussteiger-Träume. Auf einem überschaubaren Berggrundstück im Atenuri-Tal mitten in einer über 1000-jährigen Weinbau-Tradition hat sich der gelernte Kulturhistoriker seinen persönlichen Traum vom Winzerleben erfüllt.

Mit einer Anbaufläche von 30.000 Quadratmetern könnte er einem deutschen Weinbauern allenfalls ein “Och ist das süß” entlocken, aber für georgische Verhältnisse ist das mehr als genug, denn um den Vertrieb muss er sich dank eines gut besuchten Gästehauses nicht kümmern und industrielles Wachstum ist nicht Nika Vacheishvilis Thema. Lieber baut und plant er sein Museum auf dem Nachbargrundstück.

Wer das Gästehaus besucht ist geneigt länger zu bleiben: Aus Angst vor dem abenteuerlichen Rückweg mit Schotter, spanferkelgroßen Schlaglöchern und Fluss-Überquerungen, aber hauptsächlich, weil man sich hier so unglaublich wohlfühlen kann.

Durch Mund-zu-Mund-Propaganda ist das Haus stets gut gefüllt und der Hausherr begrüßt seine vornehmlich deutschen Gäste fließend in deren Muttersprache. Die Küche ist ein georgischer Traum und die Unterkünfte stehen weit über landestypischem Gästehaus-Niveau. Das hat hier schon deutschen 3-Sterne-Charakter und die Liebenswürdigkeit der Gastgeber bügelt alle eventuellen Schwachstellen charmant aus. Wir haben uns während unserer ganzen Reise außer im Kloster bei Bobota (Rumänien) nirgendwo so herzlich umsorgt gefühlt wie hier im georgischen Niemandsland, gut 20 Kilometer unsagbar schlechter Wegstrecke vom nächsten Ort entfernt.

Das Abendessen kostet 80 Lira für 2 Personen, also etwa 12 Euro pro Kopf. Dabei kann man sich die Weinkarte des Hauses hoch und runter trinken – ohne Aufpreis…

Nika braucht keinen Vertrieb – was er produziert wird im Gasthaus getrunken – insgesamt rund 4000 Liter pro Jahr. Gekeltert werden die für die Region Atenuri historisch wichtigen Trauben Takveri (Rot) und Chinebuli (Weiß), wobei der Winzer neben Rot- und Weißwein auch einen feinen Rose aus weißen Trauben mit Maische aus roten Trauben fermentiert. Die Flaschen werden direkt abgefüllt. Nach alter Tradition müsste noch im Ton-Amphoren gelagert werden, aber der Aufwand wäre zu groß.

Das Geheimnis des Bodens ist dessen starker Magnetismus. Die Erde ist so “anziehend”, dass man sie mit einem Magneten aufnehmen kann.

Unsere absolute Top-Empfehlung für Georgien: www.atenuri.ge

14. Etappe – Georgien (14. September – 12. Oktober)

Exkurs I: Das Weingut Vacheishvili
Exkurs II: Abchasien und Süd-Ossetien
Exkurs III: Das Verhältnis Georgiens zu Russland
Exkurs IV: Der Waschlowani-Nationalpark

Wir sind etwa 650 Kilometer von der Georgischen Grenze, 900 Kilometer von Tiflis und etwa 1100 Kilometer von der russischen Grenze entfernt. Hier hätten wir in Wladikawkas das eigentliche Ziel unserer Reise erreicht.

Ich habe die Sorge um den abgebrochenen Außenspiegel und die kaputten Sicherheitsgurte jetzt in andere Hände gegeben, denn Improvisieren ist nicht die Stärke von Ford in Malatya. Es hätte nochmal 2 Wochen gedauert. Hier gibt es zum Glück unzählige kleine Schrauberwerkstätten, die sich über so einen Auftrag mächtig freuen. Auch um den zerrissenen Haltegurt für die Kabine kümmere ich mich selbst und werde auf dem Basar in Malatya fündig.

Unsere erste Begegnung mit dem kaukasischen Landvolk.

Dienstag, Mittwoch und Donnerstag haben wir an der Kabine herumgeschraubt. Da waren Schubladen-Schienen abgerissen, Türen verzogen und Klappen abgerissen. Der Kühlschrank war völlig verschimmelt. Gut, dass wir so nicht losgefahren sind und quasi gezwungen wurden, die Zeit zu nutzen.

Von wegen “Alpinisten sind Egoisten!” Auch im Kaukasus treffen wir fast ausschließlich auf nette Leute, die sogar ihr letztes Wasser mit unserem Hund teilen.

Dann endlich: Es ist Freitagmittag, das Auto ist fertig und wir starten. An der Grenze zu Georgien gibt es ein Schaulaufen von einem Grenzhäuschen ins andere, aber irgendwie alles höchst locker. Schon wenige Kilometer hinter der Grenze verwischen neue Eindrücke das gewohnte Türkei-Bild. Hier ist von einem Meter auf den anderen alles komplett anders – selbst die Hunde, vor allem die Landschaft. Wir fühlen uns aber sofort heimisch. Wir werden hier nicht auf den ersten Blick als Touristen erkannt, die Kinder laufen nicht hinter uns her und alles wirkt unerwartet europäisch. Die Georgier sind nicht unbedingt auf den ersten Blick sympathisch – eher wie die Sauerländer. Die Nacht verbringen wir auf dem Parkplatz eines russisch-orthodoxen Klosters und am nächsten Tag starten wir gut ausgeruht Richtung Tiflis.

