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Hotel-Empfehlung Griechenland

Wer Griechenland aus der Einwohnerperspektive erleben will, dem empfehlen wir das kleine, aber ungemein stylische Hotel Amymone in Nafplio. Wir hatten ein Zimmer mit Ausgang direkt auf eine der lebhaften Gassen, in denen sich die gemütlichen Tavernen aneinanderreihen. Zu absolut korrekten Preisen gibt es hier einen unschlagbaren Service und ein tolles griechisches Frühstück.

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Amymone-Instagram

12. Etappe – Griechenland (1. Juni – 5. Juli 2019)

Update 28. Juni: Alles geht wieder!

Wir starten unsere Griechenlandetappe mit der Fahrt vom albanischen Gjirokaster nach Meteora in Thessalien. Wir passieren Lazarat und ich überlege, warum die Hochburg der albanischen Mafia ausgerechnet 10 Kilometer vom Geburtsort des Diktators Hodscha zu finden ist. Ein junger Mann, den ich darauf anspreche, erklärt mir, dass die alten Kader noch immer in den Führungspositionen sitzen und wenn sie zu alt werden, rücken die Söhne nach. Er erklärt mir den Fatalismus der Albaner: “Wenn die Politiker korrupt sind, dann zahlen wir eben keine Steuern!” Nur 50 % von EU-Ländern kommen auf den Baustellen an, der Rest versickert in den Behörden. Bei uns versickert das in Planungsbüros, bei Gutachtern und in Ausschüssen, der Unterschied ist die Legalisierung dieses Mittel-Abflusses.

Gespannt, wie das in Griechenland sein wird, überqueren wir die Grenze Richtung Thessalien. Der Kulturschock kommt mit wuchtiger Faust. Wir hatten uns an Mazedonien und Albanien gewöhnt, deshalb wird uns der Unterschied zu einer EU-Volkswirtschaft nun sehr deutlich vor Augen geführt. Die Straßen sind in einem Top-Zustand, die Tankstellen sehen aus wie Supermärkte und niemand steht herum, um für 5 Euro Erlös 10 Stunden lang Kirschen zu verkaufen…

Wir erreichen Meteora und staunen über die mächtigen Monolithen, die wie von einem anderen Stern anmuten. Es ist bemerkenswert, mit wie viel Engagement die noch verbliebenen 6 Klöster gepflegt werden. Andererseits: Es lohnt sich auch, denn ein nicht enden wollender Strom von Reisebussen quält sich die engen Straßen hinauf.

In den Klöstern selbst ist es verhältnismäßig ruhig, was daran liegen mag, dass die steilen Aufstiege schon ein gewissen Maß an Fitness verlangen, was die meisten Busreisenden nicht mehr aufbringen. Am Wegesrand wieder allerhand Getier – Schlangen, Eidechsen, Schildkröten – und nervige Hunde, die hier angriffslustiger sind als auf dem Balkan.

Vier der insgesamt 6 Klöster auf einem Blick – Im Zentrum das namensgebende “Meteora”

Camping Vrachos ist typisches Industrie-Camping, wie man es oft an bedeutenden Sehenswürdigkeiten antrifft. Sehr sympathisch finde ich die öffentliche Küche und die vielen überdachten Ess-Plätze. Solche Dinge werden gern von den oft sehr spartanisch ausgerüsteten Kletterern genutzt.

Die unglaublich Detail reichen Wandmalereien erzählen nicht nur Bibelgeschichten, sie dokumentieren auch in drastischen Bildern die wechselvolle Geschichte der Klöster.

Am nächsten Morgen erleben wir, welche Dynamik eine zehnköpfige Holländergruppe auf einem Campingplatz entwickeln kann. Man reist zusammen, räumt zusammen auf, staubsaugt gemeinsam und wenn der Zauber vorbei ist, legt sich eine bleierne Stille über den Platz und man fragt sich: “Was war das denn jetzt?”

600 Jahre alt und stabil wie am 1. Tag – Bogenbrücke im Hinterland.

Wir räumen anschließend unseren Kram zusammen und verzichten dabei bewusst auf jegliche Außenwirkung.

Bei der Routenwahl Richtung Peloponnes wählen wir wieder das Abenteuer und grandiose Bergpässe führen uns durch das mächtige Pindos-Gebirge Richtung Süden. Es macht den Eindruck, dass viele dieser Straßen nicht nur nicht mehr gewartet werden, sondern gänzlich aus Kostengründen aufgegeben wurden.

Heruntergerasseltes Geröll wird nicht entfernt und wenn die halbe Fahrbahn sich in Richtung Tal verabschiedet, wird nicht mal ein Warnschild aufgestellt. Zugegeben: Wir waren da völlig alleine und vielleicht haben wir auch das Schild “Vorsicht Lebensgefahr” verpasst.

Ob vor 5 Minuten oder vor 3 Jahren – Der Felsrutsch hätte uns garantiert “platt” gemacht.

Die Straße selbst ist eigentlich in gutem Zustand, andererseits phasenweise überhaupt nicht mehr als Straße zu erkennen – und es geht immer höher…

Viel höher geht’s nimmer – das Pass-Strässchen schraubt sich über die Baumgrenze…

Nach vier Stunden und zahllosen Fotostopps erreichen wir die Autobahn und erleben das Kontrastprogramm: Rund 40 Euro zahlen wir an Gebühren inkl. der Brücke über den Golf von Korinth.

Die Zivilisation hat uns wieder – Abendessen an der Autobahn in Richtung Patras.

Wir übernachten an der Strandpromenade von Patras und sammeln erste Erfahrungen mit “Freistehen” in Griechenland. Eine geruhsame Nacht und ein schneller Kaffee – wer so steht, der bekommt auch keinen Ärger mit der Polizei. Wenn ein reisendes Pärchen aber die Campingstühle rausholt, sind da schnell 300 Euro Bußgeld fällig.

Sonnenuntergang inklusive: Freier Stellplatz hinter Patras.

Strandtage auf dem Peloponnes: Bei rund 30 Grad machen wir das erste Mal auf unserer Reise wirklich Urlaub. DerPlatz liegt an einem bezaubernden Strand und hat eine tolle Infrastruktur – kein Wunder, dass sich das hier zum Rentnerparadies entwickelt. Ich war hier zuletzt vor fast 40 Jahren – Da gab’s ein paar Zelte, VW-Bullis und Wohnwagen. Heute überschwemmt die weiße Lawine mit Hymer, Concorde und sonstigen Luxuslinern die Halbinsel. Anreise per Fähre Triest/Patras – und das- so scheint es – können sich ein Haufen Leute offensichtlich leisten. Wir trefffen niemanden, der die Strecke komplett gefahren ist. In der Hochsaison muss man dafür ein Jahr im Voraus buchen. Wir wollen bald weiter in Süden wo sich die Touristenströme etwas verlaufen.

Schon schön hier – Strand südlich von Patras.

Bei der zukünftigen Planung macht mir das nicht immer harmonische Verhältnis zwischen Griechenland und der Türkei einen Strich durch die Rechnung. Eine Fährverbindung Piräus/Izmir gibt es leider nicht, was für mich einen Umweg von fast 1000 Kilometer ausmacht in den Süd-Westen der Türkei, wo wir uns mit unserer Tochter Ella treffen wollen. Vielleicht sind es aber auch die aufwändigen Grenzformalitäten, die einen regulären Fährverkehr hier erschweren.

