6. Etappe – Durch Siebenbürgen (21 – 23. April)

Wir verabschieden uns von Vater Mina und den Klosterleuten und fahren im Convoy mit Suzanna nach Cluj, wo Michaela schon auf uns wartet. Man sagt, Siebenbürgen würde von den 7 Städten abgeleitet, die von den “Sachsen” im 13. Jahrundert angelegt wurde. Klausenburg und Hermannstadt sind die bekanntesten. Auf dem Weg nach Klausenburg inspiziert Suzannas Mann noch einen Zuchthengst im Auftrag eines Freundes. Hier gibt es auch ein grad mal 12 Stunden altes Fohlen.

Die Unterbringung der Tiere ist etwas gewöhnungsbedürftig, aber ich möchte den Leuten hier auch nicht absprechen, einen guten Draht zu ihren Tieren zu haben. Es ist halt alles etwas anders hier. Man merkt das auch im Verhältnis der Rumänen zu ihren Hunden. Hier ist längst nicht jeder Hund an der Kette, aber immer noch zu viele. Ein Hund ist hier aber auch kein Kuscheltier oder jemand, mit dem man spazieren geht. Man muss hier einfach aufhören, vorschnell Urteile zu sprechen.

Gerade auf dem Land leben viele Hunde an der Kette.
Zuchthengst, ausgebildet für die Kutsche und als Arbeitspferd – Der stramme Bursche soll in Cluj Hochzeitskutschen ziehen.

Ein paar Kilometer weiter bilden unterschiedlichste Menschen eine Schlange vor einem öffentlichen Brunnen. “Hier gibt es das beste Wasser” klärt uns Suzanna auf und wir stellen uns ebenfalls mit unseren Kanistern an.

Das hat hier nichts mit Armut zu tun – hier gibt es halt gutes Wasser.

Abends essen wir vegetarisch in einem tod-schicken In-Restaurant in Rumäniens zweitgrößter Stadt – was für ein Kontrastprogramm zur Klosterküche unter freiem Himmel. Das Essen mit Getränken und Desserts für 5 Personen kostet knapp 50 Euro.

Wir übernachten in Michaelas Wohnung und starten am nächsten Morgen zum Sightseeing nach Cluj. Klausenburg – so die deutsche Bezeichnung – ist die zweitgrößte Stadt Rumäniens und in direkter Konkurrenz zur Hauptstadt. Unser Eindruck: Eine ganz normale Stadt mit attraktivem Kulturprogamm, schöner Einkaufsstraße, Restaurants, Uni und sogar einem eigenen Opernhaus. So eine Stadt hätte man hier nicht erwartet, aber Rumänien überrascht uns eh an allen Ecken und Kanten.

Künstler aus der rumänischen Moldau sind bekannt für ihre Ostereimalereien

In der Boutique von Suzanna und ihrem Mann staunen wir über die Geschäftstüchtigkeit der Rumänen. Auch diese Seite gibt es.

Michaela will uns gar nicht gehen lassen, aber wir wollen weiter. Es kommt mir vor, als tausche ich ein altes System gegen ein neues, würden wir hierbleiben. Ich habe NIEMALS in so kurzer Zeit so viele wertvolle Menschen kennengelernt. Z.B. den Vater eines Priesters aus Klausenburg, der mit 95 Jahren zu Fuß auf dem Weg zum Kloster war und nur mit Michaelas Überredungskünsten zum Einsteigen ins Auto aufzufordern war. Er hätte sonst für die 2 Kilometer 2 Tage gebraucht. Aber er hätte es geschafft.

95 Jahre alt und fest im Glauben verwurzelt.

Wir fahren nach Turda und parken vor der weltberühmten Saline, die wir am nächsten morgen besichtigen. Unglaublich, was Menschen Hand vermag. Der Salzabbau schuf Fußballfeldgroße Hallen. Wir tauchen über knapp 600 Stufen in die Tiefe hinab.

Sehr beeindruckend: Die Saline von Turda.

Am Nachmittag besichtigen wir die Altstadt von Schässburg. Der evangelische Friedhof gibt Zeugnis über die deutsche Kultur, die diesen Ort maßgeblich prägte. Aber man bekommt den Eindruck, als gäbe es aktuell eine Zäsur und dass sich das Deutsche hier und aus ganz Siebenbürgen zurückzieht unwiederbringlich.

Ein Teil der alten Wehranlage von Schässburg.

In Hermannstadt angekommen haben wir das erste von mehreren Sehnsuchtszielen erreicht. Hier werden wir ein paar Tage bleiben, bevor es in die Bergwelt der Karparten geht.

Kilometerstand: 2400
Ausgegeben: 1100 Euro (50 Euro Tag alles inklusive)


2 Gedanken zu „6. Etappe – Durch Siebenbürgen (21 – 23. April)“

    1. Hi Radu, it was a great pleasure and honour to meet you. You’re doing a great job! I’m shure that we will come together again – sometime, somewhere…

      All the best

      Udo & Sylvia

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