Und was ist das denn für eine Stadt? Eine Million von 4 Millionen Georgiern wohnt in der Hauptstadt – und man kann das verstehen: Die Stadt hat ein wunderbares Flair, was uns spontan an Lubljana erinnert. Allerdings: Für Taxi, Essen, Simkarte und ein paar Kaffee lassen wir auch 40 Euro dort an einem Nachmittag. Von wegen “Das kost’ da fast gar nix…!”

Wir fahren zügig weiter, weil am Samstag unser Russlandvisum abläuft und wenn wir noch nach Wladikawkas wollen, müssen wir zügig über den Kaukasus. Auf der Strecke fragen wir einen Schäfer, ob wir auf seiner Wiese direkt am Fluss übernachten dürfen. Wir baden im eiskalten Fluss und freuen uns auf die nächsten Abenteuer.

Das Denkmal der “Georgisch-Russichen Freundschaft”

Mehr Bilder finden auf www.instagram.com/schmallenbergudo

Dann starten wir voller Erwartung unseren Tripp über die Georgische Heerstraße Richtung Wladikawkas. Unser Visa gilt noch für 3 Tage und wir wollen in Russland wenigstens einen Blick auf den Höchsten Berg Europas werfen.

Der historische Pass führt bis auf 2400 Meter und ermöglicht uns unvergleichliche Eindrücke. Das ist hier was ganz anderes als die Alpen – viel weiter, viel wuchtiger, irgendwie beeindruckender. Zwischendurch aufstrebende Skiorte, verwunschene Klöster, faszinierende „Lost Places“, Unmengen von Tieren auf der Fahrbahn und LKWs, die völlig angstfrei durch die Serpentinen gebügelt werden.

Am Denkmal für die georgisch-russische Freundschaft treffen wir einen Frau aus Hongkong, die von ihren Ängsten berichtet und ganz erstaunt ist, dass wir Deutsche wissen, was gerade in ihrer Heimat passiert.

Wir fahren durch bis Stepantzminda und nehmen nach einem tollen Frühstück mit Blick auf den 5000er Kashbek die Grenze in Angriff. Bis dahin wieder ein faszinierendes Niemandsland, in dem sich wirklich niemand für die Qualität von Straßen oder Tunnelanlagen verantwortlich fühlt.  Wir fahren in einen Tunnel und erschrecken uns mega, denn hier gibt es keinerlei Licht und die LKW donnern durch als wollten sie dem Sputnik hinterher ins All geschossen werden.

Dann die Grenze: der Georgische Zöllner checkt kurz die Papiere und winkt uns durch. Bei den Russen sieht das aber mal ganz anders aus. Erstmal Papierkram: Einreisedokumente ausfüllen, Passkontrolle. Der größte Wirbel wird um das Auto gemacht. Ich bekomme eine ordentliche Einführbestätigung mit ausgeklebtem Siegel. Die eigentliche Kontrolle des Wohnmobils läuft eher lasch. Trotzdem sind die Russen die ersten Grenzer, die wirklich in jede Schublade kucken.  Der Spaß dauert etwa 2 Stunden und ich frage mich, wie dort jemals dieser LKW-Stau abgefertigt werden soll? Auf dem Weg nach Wladikawkas passieren wir drei Kilometer lang einen wartenden LKW nach dem anderen.

Dann Wladikawkas: Was in manchen Reiseführern als verträumter Kletterer-Treffpunkt dargestellt wird, ist eine große moderne Stadt mit viel Hektik. Sylvia ringt dem Geldautomaten 1000 Rubel ab und ist megastolz bis wir ausrechnen, dass wir gerade 14 Euro gewechselt haben und damit nicht sehr weit kommen.

Uns wird schnell klar: Wir haben hier nur 2 Tage maximal, und in dieser Zeit werden wir uns auf diese völlig neue Kultur nicht einstellen können. Wir haben die gewünschten Stempel im Reisepass und beschließen, wieder nach Georgien zu fahren, wo wir auf Anhieb mit Land und Leuten warm geworden waren. Kurz vor der Grenze wird uns der bevorstehende Stress aber doch zu viel und wir biegen in einen Waldweg ab, um uns ein Nachtlager zu suchen. Der Ranger schraubt sich über eine Schotterpiste bis zu einem verlassenen Hotel und bei knapp über 2000 Meter finden wir einen Stellplatz mit einer nicht mehr zu toppenden Aussicht. Ich bin nicht ganz sicher, aber ich glaube, dass ich von hier aus alle bedeutenden 5000er des Kaukasus auf einen Blick sehen kann.

Sonnenaufgang über dem Kaukasus – Hier von unserem russischen Stellplatz aus.

Kurz nachdem wir uns eingerichtet haben steht Polizei vor der Tür und klopft. Der Mann checkt unsere Papiere, scannt die Visa mit dem Handy ab und versucht uns verständlich zu machen, dass wir hier nicht stehen dürfen. Irgendwie hat ihn mein enttäuschter Blick aber doch überzeugt. Er macht ein Zeichen, dass wir zum Schlafen stehen bleiben dürfen, aber danach sofort verschwinden sollten. Er gibt auch die Richtung vor, offensichtlich geht es andersrum zu einer Art „Grünen Grenze“. Ob die Autos, die hier die ganze Nacht durch unterwegs sind irgendwas schmuggeln wollen wir nicht wissen.