Nach drei Tagen Extrem-Erholung haben wir die Nase gestrichen voll und lassen Campingplatz Aginara hinter uns. Aber das Gefühl “Langeweile” mal wieder zu spüren war eine schöne Erfahrung. Auf dem Weg nach Olympia finden wir einen Lidl und verfallen prompt in einen tiefen Kaufrausch. Nach all den übersichtlich sortierten Dorfläden nun ein echtes Kaufparadies. Der einzige Unterschied zum deutschen Lidl: Mit der Sortierung nehmen die’s hier nicht ganz so genau und so verteilen sich z.B. Nudeln über den ganzen Laden. Die Preise sind happig und der Laden rappelvoll – also wie bei uns…

In Olympia fragen wir den Chef von Camping Diana, wann denn die die Kreuzfahrtschiffe die olympischen Stätten der Antike überfluten. Wir hatten gehört: Nur mittwochs und samstags? Er lacht und klärt uns auf: “Jeden Tag!” Ob die Leute auf den Schiffen sich bewusst sind, dass sie wie eine Landplage daherkommen?

Ines berichtet uns aus Montenegro, wo die Kreuzfahrtpassagiere wie die Ameisen den Küstenstädten das Malerische rauben. Andererseits: Wer sind wir, dass wir nur den eigenen Reisestil als stilvoll bewerten?

Was ein kleiner Frechdachs : Keine 5 Zentimeter groß aber seit 2000 Jahren in Angeberpose! Kleine Bronzefigur aus Olympia.

Bei weit über 30 Grad ist die Besichtigung der antiken olympischen Sport- und Tempelanlagen bei Olympia eine Schweiß treibende Angelegenheit. Insbesondere der Stadioneingang vermittelt ein gutes Gefühl für das, was hier mal los war. Erst seit 1936 wird die Flamme übrigens hier abgeholt und zum Standort der Spiele der Neuzeit transportiert. Der Opa des Betreibers von Camping Diana hat damals am Staffellauf nach Berlin teilgenommen und seine noch lebende Witwe – 92 Jahre alt – präsentiert stolz die Urkunde. Auf einem ausgestellten Foto recken die Olympioniken die Hand zum Hitlergruss und oben drüber hängt ein großes Portrait von Theodor Heuss, der hier als großer Förderer der griechisch/deutschen Freundschaft gilt.

Hier ging’s durch ins Stadion.

Der gesamte Ausgrabungs-Komplex ist groß und angelegt wie eine Stadt. Die Pracht ist am ehesten in den beiden Museen erahnbar, wo die großen Marmor-Statuen ausgestellt sind.

Mal mit, mal ohne Arm – wirklich komplett ist hier niemand.

Die Hitze hier im Inland ist schwer zu ertragen und so fahren wir wieder ans Meer.

Auf dem Weg zum südlichsten Zipfel des Peloponnes zeigt sich Griechenland weiter abwechslungsreich: Von schneebedeckten Gipfeln bis zu malerischen Stauseen ist da alles dabei. Wir setzen mit der Fähre über nach Elafonisos und staunen über ein wirklich türkisfarbenes Meer – jedes Foto wird zum Postkartenmotiv.

Leider hat der Campingplatz eher Stellplatz-Charakter, aber der Strand entschädigt dafür. Es weht ein laues Lüftchen, das die Hitze erträglich macht.

Wir fahren wieder in den Norden. 100 Km pro Tag haben wir uns vorgenommen, damit wir so etwa den 25. Juni herum in Izmir sind. Da kann man sich die kleinen Küstenstraßen leisten, die einem unfassbare Aublicke und schöne Ecken zum Pausemachen bieten. Wir erreichen nach sehr aussichtsreicher Fahrt Monemvasisa und die Festung sowie das hier angesiegelte Städtchen beeindrucken uns sehr. Hier ist innerhalb hoher Festungsmauern eine gar nicht mal kleine Stadt entstanden, die auf dem Weg zum Tourismus-Magneten auf sehr schöne Art und Weise unverkitscht geblieben ist. Wohnen darf hier allerdings kaum noch jemand – im Winter gerade mal 20 Personen.

Und das hier in allen Blau- und Grüntönen schimmernde Meer bietet einen malerischen Rahmen für Postkartenmotive ohne Ende.

Am Fuße des Festungsberges finden wir einen freien Stellplatz und freuen uns auf eine hoffentlich mückenfreie Nacht. Geld sparen tun wir dadurch aber nicht, denn wir müssen endlich mal wieder was Ordentliches essen. Griechenland mit 50 Euro am Tag ist nicht zu schaffen. Ich kann die Griechen verstehen, die unter den EU-Finanzregeln ächzen. Das Leben hier könnte sich selbst mit deutschen Einkommensverhältnissen kaum jemand leisten. In einem kleinen Restaurant am Fuße des Berges kommen wir mit 26 Euro für ein Abendessen noch billig weg.

In und auf diesem Berg befindet sich eine unglaubliche abwechslungsreiche Szenerie aus historischer Festung, mittelalterlichem Städtchen und touristischer Einkaufsmeile. Am Fuß finden wir einen freien Stellplatz für die Nacht und ein tolles Restaurant.

Kurz hinter Monemvassia reiht sich Traumstrand an Traumstrand – kein Wunder dass sich hier zu aktiveren Zeiten dieses Menschenschlages viele Hippies und sonstige Aussteiger tummelten. Wir fühlen uns dieser Tradition verpflichtet und finden in Sonja und Gerald vom Wörthersee auch gleich zwei passende Mitstreiter. Wir stehen frei in einem wunderschönen Wäldchen direkt am Wasser, Stranddusche inklusive.

Auch unser Michel liebt Griechenlands Strände…

Wir fürchten ein klein wenig die Polizei, denn freies Campieren ist in Griechenland nicht erlaubt, aber der wohlige Schauer des Verbotenen lässt die Flasche Rotwein noch besser schmecken. Am nächsten Tag hab ich Kopfweh, aber das war es wert.

Petra und ihr italienischer Freund sind in Monemvassia “hängengeblieben” und haben ein Haus gekauft. Sonja und Gerald aus Österreich sind “still traveling” und nach lange nicht am Ende angekommen.

Für die nächste Übernachtung gehen wir mal wieder auf einen Campingplatz und erwischen es auch ganz gut. 16 Euro inkl. Strom ist ein guter Preis. Wir gehen in die Stadt und kehren in einem kleinen Fischrestaurant ein, wo wir für ein Essen auf deutschem Pommesbudenniveau unglaubliche 40 Euro bezahlen.

Es wird Zeit, dass wir in die Türkei kommen – das ist hier bei aller Schönheit echt kein Land für mich. Auf den Campingplätzen herrscht eine unglaublich unverbindliche Atmosphäre, die Preise sind überzogen und die Leute lassen etwas die erwartete Herzlichkeit vermissen. Es gibt Ausnahmen: Der Chef von Camping Semili bei Leonidio hat das Zeug zum Lieblingsgriechen!

Beim frei Stehen fühlen wir uns allerdings richtig wohl. Natürlich schwingt die Angst vor Platzverweisen und Bussgeldern immer mit, aber selbst das wär’s wert. Wir stehen bei Nafplio quasi direkt am Wasser, können die Stranddusche nutzen und etwas von diesem alten Griechenlandflair geniessen, von dem auf den Campingplätzen aber so wirklich gar nichts mehr übrig geblieben ist. Die Krönung war eine Selbstbedienungstaverne mitten in einem Schildkrötenschutzgebiet. Hier wurde an einem Tag mehr Plastik produziert als eine Schildkröte im ganzen Leben fressen kann.

Man könnte den Griechen – würde man sie besser kennen – eine gewisse Unsensibilität solchen Themen gegenüber vorwerfen. Aber ich nehme lieber meinen deutschen Besen und kehre vor meiner eigenen Haustür, da liegt genug Plastikscheiß herum.

Eins muss man sagen: Das ist einfach alles wunderschön hier, paradiesisch sogar. Allein wie das alles riecht: Man hält die Nase aus dem Auto und riecht die Zitronen, den Thymian, die Kiefern und vor allem das Meer.

Frei zu stehen ist uns das größte Vergnügen in Griechenland und versöhnt uns etwas mit einem Land, in dem Tourismus eine Industrie ist.

Und sonst alles paletti im Paradies? Nein, natürlich nicht. Auch Paradiese haben schlechte Tage. Wir bekommen durch das ständige Herumreisen von einem Hotspot zum nächsten keinen geregelten Tagesablauf hin und das nervt. Außerdem kämpfen wir immer wieder mit der Technik. Aktuell haben wir kein Licht und kein fließendes Wasser in der Kabine und werden wahrscheinlich eine Werkstatt suchen müssen. Irgendwas ist immer – was mich an das alte Leben erinnert. Wenn ich dann aber so muffelig am Strand langlaufe denke ich plötzlich: “Hast du sie noch alle an der Waffel? Nimm dir ‘ne Kerze mit den Camper und stell ‘ne Flasche Wasser auf’s Klo und gut ist…!”

Zudem habe ich Stress mit Ford Assistance, die mir die Abschleppkosten aus Albanien nicht bezahlen wollen, weil ich statt die ganze Nacht im albanischen Bergland auf den ADAC zu warten lieber einen Abschlepper vor Ort beauftragt habe. Das sollte aber ohnehin nicht der letzte Kontakt gewesen sein.

Die nächsten drei Tag stehen wir frei an einem traumhaften Strand bei Nafplio. Wir lernen nette Griechen kennen und arrangieren uns zunehmend mit diesem uns immer wunderbarer anmutenden Land und seinen grandiosen Farbenspielen und Geruchsexplosionen.

Malerisches Nafplion…

Man muss halt die Campingplätze meiden, dann klappt es auch mit dem Griechenlandfeeling. Irgendwann ist aber dann doch der Kühlschrankstrom alle und wir müssen weiterfahren – diesmal in Richtung Ephidaurus, wo wir das weltberühmte Amphitheater ansehen wollen.

Die alten Griechen liebten das Theater – anders lässt sich diese grandiose Anlage nicht erklären.

Auf dem weiteren Weg will Sylvia einen Sack Orangen kaufen. Ich warte im Ranger und auf einmal geht er aus. “Nicht schon wieder” denke ich, weiß aber, das die Elektronik wieder aussetzt und auch, dass dieser Moment kommen musste. Die Albaner haben zwar fleißig an allen Steckern gewackelt, den Fehler gefunden und beseitigt haben sie aber nicht.

Diesmal kümmere ich mich um nix und lass alles über Ford Assistance abwickeln. Nach drei Stunden ist der Abschlepper da und wir fahren mit dem Taxi nach Argos, wo das für uns gebuchte Hotel die Aufnahme von Hunden verweigert. Nach weiteren zwei Stunden wird es langsam dunkel, als die Griechen melden: “Wir haben ein Hotel für Sie!” Die Bude hat allenfalls mittelmäßigen Hostelcharakter und kostet 25 Euro als Dreibettzimmer. Wir verkünden: “Hier bleiben wir nur eine Nacht!” und freuen uns, als gegen 23 Uhr der Ford-Servicepartner verkündet, dass wir die nächsten Tage in Nafplion Quartier nehmen können. Die Stadt ist traumhaft schön und wir können damit gut leben, zumal Nafplion einen tollen Badestrand hat.

Nach einer miesen Nacht im miesesten Hotelzimmer ever bekommen wir ein wirklich nicht gutes Frühstück im Nachbarhotel. Ford Assistance kümmert sich irgendwie, hat aber wohl immer extrem die Kosten im Blick. Wahrscheinlich waren die Zimmer in Nafplio teurer…

Aber jetzt die Krönung: wir warten von 9.30 bis 14 Uhr auf ein Taxi, das uns die 10 Kilometer nach Nafplio bringt. Hier hat man uns ein wirklich schönes AirBNB-Appartement – ohne Frühstück – organisiert. Etwa 20 Gehminuten vom Zentrum. Suboptimal – Aber wir mögen da nicht mehr diskutieren. Nach 4 Stunden Taxi-Warten in der 2-heißesten Stadt Griechenlands ist man froh über jede Verbesserung.

Argos: Laut Fremdenführer die 2-heißeste Stadt Griechenlands und über 5000 Jahre alt.

Jetzt heißt es warten – Sonntags läuft nix und am Montag ist hier auch Feiertag. Ford Assistance interessiert es nicht besonders, was wir machen, wie’s uns geht oder ob wir irgendwas brauchen. Selbst meine Mail wird nicht beantwortet.

Das Positive: Wir erleben gerade eine wundersam lebendige Stadt aus der Einwohnerperspektive und revidieren unser Griechenlandbild wieder etwas. Die Griechen sind ungeheuer gesellig und sehr lebensfroh. Die Stadt pulsiert in mediterranem Flair und ich frage mich: “Warum ist diese Lebensfreude bei uns so flächendeckend ausgestorben?”

Nafplion – Griechenlands erste Hauptstadt erweist sich aus der Einwohnerperspektive als toller Lebensraum.

Nach zwei Übernachtungen am Ortsrand von Nafplio verabschieden wir uns ungern von unserer liebenswürdigen Gastgeberin Nicoletta. Wir haben ein in Zimmer mit Frühstück direkt gegenüber dem Hafen mitten in der historischen Altstadt gefunden und ziehen um.

@ Nicoletta: Thank you for the great hospility – we recommend your Apartements in Germany!

Ich stehe im Kontakt mit der Werkstatt und bin langsam wieder guter Dinge. Unser neues Zimmer ist der Knaller.

Links die Tür geht direkt auf eine belebte Altstadtgasse . 50 Meter um die Ecke ist der Hafen.

Mein Elektronik-Problem wird übrigens gerade hier diskutiert: WOHNKABINENFORUM
Gut, dass es solche Foren gibt!

Der vierte Tag nach der Panne: Mittlerweile wissen wir wenigstens, was am Ranger kaputt ist und dass das Ersatzteil bestellt wurde. Da Ford Assistance allerdings nur 3 Tage Hotel bezahlt wird es langsam ärgerlich. Interessant finde ich dabei, dass die Möglichkeit des Scheiterns in unseren Fokus rückt: Was, wenn das Auto in 14 Tagen wieder liegenbleibt? Was, wenn wir zurückmüssen?