Am morgen fahren wir wieder über die Grenze und sind deutlich entspannter.

Zurück in Georgien geht es uns sofort besser.  Dieses Land hat etwas Lässiges und sehr Entspanntes an sich – irgendetwas zwischen der Türkei, wo man dir auch ungewollte die Wünsche von den Lippen abliest und Russland, wo zumindest auf den ersten Eindruck eine gewisse Distanziertheit herrscht. Es ist sehr europäisch hier, und mir wird wieder bewusst, wie sehr die Integration in einen Kulturkreis mit persönlichem Wohlbefinden zu tun hat. Wie sehr müssen die Flüchtlinge in Deutschland darunter leiden und wie lange dauert es, bis die Seele die neue Kultur als freundlich empfindet?

Hier ist so viel Platz….

Ich komme hier mit der Arbeit gut voran, da es selbst in den entlegensten Tälern einen Hügel gibt, auf dem ich meine E-Mails abrufen kann. Tagsüber sitzen wir oft lang in Cafes, die grundsätzlich freies WLan anbieten. Als nächstes steht eine Wanderung zum Kasbek-Gletscher auf dem Programm. Aber alles mit Muße. Was man sonst an einem Tag erledigt – Anfahrt, Wandern, Rückfahrt, dafür nehmen wir uns jetzt drei Tage Zeit und genießen die unglaublichen Details. Z.B. dieses tolle Käsebrot, das es in Georgien für einen Euro an jeder Ecke gibt: Das Weißbrot wird im Steinofen mit ganz viel Käse gefüllt knusprig gebacken.

Hier auf 3000 Meter tickt die Uhr anders und man kommt ans Nachdenken…

Wir stehen hier nur frei und das klappt auch ganz gut. Heute morgen sind wir in der Einöde wach geworden und ein Allrad-Taxi nach dem anderen fuhr vorbei. Wo die hinfahren muss es etwas zu sehen geben, dachten wir uns und richtig: Die Kolonne führte uns in das Bergdorf Jota, von wo aus wir eine tolle Wanderung bis auf 3000 Meter hinauf genießen durften. Die Kasbek-Tour läuft uns ja nicht davon. Selbst hier oben auf 2600 Meter habe ich mit meiner Sim-Karte perfektes Internet. Der Parkwächter nimmt uns 10 Lari ab, dafür dürfen wir hier auch übernachten – für 3 Euro.

Faszination Kaukasus…

Wir sind jetzt seit einer Woche im Kaukasus und die Zeit fliegt nur so dahin. Stefantsminda ist ein Bergdorf, in dem sich Kletterer und Wanderer aus allen Nationen auf engstem Raum begegnen und hier auf eine einheimische Bevölkerung treffen, die sehr selbstbewusst die unglaublichen Ressourcen dieser Traumlandschaft verwaltet. Das Leben ist nicht so günstig wie erwartet, aber dafür ist das auch ein absoluter Hotspot hier. Wir stehen für 5 Euro auf dem Parkplatz eines kleinen Hotels – wer eine saubere Toilette haben will muss selber putzen. Gestern habe ich auf der Suche nach Ladestrom für die Kabine die Stromversorgung eines ganzes Stadtviertels ausgeschaltet .

Der Gipfel des Kasbek gibt sich wolkenverhangen…

Der 5000 Meter hohe Kasbek ist ein “Musthave” für jeden Georgien-Reisenden. Wir fahren hoch zum Kloster und starten eine wunderschöne Tour zur Berghütte auf 3300 Meter, nur einen Steinwurf vom mächtigen Gletscher entfernt.

Die Infrastruktur baut sich gerade erst auf – um über diesen Bach zu kommen mussten wir große Sätze hinlegen.

Wir sind jetzt eine Woche in Georgien und müssen am 29. in Tiflis am Flughafen Sylvias Freundin abholen.

Der Abschied vom Kaukasus wird uns schwer fallen. Selten hat uns eine Region so tief beeindruckt wie dieses Gebirge

Wir fahren die Georgische Heerstrasse zurück nach Tiflis und biegen auf die gut ausgebaute Autobahn Richtung Gori ab. Im Geburtsort von Stalin finden wir mit einer Mühe den Weg zu Nika Vacheishvilis Weingut. Die Straße führt durch Schlaglöcher und über Schotter und wir passieren ein Dörfchen nach dem anderen. Am Ende müsst ihr durch einen Fluß – soweit die Wegbeschreibung.

Die Anfahrt sollte sich lohnen, denn der Georgische Winzer hat sich hier ein echtes Juwel geschaffen. Wir entscheiden spontan, hier ein paar Tage Urlaub zu machen bei fantastischem Essen und einem echt guten Rotwein. Hier mehr dazu erfahren: Exkurs I

Nika und Diana Vacheishvili haben sich im Atenuri-Tal einen Lebenstraum erfüllt.