Uns geht’s trotz allem gut und wir diskutieren viel über die Systematik der Zufriedenheit


Das ist ein blödes Gefühl – an Scheitern habe ich schon lange nicht mehr gedacht, auch nicht an Zweifel. Aber andererseits: Es muss den Berg runter gehen, damit es wieder aufwärts geht. Es wird sicher kein drittes Mal geben, denn unser Kontingent an Pech ist erfüllt. Was ich nicht ändern kann soll mich nicht stressen – ich muss mir das immer wieder einreden.

Griechenland ist das Land der Philosophen – mag’s an der Sonne liegen? Glaub ich nicht, denn dann hätte die Erderwärmung ja doch noch eine gute Seite. Man denkt hier einfachunglaublich viel nach – ich zumindest, z.B. darüber, wie viel Pech ein Mensch ertragen kann und ob im Grunde nur die ersten Perlen einer Pechsträhnenkette wirklich ein mieses Gefühl machen und es dann später sowieso egal ist. Der Typ mit seinem 10-Meter-Wohnmobil: Vielleicht hat er Stress mit der Prostata und ist total unglücklich. Und ich mit meinem kaputten Auto: Ich liege in einem 75-Euro/Tag-Hotel und klage der Welt mein Leid.

Unser Michel reift hier zum echten Rüden – immer noch der liebenswürdige Kuschelhund, aber er wird zunehmend lässiger und selbstbewusster.

Wir lernen jeden Tag tolle Leute kennen und reden jeden Tag englisch, weil hier viele nette Amerikaner und Neuseeländer unterwegs sind. Das klappt immer besser. Am Nachmittag sind wir in brüllender Hitze die 1000 Stufen zur Festung hochgekraxelt und wurden mit phantastischen Aussichten belohnt.

Am Hafen liegt die 33 Millionen-Euro-Yacht eines griechischen Reedes am Pier. “Der hat auch grad die Kacke am Dampfen wegen irgendwas!” denke ich. Vielleicht ärgert er sich nicht so über ein kaputtes Auto, aber auch sein Leben muss mindestens zu einer Hälfte nicht so schön sein. Außerdem wird er sicher heftig unter der griechischen Finanzkrise leiden…

50 Meter lang und drinnen läuft der Fernseher…Die Belita des griechischen Reeders Coustas.

Mittlerweile ist es Samstag und wir erfahren in der Werkstatt, dass das Auto wahrscheinlich am Dienstag fertig sein wird. Euphorie mag nicht aufkommen, ober etwas Hoffnung schon. Wir haben uns für den tag einen 100ccm-Roller ausgeliehen und cruisen entlang der Strände Nafplios. Wir können in unserem tollen Hotelzimmer bleiben so lange wir wollen. Und ab Morgen haben wir auch einen Ersatzwagen. Ich lese gerade die Biografie über Hannah Ahrendt und frage mich, was sie in meiner Situation gemacht hätte? Ganz klar: Vorträge gehalten und Bücher geschrieben…Und ich lamentier hier rum.

Und ab an den Strand…

Lagerkoller im Paradies – wir haben sicherlich den schönsten Platz erwischt um die Reparatur unseres Autos abzuwarten. Aber nach 10 Tagen reicht’s definitiv. Ich mag das ganze Essen nicht mehr sehen, die ganze Betriebsamkeit und immer dieses türkisfarbene Meer. Morgen ist Mittwoch und mit etwas Glück ist das Ersatzteil dann endlich da.

Da schaut mal einer genauer nach: Automechaniker bei Ford in Argos.

Natürlich war das Ersatzteil auch am Mittwoch nicht da. Wir haben dann beschlossen, im Hotel auszuchecken und die restliche Wartezeit auf dem Fordgelände zuverbringen. Am Donnerstag kam dann endlich das Teil und es stellte sich – erwartungsgemäß – als nicht verantwortlich heraus. Also 6 Tage umsonst gewartet in dieser Affenhitze.

Der Automechaniker leistet aber ganze Arbeit und findet ein abgerissenes Kabel unter der Batterie. Daran lag’s. Die Albaner hatten wohl mal kurz dran gewackelt und dadurch wieder für einen Kontakt gesorgt. Es darf jetzt aber erstmal nicht’s mehr passieren – mein Aufnahme-Level für Scheiß-Situationen ist erstmal randvoll und das Problem mit dem Kabinenstrom ist ja auch noch nicht gelöst.

Vorsicht bei Nutzung von Google-Maps – ohne Allrad kann das ins Auge gehen.

Und dann war da dieser Augenblick: Sylvia sauer, weil ich den Ventilator nicht richtig zusammengeschraubt habe auf der Fehlersuche: “Du machst jetzt gar nix mehr, wir fahren nach Thessaloniki und die sollen das reparieren, ohne Wasser in der Kabine fahren wir nicht in die Türkei!!” Ich hab aber keine Lust nach Thessaloniki und ich brauche jetzt einen Schraubererfolg für’s “Wieder-Mann-sein-Können”. Da kein Mammut in der Nähe ist, muss ich irgendetwas anderes zur Strecke bringen um die Position am abendlichen Lagerfeuer zu bestätigen. Sonst ist/war das alles hier umsonst.

Ich verschwinde – trotz Verbot – mit meinem Schraubenzieher, Zuversicht und der Taschenlampe in den Tiefen des Camperkellers und nehme da alles auseinander, was auseinanderzunehmen ist auf der Suche nach dem Massefehler. Ich ruckel hier, ich ruckel da – Dann baue ich alles wieder zusammen wie’s war. Ein Griff zum Lichtschalter – geht! Wasserpumpe -geht! Heizung – geht! Selbst mein Schatz ist wieder zufrieden, dass ich’s doch immer wieder hingefriemelt kriege – entgegen aller Voraussicht.

Kaum zu glauben: Alles geht wieder….

Andererseits: Ich hab mir ja in Nafplio extra für solche Gelegenheiten mein Glücks-T-Shirt gekauft mit dem Leonidas-Symbol und dessen motivierendem Kampfesmotto: “Come and get them!” Das hatte ich an…

Auf den Spuren von König Leonidas fahren wir nach Thermopyles, 200 Kilometer nördlich von Athen. Geografisch/geologisch ist von der besonderen Situation dieser “Landenge” nichts mehr zu spüren. Wo vor 2000 Jahren gerade mal ein Eselskarren durchpasste, hat zunehmende Versandung sich gut 3 Kilometer Land geholt. Eine riesige Statue mit einem echt nackigen Leonidas wirkt etwas albern, als ob die frei schwingend ins Gefecht gezogen wären.

Wie auch immer – Leonidas ist derzeit mein Reizthema. Warum fasziniert der mich so? Weil er freiwillig und unnütz gefallen ist? Wohl kaum…Ob er ein Sixpack hatte wie im Film? Eher nicht – zum Pumpen hatten die keine Zeit. Ich glaube, die Faszination für solche Leute ist ein “Mem”, so nennt man es , wenn sich Dinge in den Köpfen der Menschen verfestigen um das System zu stärken. Selbst der deutsche Philosoph und Agitator Goebbels war in der Lage, dem sterbenden Soldaten in Stalingrad zu vermitteln, dass auch er ein Leonidas sei, dem man in 1000 Jahren gedenken werde.

Hansel Hitler und der Ruhm verlorener Schlachten

Hätte man z.B. 1945 beschlossen, Hitlers Vornamen in Hansel umzubennen und würde man ihn nicht bis heute als “Führer” des deutschen Volkes bezeichnen, vielleicht wäre dann auch dem letzten aufgefallen, was ein kleines Licht dies klein’ Männlein doch eigentlich war. Die Schlacht an den Thermopylen hätte niemals Geschichtsreife erlangen dürfen – dafür war sie viel zu unbedeutend.

Der steht da echt völlig frei untenrum…

Etwas enttäuscht von diesem Ort geht es weiter in den Norden. Wir fahren über Land und erleben die landwirtschaftliche Seite Griechenlands. Fast 100 Kilometer reiht sich ein Getreidefeld ans nächste. Abends finden wir ein schönes Fleckchen Erde hoch über der Bucht von Volos. Es ist angenehm kühl, keine Mücken – was will man mehr?

Stellplätze wie diesen findet man mit der App “Park4Night”

Wir sind jetzt 400 Kilometer von der türkischen Grenze entfernt und ich bin froh, das Thema “Griechenland” doch noch für mich versönlich abschließen zu können. Griechenland ist unendlich reich und sollte nicht auf Sparplan-Diskussionen reduziert werden.

Unsere Leserin Mechthid fragt noch noch mehr Griechenland. Daher hier mal mal ein ein für uns nicht untuntypischer Tag:

Wir bezahlen auf dem Campingplatz und machen uns auf den Weg nach Thessaloniki. Rund um Athen verfahren wir uns, weil wir einfach zu viele Navigationsgeräte im Einsatz haben. Letzten Endes siegt Ford Ranger über Google und wir finden die Nationalstraße neben der sündhaft teuren Autobahn. Einem Tankwart erzähle ich, dass der Diesel bei uns auch nicht billiger ist. “Wir verdienen hier aber viel weniger!” Er muss für 7 Tage Arbeit mit 500 Euro klarkommen. Wir erreichen Larissa und holen uns unser Stück Heimatgefühl im dortigen Lidl. Abends nochmal tanken – teilweise zerschlagen 150 Euro Dieselkosten unsere Tagesbudgets. Der Monat Griechenland kostet uns knapp 3000 Euro – 500 davon würde ich mir gerne von der Ford-Garantie zurückholen.Wie man hier mit 500 Euro im Monat klarkommt bleibt mir ein Rätsel.

Kurz hinter Larissa finden wir am Fusse des mächtigen Olymps ein echtes Juwel: die Griechen baden hier in den Verdunstungsbecken zur Salzgewinnung.

Baden wie im Toten Meer – im Hintergrund grüßt der 2950 Meter hohe Olymp durch den Dunst.

Man schwimmt wie im Toten Meer, für uns ein sehr beeindruckendes Erlebnis. Natürlich schmieren wir uns auch mit dem öligen Schlamm ein und lassen den Panzer an der Sonne trocknen.

Junkstörche in einem Dorf hinter Larissa

Zwischenzeitlich wechselt unser Campingstuhl den Besitzer . Gut das wir Ines Stuhl noch haben. Wir sollten etwas besser auf unsere Sachen aufpassen.

Der Stellplatz ist eine Katastrophe – nach 10 Minuten ist unser Michel übersäht von kleinen Kletten, sie sich ihm ins Fell drehen. Wir brechen in aller Eile auf und vergessen Sylvias Ersatz-Bikini. Ein kurzer Blick auf die Kabinenelektronik bestätigt mir: Die Karre lädt schon wieder nicht, der Kühlschrank hat vielleicht noch bis Mitternacht “Saft”.

Wir fahren 4 Stunden durch die Nacht zu einem Stellplatz bei Thessaloniki, der uns als “Ideal für eine Nacht mit wahnsinniger Aussicht” von Park4you angekündigt wird. Ich nehm gerade die Kamera zur Hand, da hab ich 50 Mückenstiche weg. Wir kommen nicht schnell genug in die Kabine um zu verhindern, dass mindestens 100 Mücken mit hineinschlüpfen. Es ist halb eins und wir entscheiden: “Hier können wir nicht bleiben!” Es ist brüllend heiß und ich hab immer noch das Öl aus der Saline am Körper. Das Wort unerträglich beschreibt’s am besten.

Wir fahren noch gut 2 Stunden in die Berge und finden einen mückenfreien Platz am Straßenrand. Am Morgen stresst mich das ungelöste Stromproblem so sehr, dass wir uns entschließen, zum Service nach Thessaloniki zur fahren – also 130 km zurück. Auf halber Strecke ruft mein Wohnkabinen-Techniker an und gibt mir ein paar Tipps, wie ich das Problem überbrücken kann. Gegen Mittag erreichen wir Camping Alexandro bei Kavala und das Leben ist wieder schön. So läuft das ab wenn man mit dem Camper in Griechenland unterwegs ist.

An dieser Stelle mal ein Dankeschön an alle Leser dieses Blogs: Wir sehen uns in der Türkei.

Autofahren in Albanien

Autofahren in Albanien ist ein echtes Abenteuer. Zum einen entpuppen sich offizielle Durchgangsstraßen als Schotterpisten, zum andern gibt es außer den Tempolimits wohl kaum irgendeine Regel, an die sich die Albaner halten. Dabei geht es nicht immer nur dem Gesetz der Stärke. Man darf sich halt nicht unterkriegen lassen.

Wer einen Engpass sieht und nicht versucht, schnell noch durchzukommen, der steht da die nächsten drei Stunden, oder bis die Leute hinter einem aussteigen und die Situation auf die ein oder andere Art und Weise klären. “Mutig sein” hilft hier ungemein und wenn die Gegenseite erkennt, dass es kein Durchkommen gibt, dann bleiben die irgendwann stehen oder setzen notfalls auch mal zurück.

Schlaglöcher gibt’s hier ohne jede Vorankündigung, oft so groß, dass eine Ziege drin verschwinden könnte. Werden sie zu groß, dann wird einfach ein Reifen reingelegt.

Hupen gehört zu guten Ton und niemand, der einen anhupt hat etwas Böses im Sinn. Es soll wohl nur ermuntern, endlich das Träumen sein zu lassen und zügig weiterzufahren.

Mein Liebstes: Hier sind alle Kreisverkehre mindestens zweispurig. Wer also nicht sofort wieder rausfährt dreht sich in den Innenkreis. Vorfahrt hat dabei, wer die Nase vorn hat. Und das klappt.

Und dann die Autobahn: Die unterscheidet sich von anderen Straßen nur dadurch, dass man hier schneller fahren darf. Hier gibt es sogar Kreisverkehre, manchmal mit einer angebundenen Kuh drauf – keine Ahnung wie die da hinkommen konnte. Hier sind vom Eselskarren bis hin zum selbstgebauten Mofa-Transporter die unmöglichsten Gefährte unterwegs – und Fußgänger, z.B. wenn der Schulbus am Rand anhält.