Nika Vacheishvili ist ehemaliger Kultusminister Georgiens und noch heute Professor für Kultur. Wir stehen mittlerweile ein paar Tage im Atenuri-Tal und sind vollkommen von der Magie dieses Ortes erfasst. Hier ist das Leben absolut entschleunigt, ohne dass man den Kontakt zum Aussen verliert – jeden Abend kommen neue Gäste und man sitzt beim Abendessen oder Frühstück mit immer neuen netten und interessanten Leuten beisammen.

Die Weinstöcke sind hängen übervoll, sollen aber noch 14 Tage Sonne bekommen. Nika hält sich an die über 1000-jährige Weinbautradition dieser Region.

Wir sind seit fast einer Woche auf dem Weingut Vacheishvilli und kommen das erste Mal in unserer Reisezeit wirklich “runter”. Es bleibt einem nichts anderes übrig, als sich auf den Rhythmus der Leute hier und ihres Alltags einzustellen. Ich liege hier zwei drei Stunden in der Hängematte, höre Bob Dylan und spüre, dass man keine Pläne, geregelte Tagesabläufe etc. braucht, wenn man innerhab eines kulturellen Systems, in dem man nicht als Tourist bewertet wird, gutes Essen, einen Platz zum Schlafen und Muße zum Nichtstun hat.

Aber auch hier ist nicht das Paradies: Ich habe viel Gelegenheit, mit Georgiern über Europa und ihre Angst vor dem Nachbarn im Norden zu sprechen.

Siehe auch Exkurs II – Abchasien und Süd-Ossetien

Die Georgischen Straßenhunde sind sehr zutraulich und ganz selten aggressiv – aber auch wenn sich viele Georgier kümmern: Das Tierleid hier ist vielfach schwer zu ertragen.

Nach sechs Tagen auf dem Weingut sind wir extrem entschleunigt, aber mein Magen hat viel Wein noch nie vertragen und ich bin ganz froh, wieder los zu können. Wir verabschieden uns von Nika und Diana, die uns zu echten Freunden geworden sind und machen uns auf den Weg nach Gori, wo wir das Gedächtnis-Monument für den 2008er-Krieg und das Stalinmuseum besuchen.

In Gori leistet sich die Stadt die Erinnerung an einen berühmten Sohn: Stalin wird hier aber dankenswerterweise nicht gefeiert, sondern allenfalls nüchtern aber unkritisch dokumentiert.

Während mich die bronzenen Kriegerstatuen tief beeindrucken, wird mir das monumentale Stalin-Museum nur als muffige Ansammlung alter Teppiche und schlecht fotokopierter Fotos und Dokumente in Erinnerung bleiben.

Aus dem Krieg kehrt niemand unverseht zurück – das ist wohl die Aussage dieser beeindruckenden Erinnerung an den Abchasien-Krieg 2008.

Wir übernachten auf dem Flughafen von Tbilisi, den wir ohne Navi erst nach vielfacher Querung der georgischen Hauptstadt erreichen – mit den Nerven ziemlich am Ende. Autofahren in Georgien hat nichts von der munteren Lässigkeit, mit der die Türken unterwegs sind. Autofahren in Georgien ist Kampf, Streit und Auseinandersetzung, das macht keinen Spaß, vor allem nicht mit einem 3,5 Tonnen-Wohnmobil.

Der Flughafen verkörpert vieles von dem, für was Tiflis steht: Es ist ein Knotenpunkt zwischen Balkan, Russland, Türkei und Asien – und so wirkt das internationale Menschengewirr hier auch. Sylvias Freundin kommt nach Zwischenstopp in Istanbul pünktlich an und unser georgischer Freund Levan bringt uns in Zentrum, nachdem wir unser Wohnmobil am Rand der Millionenmetropole abgestellt haben. In Tiflis finden wir uns in einer wunderschönen Altbauwohnung (AirBNB) wieder, in der man Fußball spielen könnte, so groß ist sie. Die Damen schlafen und ich bringe mal wieder den Blog und Instagram aus Stand. Die nächsten 5 Tage steht “Tiflis” auf dem Programm.

Minarett der Juma-Moschee

Man braucht schn eine gute Woche, um Tiflis einigermaßen zu erfahren. Was hier fasziniert ist der teilweise erstaunlich gute Zustand der alten und teils unsanierten Bausubstanz, aber auch die Qualität der modernen Bauwerke. Dazwischen herrlich viel bunter und echt multikulturelles Leben.

Viel Aufwand für eine Fußgängerbrücke: Die Friedensbrücke.
Das Schauspielhaus mit dem Regierungsgebäude im Hintergrund.
In Georgien spielt Musik eine eine große Rolle – dieses Piano wird in einer Kneipenmeile den ganzen Tag von irgendwelchen Leuten bespielt.
Viele dieser Häuser sind liebevoll als AIRbnb-Appartements oder Hostels hergerichtet.
Vegetarische Küche in einem traum aus Stuck und Licht.

Schönen Gruß von Harry Potter…

Wir besuchen Marienfeld – etwa 20 Kilometer östlich von Tiflis – und finden wirklich noch “Deutsche Häuser”. Marienfeld – 1814 von Siedlern aus Württemberg gergündet, ist die älteste deutsche Siedlung in Georgien und es grenzt an ein Wunder, dass einige der in einem typischen deutschen Kleinbauern-Stil gebauten Häuser wirklich noch in der ursprünglichen Form stehen, obwohl die letzten Deutschen hier von Stalin direkt nach Ausbruch des ersten Weltkrieges nach Sibirien deportiert wurden.