In all diesem Chaos habe ich aber nicht das Gefühl, dass das Fahren hier wirklich gefährlich ist, weil hier jeder immer auf alles gefasst ist und sich auch nicht aufregt.

Das ist eine selbst in groberen Kartenwerken eingetragene Straße.


Aussteigen mit kleinen Kindern

Wir treffen auf unserer Reise immer wieder Familien mit kleinen Kindern. Ich mag hier kaum von Aussteigern reden, weil es für diese Altersgruppe – also junge Leute bis etwa 35 – noch nicht ums Aussteigen im eigentlichen Sinne geht, sondern vielfach um die Suche nach sinnstiftenden Elementen und alternativen Lebensformen. Vielleicht ist es auch ein vorbeugende Maßnahme, um nicht in den allgemeinen Trott zu verfallen.

Familie H. aus Holland ist da so ein typisches Beispiel. Die finanziert ihre Reise durch den Verkauf ihres Hauses, haben etwas für den Neustart beiseite gelegt und reisen nun mit zwei kleinen Kindern durch die Welt. “Es ist ein Geschenk” sagen sie – auch wenn die sehr anhänglichen Kinder gerade sehr viel Aufmerksamkeit fordern und auch die Wünsche der Eltern etwas einschränken. Vater Joris: “Die haben nun mal keinen Spaß an Offroadtouren durch die Sahara!”

Aussteigen mit kleinen Kindern ist sicherlich ein Knochenjob. Wir sehen das deutlich an einem Pärchen aus München. Der kleine Ben fängt gerade das Laufen an und ist zu 150 % auf die Mami fixiert. Allerdings: “Zuhause wäre das alles noch viel anstrengender!”

Und dann gibt es auch diese Väter und Mütter, die ihr Andersein auf eine etwas übertriebene Art zelebrieren. Wir haben selbst drei Kinder groß gezogen – da weiß man, dass der Sonnenschein, den man grad stolz im Tragegurt vor der Brust präsentiert, später auch mal ganz andere Seiten zeigen kann.

Es kann nicht immer alles super sein – das ist eine allgemeine Elternerfahrung, die natürlich auch auf Reisen gilt.

Der Vater des kleinen Ben ist auf jeden Fall fasziniert “…, dass es überhaupt möglich ist, und dass es so einfach ist, man muss es nur machen!” Arbeiten während der Reise ist aber meiner Meinung nach mit kleinen Kindern nicht zu schaffen, denn die ständig wechselnde Umgebung fordert Eltern tagtäglich und pausenlos zu 100 %.

So wie ich das sehe ist “Aussteigen mit kleinen Kindern” ein absolut machbares und auch erfüllendes Projekt. Sicher sehen wir hier nur Momentaufnahmen und wissen auch nicht, wie es weitergeht. Gut möglich, dass sich gerade diese reisenden Kinder später zu All-Inclusive-Touristen entwickeln – wer weiß das schon.

11. Etappe – Albanien (16. – 31. Mai 2019)

Wir verlassen dankbar und tiefenentspannt den Ohrid-See und erreichen nach wenigen Kilometern die albanische Grenze. Das Zusammenpacken und Aufbrechen dauert mittlerweile keine 15 Minuten. Wir entschließen uns, den Norden auszulassen und direkt ans Mittelmeer zu fahren. Tirana muss leider wegen der Unruhen gestrichen werden vom Reiseplan. Apropos Unruhen: Trump macht mir Sorgen, denn wir wollen eigentlich auch in den Iran. Mal sehen, wie sich das entwickelt.

Direkt hinter der Grenze treffen wir die Jungs vom Verein “Deutsche Humanitäre Hilfe Nagold e.V.”, die mit zwei Trucks an der albanischen Grenze auf die Zollabfertigung warten. Nur ein paar Minuten und ein paar Sätze reichen und wir wissen: “Das sind wieder so Typen, denen das normale Leben zu wenig ist und die tiefer schürfen wollen in ihren Möglichkeiten.”

Hier informieren

Wir fahren weiter Richtung Meer und erreichen Kavala. Auf dem Weg der erste Eindruck: Vom Armenhaus Deutschland nicht wirklich die Spur. Die Straßen sind gesäumt mit Ständen, wer seinen Wagen waschen lassen will muss nur rechts ran fahren.

Auf dem Campingplatz verkaufen zwei Mädchen Obst und Gemüse, die Wartezeit überbrücken sie kichernd mit ihrem Handy.

Die Albaner erscheinen mir sehr geschäftstüchtig – besonders diese beiden sehr sympathischen Exemplare

Der Campingplatz ist schön gelegen, aber eindeutig keine Karawanserei-Station in Richtung Osten. Die Menschen gehen aneinander vorbei, ein kurzer Hallo, das war’s. Hier werden wir nicht alt. Morgen werden wir weiter nach Vlore und dann nach Borsh fahren, wo wir vielleicht ein paar alte Bekannte vom Campingplatz Rino treffen, der uns jetzt schon fehlt.Vlore ist eine lebendige Touristenstadt und der Campingplatz ist wieder ganz nach unserem Geschmack und natürlich treffen wir sofort wieder nette Leute.

Und den Knüppel zum Hunde vertreiben immer dabei: Wer als Frau unterwegs ist muss wehrhaft sein: Michael aus Österreich und Jeanne aus der Schweiz.

Ab Vlorae geht es weiter zum legendären Llogara-Pass. Die Anhöhe markiert das Ende des Einflussbereiches von Alexander dem Großen und seiner Idee von “Groß-Griechenland”.

Frischerer Fisch geht nicht: Stand kurz vor dem Pass. Hier decken sich die umliegenden Hotels mit Fisch ein. Für Handwerker und Touristen wird der Fisch sofort zubereitet. Wir kaufen Brasse und Brataal für das abendliche Buffet.

Der Pass fasziniert mit fantastischen Weitblicken und die Albaner zeigen, dass Mut alles ist, was Autofahrer brauchen. In Albanien ist der Mercedes ein Statussymbol. Ich habe noch nie so viele alte S-Klassen auf einem Haufen gesehen.

Vorsicht Gegenverkehr!

Albanien nimmt auf der Südseite des Passes einen unwiderstehlichen mediterranen Charme an. Agaven, Kakteen und Palmen und das Leben findet auf den Straßen statt. Ich krame die Sonnenbrille raus, weil alles so licht, hell und strahlend ist. Und sauber: Albanien ist der bislang aufgeräumteste Balkan-Staat, den wir passieren.

Unser tolles, bestes und hypergeilstes Auto in seinem Element…

Wir erreichen die Bucht von Borsh und nach der Wegbeschreibung “wenn’s nicht mehr weitergeht dann rechts” treffen wir Ines und die Ostfriesen hier am Strand. Abends kommt der Fisch auf den Tisch und das Lagerfeuer kämpft erfolgreich gegen die Frische der Nacht an.

Ein feines Plätzchen direkt am Strand und kostenlos.

Am frühen Morgen kommt der Ziegenhirte auf ein Pläuschchen, bevor er seine Herde in direkter Linie den Fels hinauf treibt. Am Nachmittag müssen wir einen Fernseher finden, weil Alfred den Kickers aus Emden beim Aufsteigen zusehen muss.