Die alte Dame hat den großen vaterländischen Krieg, die Gräueltatet Stalins und die Selbständigkeit Georgiens erlebt – und auch die letzten Deutschen noch kennengelernt.

Die heutigen Besitzer haben weder das Geld noch das Interesse an der Erhaltung der Bausubstanz und leben dort einfach nur – gut isoliert hinter dicken Steinmauern. Wir dürfen ein “Deutsches Haus” besichtigen und sofort wird Kaffee und Kuchen aufgetischt. In einem tiefen Kellergewölbe bekommen wir eine private Weinprobe und wir betrachten ehrfürchtig die in den Putz gekratzten Notizen der ersten Deutschen in Georgien.

Spannende Sache: Private Weinprobe. Auch unser Guide Levan (links) staunt.
Wie vor 200 Jahren – ein “Deutsches Haus” in Marienfeld.

Uns wird zum ersten Mal bewusst, wie arm die Leute hier auf dem Land sind – aber auch wie ausgeglichen, zufrieden und gastfreundlich. Von Instagram oder Facebook hat hier kaum einer was gehört.

Stets werden wir mit großer Neugierund sehr offenherzig empfangen.
Mit dem Buggy durch Signagi – die engen Gassen sind mit dem Auto nicht zu befahren.

Zuvor hatten wir Signagi besucht und die alte Stadt mit ihren verwinkelten Gassen mit einem Gelände-Buggy erkundet.

Eine wunderschöne Stadt: Signagi gilt als “Love-City” als erste Adresse für Georgische Flitterwöchner.

Die Gastfreundschaft der Georgier wird nur noch durch ihre Tierliebe übertroffen.

Kakheti ist die traditionsreichste Weinbauregion Georgiens und der Weinbau ist hier auf auf die handwerklichen Fertigkeiten der ersten Deutschen zurückzuführen. In jedem Bauernhaushalt werden ein paar hundert Liter Wein produziert – daneben hat sich eine echte Weinbau-Industrie entwickelt, die Georgischen Wein auch exportiert. Die Region konnten wir derart intensiv nur mit Hilfe unseres einheimischen Guides erkunden.

Man könnte Tage durch Tiflis streichen und hätte immer noch nicht alles gesehen. Heute haben wir die Hundelady kennengelernt. Die Dame bettelt um Futter für ihre 5 Welpen und zahllosen Katzen, die rund um Ihren Schlafplatz streichen.

Wir fahren mit unserem unglaublichen Taxi-Guide Levan herum und besichten zwei beeindruckende Kirchen: Die eine neu und von einem Olligarchen vor 8 Jahren finanziert, die andere 600 Jahre alt und voller Geschichte.

Holy Trinity – vor 14 Jahren für unvorstellbares Geld auf der Grünen Wiese gebaut – heute religiöser Mittelpunkt Georgiens-.
Mzcheta – Die Klosteranlage ist extrem geschichtsträchtig und gerade innen fast vollständig unrestauriert.

Wir haben um drei Tage verlängert und sind in ein neues AIRbnb gezogen. Wir zahlen 16 Euro pro Nacht, müssen allerdings auch deutlich weiter laufen bis ins Zentrum.

Unser neues AIRbnb – diesmal nur ein Raum aber alles sehr praktisch und sauber. Für 16 Euro die Nacht.

Der nächste faszinierende Tiflis-Tag führt mich ins Nationalmuseum. Ich hatte vergeblich versucht, aus den gegoogelten Wikipedia-Bruchstücken ein funktionierendes Verständnis für die jüngerer georgische Geschiche zusammenzubasteln – leider vergeblich. Im Museum finde ich endlich den Faden, den nicht nur Stalin blutrot gefärbt hat.

Exkurs III: Das Verhältnis Georgiens zu Russland

Gefängnistüren, Exekutionsbefehle, Totenlisten, geheime Protokolle. Die Abteilung “Geschichte Georgiens von 1908 bis heute” ist unglaublich eindrucksvoll. Hoffentlich kann die Volksseele das alles irgendwann verarbeiten und Frieden mit Russland finden.

Sylvia war derweil im Schwefelbad und ist hin und weg: Hier treffen sich die Damen des Viertels zum gemeinsamen Baden und ausgiebiger Körperpflege. Tiflis ist auf heißen Schwefelquellen gebaut und das gemeinsame Bad hat hier Tradition.

So langsam ist auch gut mit Tiflis und wir tauschen das schöne Zimmerchen wieder gegen das Wohnmobil. Auf dem Weg zu einer Wüstenlandschaft im Süd-Osten des Landes müssen wir uns im Besucherzentrum registrieren und dann bei der Grenzpolizei eine Erlaubnis zum Betreten des Nationalparks an der azerbeidschanischen Grenze einholen.

Danach geht es 70 Kilometer über eine der schlimmsten Straßen die wir bislang gefahren sind. Irgendwann erwischen wir die falsche Piste und müssen uns in einem kleinen Dorf durchfragen. Aus einer feuchtfröhlichen Männerrunde steht einer auf und bietet sich als Führer an. Allein hätten wir das niemals gefunden. Englisch funktioniert hier übrigens überhaupt nicht mehr. Am Ende ist es auch dunkel und wir sehen gar nichts mehr. Internet für’s Navi ist auch aus. Wir machen Halt für die Nacht und erleben einen gigantischen Sonnenaufgang

Die drei Hirten wünschen uns einen guten Tag!
Echts Straßen gibt es hier nicht mehr.