Brennholz ist satt vorhanden.

Thema Sicherheit: Wie schon vorab in Rumänien haben wir in Albanien ALLE Vorurteile über Bord geworfen. Für mich ist mittlerweile klar: Die wirklich bösen Menschen leben in den führenden Industrienationen- vor denen sollten wir uns fürchen, nicht vor den Albanern, vor denen als allerletztes.

Wir haben hier weder diebisches Landvolk, abzockerische Parkplatzwächter noch korrupte Polizisten erlebt und ich frage mich nicht ein allererstes Mal auf dieser Tour: Wer hat einen Vorteil darüber, dass wie so schlecht über die Leute außerhalb Deutschlands denken?

Ein unglaublich nettes Volk diese Albaner…

Schlechte Nachrichten von unserem Iran-Kontakt: Mit dem Ford Ranger bekommen wir nur ein 5 Tage-Visum für den Iran und für 5 Tage lohnt der ganze Aufwand nicht. Vorläufiger Plan nach dem Wegfall Irans als Transit für den Rückweg: Nach dem Kaukasus werden wir Richtung Osten das Kaspische Meer umfahren bis zur Turkmenistanischen Grenze. Von hier aus denn per Schiff nach Baku in Aserbeidschan und dann entlang der türkischen Schwarzmeerküste nach Istanbul.

Ich ärgere mich über einen Kumpel, der meint, man müsse bei der Beurteilung von Albanien auch die Regierung kritisieren.. “Frag mal die Leute auf der Straße, was sie von ihrer Regierung halten.” Soll man Albanien kritisch sehen, nur weil hier eine vom Volk kritisierte Regierung an der Macht ist? Wem diene ich den damit??? Da frag ich doch lieber die Ziegen hinter’m Auto, was sie von so einer Logik halten…

Der dritte Tag in der Bucht von Borsh führt uns, Ines und die Ostfriesen hoch auf den Berg zur Burg von Borsh. Das baufällige Gebäude versprüht einen Hauch von Morbididät, der sich nur bei absolut orginalen und nicht restaurierten Denkmalen einstellt.

Die Burg von Borsh – ein absolut sehenswertes touristisches Kleinod abseits der eingetretenen Pfade
Der Turm der Kirche – oder Reste eines Minarettes? Hier ist neben Schwindelfreiheit auch Phantasie gefragt.

Auf dem Rückweg besuchen wir eine Restaurant, das mitten über einem Gebirgsfluss auf Stelzen steht.

Abends sitzen wir wieder am Lagerfeuer, auch Vera und Waclav aus Prag bringen etwas zu Essen mit – Wir braten Kartoffeln in der Glut und essen die Matjes, die Alfred schon seit Wochen durch Europa transportiert .

Auch ein starkes Team: Vera und Waclav aus der Tschechei

Mich beschäftigt die Frage, ob ich dieses Land bereisen darf, oder ob ich es aus Solidarität zu den Regierungskritikern bleiben lassen soll. Meine Güte: Wo fängt das an? Dann darf ich ja nicht mal mehr in die Uckermark fahren. Nein, ist schon gut so und die Albaner freuen sich über uns. Zumindest arbeiten wir hier bei Matjes und Raki im Rahmen unserer Möglichkeiten am Haus Europa.

Albanien wird mir als ein Land der skurillen Momentaufnahmen in Erinnerung bleiben.

Wir können Ines überreden, mit uns die Bergstrecke nach Vlora als Alternative zum Llogada-Pass zu versuchen, aber sie hat schon nach ein paar Kilometern “kein gutes Gefühl” und bricht ab.

Die Piste schlängelt sich durch das Gebirge im Hinterland von Himare. Ohne Allrad ist das eine echte Herausforderung. Wir brauchen am Ende für knapp 50 Kilometer 5 Stunden.

Andreas, den wir in Borsh kennengelernt haben, fährt vor und wir folgen seinem Allrad-Daimler.

Die Tour macht einen Riesenspaß und macht das bisherige Highlight unserer Reise aus. Unvergleichbare Ausblicke und eine Szenerie fernab jeder Zivilisation.

Andreas und Diana aus Gera – ganz konsequente Aussteigertypen.

Ich habe da bislang nichts Ähnliches erlebt. Der Ranger schraubt sich souverän durch die engen Kehren und ich freue mich über jedes PS.

Wirklich befahrbar ist diese Straße aber wirklich nur im klassischen Sinn: Mann kommt irgendwann an.

Wir folgen Andreas und schrauben uns durch’s Gebirge – ein unvergleichliches Erlebnis.

Nach knapp 50 Kilometern hat das Holpern ein Ende und wir fahren auf einigermaßen erträglichen Straßen. Bis zur nächsten Nationalstraße sind es noch 4 Kilometer. In einem kleinen Dorf kaufen wir für’s Abendessen ein.

Typischer Laden in Albanien – völlig entschleunigt und garantiert nicht bis 22 Uhr geöffnet.

500 Meter nach dem Ortsausgang verabschiedet sich der Motor und wir stecken fest. Ferndiagnose aus Deutschland hilft nix und auch die 10 albanischen Köpfe, die unter unserer Motorhaube in den Tiefen des 6-Zylinders verschwinden, wissen keinen echt wirksamen Rat.

Die coolen Dorfkids wissen auch nicht wie’s weitergehen soll – freuen sich aber über die Abwechslung.

Da hilft nur Abschleppen. Ein Albaner kümmert sich um alles und 2 Stunden später wird der Ranger auf einen klapprigen Abschleppwagen gezogen – da klappt mal so grad eben – und los geht der Höllentripp.

In einer der ersten Kurven schleudert uns ein mit 5 finsteren Albanern besetzter Rangerover entgegen und hechtet aus Platzmangel in den Straßengraben. Unser Fahrer setzt zurück, zieht eine Art Spanngurt unter seinem Sitz hervor, verknotet die beiden Fahrzeuge und zieht den Rangerover aus dem Loch. Dabei wird kaum ein Wort gesprochen und vor allem auch gar nicht geschaut, ob da irgendwas kaputt gegangen ist. Die fünf wuchtigen Albaner steigen wieder ein und brausen los.

Mein Guide empfiehlt mir, nicht auszusteigen, daher nur ein unscharfes Foto.

Unser Fahrer hantiert mit zwei Handys, zündet sich mit Streichhölzern eine Kippe an. Aus einem billigen Lautsprecher scheppert orientalische Pop-Musik. Zur Krönung kommt bei voller Fahrt noch sein Kumpel oben aus dem Ranger geklettert, weil er auch ‘ne Kippe will.

Endlich mal was los auf dem Campingplatz – Die Experten diskutieren die verschiedenen Lösungsansätze.

Die Asphalt-Artisten haben uns nach Vlore gebracht. Hier haben die sympathischen Abschlepper den Ranger am nächsten Morgen wieder abgeholt und zu Ford nach Tirana transportiert. In der nun auf ihren eigenen Beinen stehenden Kabine warten wir nicht gerade am übelsten Platz der Welt auf unser Auto. Metti, der Besitzer von Camping Vlore ist einer der freundlichsten und hilfsbereitesten Menschen die ich auf meiner Reise kennenlernen durfte.