Straßen gibt es hier nicht mehr, nur noch Pisten, die mir aber lieber sind als diese Schlagloch-Abenteuer.

Im Hintergrund der kleine Kaukasus und vor uns die Steppe.

Adler und Gänsegeier haben wir leider nicht gesehen. sehen. Wir haben eine Aufenthaltserlaubnis für 3 Tage, offiziell abgestempelt von der Border-Police. Man hat zwar keinen Stress mit den Nachbarn im Süden, trotzdem wird die Grüne Grenze im Rahmen der Möglichkeiten überwacht und kontrolliert. Drei Tage reichen auch – man kann den Staub nicht viel länger ertragen.

Hey Allemann – Kurdish Cigarettes? Im Nationalpark werden wir herzlich begrüßt – wie überall in Georgien.

Drei Tage Vaschlawi-Nationalpark – was für ein Erlebnis. Wir fahren rund 100 Kilometer im Schrittempo durch ausgetrocknete Bachläufe, trockene Steppe und malerische Schluchten. Hier ist es tagsüber immer noch um die 28 Grad und das Trinkwasser wird in Kanistern zu den Rangerstationen transportiert.

Die Piste schlängelt sich durch malerische Schluchten bis zur Grenze nach Azerbeidschan.

Die versprochene Artenvielfalt bekommen wir leider nicht zu Gesicht, aber diese massive Einsamkeit an einem der verlassensten Orte, an denen wir bislang waren, ist ein echtes Erlebnis, das lange nachhallen wird.

Wie im Wilden Westen – und die Schilder lassen keine Zweifel, welche Art von Fahrzeugen hier fahren sollten.

Wir kommen mit unserem Auto an unsere Grenzen, zumindest die steilen Abfahrten hinunter in die trockenen Flussläufe sind abenteuerlich, aber der Ranger macht das alles tapfer mit.

Mit einem normalen PKW ist das hier nicht zu machen.

Exkurs IV – Schicksalsfragen

Was will mir das Schicksal eigentlich sagen? Fahr nach Hause? Bleib noch ein paar Tage in Malatya? Sieh zu, dass du nach Georgien kommst?

Ich weiß es echt nicht – aber bislang hat es mich gut beraten. Nach unserem Unfall sind so wunderbare Dinge passieren, die mein Leben für immer ändern werden. Aber aktuell lässt es mich ratlos zurück.

Wir vertrauten der Nachricht “Das Auto ist zu 90 % fertig” und sind von Sanliurfa nach Malatya zurückgefahren. Der Werkstattleiter kommt mit “Daumen hoch” und breit grinsend auf mich zu. Neben mir das Auto – zugegeben auf allen vier Rädern, aber immer noch eine große Baustelle ohne Kotflügel und herabbaumelnden Spiegel.

Es geht hektisch und her und irgendwie begreift er dann doch, dass ich mit dem Ergebnis seiner 6-wöchigen Reparatur nicht so ganz zufrieden bin, was ihm dann endlich dieses Grinsen aus dem Gesicht fegt.

Der Chef kommt und wird kalkweiß. Ich weiß inzwischen, was passiert ist. Bei der Auftragsvergabe hatte ich formuliert, dass nur die notwendigsten Sachen erledigt werden sollten, damit ich die Reise fortsetzen kann. Spiegel, Kotflügel und funktionierende Sicherheitsgurte waren da nach Meinung des Werkstattleiters nicht eingeschlossen.

Die fehlenden Teile brauchen jetzt noch einmal 3 bis 4 Tage. Bislang ist immer etwas wunderbares auf solche Hiobsbotschaften gefolgt. Wird das so weitergehen oder schreit das Schicksal mir “Letzte Warnung” hinterher? Ich weiß es nicht und was mir sehr viel Freude bereitet: Es ist mir inzwischen egal – ich mache mir keinen Kopf mehr über sowas, denn der Erlebniswert unserer Reise könnte bis hierher nicht größer gewesen sein und ich kann sowieso an nichts etwas ändern. Ich kann es nicht zum Guten wenden, ich kann aber auch das Schlechte nicht verhindern.

Ob das Werkstattgebaren jetzt typisch für die Türkei ist oder ob es einen Schuldigen gibt – das ist alles völlig egal. Es ist wie es ist – Inshallah wie der Türke sagt und damit meint er nicht den klerikalen Wunsch nach einer Fügung durch Gott, sondern dass es kommt wie’s kommt.

Wenn Türken sich für andere freuen, dann entlockt es ihnen ein fröhliches “Mashallah”, z.B. wenn sie erfahren, dass du der Vater vieler Söhne bist. Dieses “Mashalah” steht für einen echten und völlig frei von negativen Gedanken geäußerten Respekt. Ich hoffe, dass ich mir ein “Mashallah” verdiene, egal, wohin die Reise geht und wo sie endet…

Türkische Gastfreundschaft

Wir sind hier in Ost-Anatolien in einer Gegend gelandet, in der traditionelle Werte mit einer extremen Hartnäckigkeit gepflegt und auch verteidigt werden. Dies gilt insbesondere für das Verhältnis der Geschlechter. Hier essen die Männer getrennt von den Frauen, Kindererziehung ist reine Frauensache und das Patriarchat funktioniert noch wie vor 500 Jahren. Die Vorherrschaft des Mannes, insbesondere des Vaters und des ältesten Sohnes ist nicht diskutierbar und auch jüngere und gebildete Frauen unterwerfen sich diesem System – wenn auch vielfach in stillem Widerstand.

Letzten Endes entscheiden und bestimmen tut der Vater oder nach dessen Tod der älteste Sohn. Ich habe das Gefühl, dass viele Frauen das auch nicht in Frage stellen und sich sehr bewusst in diese Rolle fügen.

Natürlich ist die “Türkische Gastfreundschaft” ein besonders lebendiger Teil türkischer Tradition. Einladungen zu Tee und Kaffee gibt es nahezu bei jedem Kontakt mit allen Teilen der Bevölkerung. Spätestens nach 5 Minuten wird eine Einladung zum Essen ausgesprochen. Wir haben aber auch erlebt, dass eine solche Einladung dann auch mal vergessen wird und man wie bestellt und nicht abgeholt rumsteht und niemand kümmert sich um einen.

Es gilt als extrem unfreundlich, eine Einladung nicht auszusprechen – sie nicht zu erfüllen ist dann nicht ganz so tragisch.

Wir haben nirgendwo auf unserer Reise mehr Gastfreundschaft erleben dürfen wie in der Türkei – das ist unbestritten und dafür gilt dem ganzen Land unser herzlicher Dank.

Manchmal frage ich mich, warum das bei uns so ausgestorben ist. Ich glaube wirklich, dass ein realistisches Maß an Gastfreundschaft auch ein Evolutionsmerkmal ist und ein Zuviel an Gastfreundschaft irgendwann persönliche und auch gesellschaftlich relevante Probleme produziert, weil aus Aktion und reaktion zu oft zu unterschiedliche Dinge herausgelesen werden. Allerdings dürfte ein Zuwenig an Gastfreundschaft noch viel schlimmere Folgen haben…

König Antiochos I Teos und der Nemrut – Der Gottkönig im Berg –

König Antiochos I Teos (69 – 34 vor Christus) war ein besonderer König – er war reich und er hat es geschafft, sich in der Fülle von Herrschern im damals noch größtenteils hellenistisch geprägten Anatolien einen Sonderstatus zu erarbeiten und im Gedächtnis der Welt über die Zeit zu retten.

Heute ruht der König auf 2150 Metern- wahrscheinlich auf ewig – im Mount Nemrut in der Nähe der Provinzhauptstadt Adyaman. Bis heute ist es keinem Forscherteam gelungen, den Eingang zur Grabanlage zu finden und so wie es aussieht werden dazu auch keine Initiativen mehr ergriffen. Grund dafür: Um an die Grabkammer zu gelangen, müsste der komplett von Menschenhand aufgeschüttete Gipfel wieder abgetragen werden. Dies wäre nicht zu finanzieren und würde auch die zum UNESCO-Weltkulturerbe ernannte Kultstätte zu 100 % zerstören.

Ein Blick von der Ostterrasse auf den aufgeschütteten Berggipfel.

Die Architekten des Königs haben ganze Arbeit geleistet und ihren Auftrag erfüllt: Niemand wird die Ruhe des Königs stören – auch wenn Archäologen sich mit teils unorthodoxen Mitteln Zugang zu verschaffen suchten. So setzte die als “Queen of the Mountain” in die Geschichtsbücher eingegangene Nemrut-Pionierin Theresa Goell sogar Dynamit ein, um den Zugang freizubomben – vergeblich: Der massive Sprengstoffeinsatz hinterlies nur eine kaum sichtbare Mulde im monumentalen und weithin sichtbaren Geröll-Haufen.

Zur Geschichte des Königreiches Kommagene

Das Reich der Kommagene war in der Zeit um Christi Geburt ein Puffer zwischen den damaligen Weltmächten. Antiochos I verwies auf einen Stammbaum, der sich angeblich mütterlicherseits bis zu Alexander dem Großen zurückverfolgen ließ, väterlicherseits bis zu Darius I, dem legendären Großkönig der Perser. Allerdings: Antiochos schrieb sich seine eigene Geschichte: Alexander der Große hatte keine Kinder…

Antiochos war offensichtlich ein guter Geschäftsmann, der zum einen zwischen den Mächten vermitteln und zum anderen in Krisenzeiten Ausweichrouten für die Händler auf der Seidenstraße anbieten konnte.

Die reale Geschichte des Antiochos I ist überliefert und spannend: Als Antiochos den Thron bestieg war Kommagene das einzige im Osten des römischen Reiches noch nicht unterworfene Volk. An Antiochos Hauptstadt Samosata bissen die Römer sich die Zähne aus.

Antiochus bewies Verhandlungsgeschick und der römische Konsul Lucullus zog seine Truppen ab. Politisch geschickt agierend verheiratete Antiochus eine Tochter mit dem damaligen Perserkönig, der sich nach einem Sieg über die Römer deren Provinz Syria einverleibt hatte.

Für kurze Zeit herrschte Frieden, aber 38 vor Christus gelang Marcus Antonius der entscheidende Sieg über die Perser. Antiochos blieb zwar neutral und konnte sein Königreich bewahren, er machte sich allerdings mit der Aufnahme vieler Flüchtlinge keine Freunde in Rom. Man wurde sich nicht einig und abermals rannten die Römer gegen Antiochos Hauptstadt an – wiederum vergeblich.

Antiochos starb jung und sein Sohn – Mitradates II – konnte das erfolgreiche Abwehren der Römer nicht fortsetzen. Kommagene wurde Teil der römischen Provinz Syria.

Dem historischen Samasota machten übrigens die Türken selbst den Garaus: Die Stadt versank in den Fluten des Atatürk-Staudamms.

Wer die Anlage heute besucht kommt sofort ins Grübeln, z.B. darüber, wo sich der Eingang zur Grabkammer befinden könnte und auch darüber, wie der Berggipfel wohl ausgesehen hat, bevor Antiochos I den Nemrut zu einer Kultstätte machte. Wahrscheinlich war der ursprüngliche Berggipfel gar nicht der höchste Gipfel der Region. Allerdings hatte er das Potential, mit ein paar Nachbesserungen zu einem weithin sichtbaren Monument zu werden.

Ich unterstütze die Theorie, dass auf dem ursprünglichen Gipfel des Nemrut eine Grabkammer in den Berg gebohrt wurde. Anschließend wurde der 50 Meter hohe Gipfel künstlich aufgeschüttet – entweder mit bereits”bewohnter” Grabkammer oder mit einem Zugang, der nach der Beisetzung zerstört wurde oder durch das Gewicht des Berges kalkuliert zusammenbrach.

Durch diese geniale Technik ist die Grabstelle – wahrscheinlich – auf ewige Zeiten vor Grabräubern und Archäologen geschützt. Um an die letzte Tür zu gelangen, die Zugang zur Grabkammer des Antiochos I gewährt, müsste der gesamte Berg abgetragen werden und das ist schlichtweg unmöglich.

Archäologisch ist auch ohne Öffnung der Grabkammer noch einiges zu tun. Errosion und kletternde Touristen setzen der Anlage sehr zu und ohne aufwändigste Restaurationen wird die Anlage – bis auf die Bergspitze – Stück für Stück verfallen.

Ein gutes Beispiel ist das so genannte Löwen-Horoskop. Es handelt sich dabei um ein Relief, das genaue Daten zum Geburtstag des Antiochos liefert. Nach der Entdeckung der Tafel war man hoch erfreut über den tollen Zustand – es hatte tausende von Jahren auf dem Kopf gelegen. Allerdings setzten die kommenden 50 Jahre dem Relief derart zu, dass es so gut wie zerstört ist.

Es gibt zwar noch einen hervorragenden und rekonstruierbaren Abdruck des vollständigen Reliefs – dies ist aber dann nicht das Original, sondern nur eine Kopie.

Hier mehr über interessante Ausgrabungsstätten in der Umgebung des Mt. Nemrud erfahen: www.vertellervanhetoude.nl


Autofahren in Albanien

Autofahren in Albanien ist ein echtes Abenteuer. Zum einen entpuppen sich offizielle Durchgangsstraßen als Schotterpisten, zum andern gibt es außer den Tempolimits wohl kaum irgendeine Regel, an die sich die Albaner halten. Dabei geht es nicht immer nur dem Gesetz der Stärke. Man darf sich halt nicht unterkriegen lassen.

Wer einen Engpass sieht und nicht versucht, schnell noch durchzukommen, der steht da die nächsten drei Stunden, oder bis die Leute hinter einem aussteigen und die Situation auf die ein oder andere Art und Weise klären. “Mutig sein” hilft hier ungemein und wenn die Gegenseite erkennt, dass es kein Durchkommen gibt, dann bleiben die irgendwann stehen oder setzen notfalls auch mal zurück.

Schlaglöcher gibt’s hier ohne jede Vorankündigung, oft so groß, dass eine Ziege drin verschwinden könnte. Werden sie zu groß, dann wird einfach ein Reifen reingelegt.

Hupen gehört zu guten Ton und niemand, der einen anhupt hat etwas Böses im Sinn. Es soll wohl nur ermuntern, endlich das Träumen sein zu lassen und zügig weiterzufahren.

Mein Liebstes: Hier sind alle Kreisverkehre mindestens zweispurig. Wer also nicht sofort wieder rausfährt dreht sich in den Innenkreis. Vorfahrt hat dabei, wer die Nase vorn hat. Und das klappt.

Und dann die Autobahn: Die unterscheidet sich von anderen Straßen nur dadurch, dass man hier schneller fahren darf. Hier gibt es sogar Kreisverkehre, manchmal mit einer angebundenen Kuh drauf – keine Ahnung wie die da hinkommen konnte. Hier sind vom Eselskarren bis hin zum selbstgebauten Mofa-Transporter die unmöglichsten Gefährte unterwegs – und Fußgänger, z.B. wenn der Schulbus am Rand anhält.

In all diesem Chaos habe ich aber nicht das Gefühl, dass das Fahren hier wirklich gefährlich ist, weil hier jeder immer auf alles gefasst ist und sich auch nicht aufregt.

Das ist eine selbst in groberen Kartenwerken eingetragene Straße.