Und ab damit zu Ford nach Tirana – Wir machen Urlaub in der abgestellten Kabine.

Camping Vlore ist meine Empfehlung für Camping in Albanien

Camper-Idylle auf dem Platz “Camping Vlore”. Hier springt der Fisch direkt vom Meer auf den Teller.

Der zweite Tag ohne Auto. Wir gammeln rum und freuen uns, dass Ines wieder bei uns ist. Am Abend kommt auch mein Offroad-Begleiter Andreas auf den Platz – in ziemlicher Dunkelheit, denn die ganze Bucht ist für Stunden ohne Strom. Andreas und Diana wollen morgen von Vlore nach Bari übersetzen. Die Option kommt für uns auf dem Rückweg in Betracht.

Der dritte und vierte Tag: Lost in Albania – wir leben zwar wie die Made im Speck auf Camping Vlore, aber die Made langweilt sich. Ines fährt heute weiter und vom Auto gibt es nichts neues.

Ich habe mich mit Mettis Onkel über die politische Situation in Albanien unterhalten und er sagt, dass das Problem nicht allein die schlechte Regierung wäre, sondern vor allem, dass es keine Opposition gäbe. Der Onkel war ein hochrangiger Militär und kann mir einiges über die Entwicklung Albaniens seit Hodschas Tod in den 80er Jahren erzählen. Wieder merke ich, dass die Albaner ein ganz feines Volk sind – mindestens ebenso europäisch wie die Rumänen oder Bulgaren. Die Albaner sind sich ihres Potentials bewusst und jammern nicht rum, das liebe ich an denen.

Wir selbstgefälligen Westeuropäer werfen ihnen vor, dass das alles nicht schnell genug geht. Man muss sich mal überlegen, was hier vor 40 Jahren los war und viele Albaner haben das noch miterlebt. Noch heute stehen an allen strategisch wichtigen Punkten Hodschas 1-Mann-Bunker, in denen jeweils ein junger Albane mit der Kalaschnikow im Anschlag die bevorstehende Invasion der Westmächte erwartete.

Wer aufmerksam spazierengeht, der findet in Albanien ein sehr artenreiches Bodenleben vor. Schlangen, Eidechsen, Ratten – das Highlight bislang war diese griechische Landschildkröte.

Und dann endlich: Es ist Mittwoch und ich habe den Ranger aus Tirana abgeholt. Er läuft wie am Schnürchen, leider kann mir niemand sagen, woran es gelegen hat, wahrscheinlich ein lockeres Kabel. Als ich auf dem Campingplatz die Kabine montieren will sehe ich, dass die vordere linke Befestigungsöse abgerissen ist. Das Eisen ist total rostig und ich gehe davon aus, dass wir mit dem Schaden schon seit Rumänien rumfahren. In einer kleinen Werkstatt bohrt mir ein freundlicher Albaner die sechser Löcher auf, hinterlegt neue Muttern und tauscht die viel zu dünnen Schrauben gegen wirklich wuchtige Brummer aus. Der Spaß kostet mich 12 Euro. Er empfiehlt mir, das auf der anderen Seite auch noch zu machen. Da ich mir in der Türkei eine Winde montieren lassen will wird das da in einem Abwasch gemacht.

Wir sind jetzt 2 Monate unterwegs, da geht halt mal was kaputt.

Auf dem Weg nach Griechenland fahren wir durch das albanische Hinterland, wo noch vor 5 Jahren erbitterte Kämpfe um die Hoheit in den Cannabis-Anbaugebieten ausgefochten wurden. Hier stand ein ganzer Landstrich unter Kontrolle der Drogenmafia, die 4 Milliarden Euro pro Jahr mit Cannabis umsetzte. Wie unzugänglich die Region ist mag man an diesem Brückenbauwerk ermessen, das sich rund 150 Meter über eine malerische Schlucht spannt. Ich wäre zur Krönung des Vatertages gerne drübergefahren, aber als der eine Albaner sagte “Geht” und der andere “Besser nicht!” haben wir uns doch dagegen entschieden.

50/50 war Sylvia dann doch nicht sicher genug!

Albanien ist wunderschön hier und wird uns zunehmend fremdländischer, wenn nicht sogar orientalischer. Das Navi radebricht mit den Straßennamen wie “Ali Pashe Tempelena Road”.

Cooler Typ der Ali Pashe Tepelena…Was er gemacht hat ausser lässig abhängen erschliesst sich nicht…

Der Tag klingt auf dem Campingplatz in Gjirokaster aus. 100 Kilometer vor der griechischen Grenze mutet Albanien mehr und mehr wie ein Zeichnung aus einem Karl May-Band an.

Camping Gjirokaster beherbergt uns für 8 Euro die Nacht und das Restaurant empfiehlt sich mit feinster albanischer Küche.

10. Etappe – Mazedonien (10. – 15 . Mai)

Da haben wir uns auf den ersten Metern verliebt: Ein stolzes Land mit freundlichen Leuten und statt Müllbergen am Straßenrand “Save the Nature”-Plakate. Wir starten unsere Tour am Matka Canyon und genießen dieses Schauspiel in der Abenddämmerung – gut vorstellbar, dass hier tagsüber der Teufel los ist. Wir sind auf jeden Fall ganz allein auf dem Wanderweg entlang dieses kleinen Sees, der durch Aufstauen einer malerischen Schlucht entstand. Die touristische Ausschlachtung ist angemessen und nimmt Rücksicht z.B. auf die Fledermäuse, die sich in den Felsnischen eingenistet haben.

Wir übernachten in den Bergen und verbringen eine ruhige Nacht mit der tollen Erfahrung, wie dunkel es ist, wenn wirklich keine Lichtquellen vorhanden sind. Die Nacht ist sowas von schwarz, dass sich selbst das Vogelgezwitscher verbietet. Diese Momente sind die Highlights der Tour, genauso wie das Geschenk, frühmorgens durch das wolkenverhangene Mazedonische Gebirge fahren zu dürfen.

Der zweite Tag auf dem wunderschönen Campingplatz Rino bei Struga. Nachts hört man das Rufen des Muezzins und wir erfahren, dass 80 % der Einwohner hier Moslems sind. Der Islam ist hier am türkischen Vorbild orientiert, scheint aber wenig Einfluss auf das öffentliche Leben zu nehmen. Struga ist eine moderne südeuropäische Stadt, die man so auch sicher in Italien oder Spanien finden könnte.

Ich sitze mit Emini Verdi und Dauti Versi am Ufer des Ohrid-Sees und die beiden ehemaligen Gastarbeiter erzählen von ihrer Zeit in Österreich. Emini hat 38 Jahre im Ausland gearbeitet, zuletzt als Polier in Diensten von “Mörtel” Lugner, den er als fairen Arbeitgeber preist.

Die beiden lieben den Süd-Balkan und machen zwischen Mazedonien und Albanien keinen Unterschied. Es scheint, als könnten sie ihre Rente hier besser investieren als 50 km entfernt in Albanien. Am Vorabend haben wir Ines aus Dortmund kennengelernt. Die einst beruflich sehr erfolgreiche Juristin und Personalerin reist ebenfalls mit dem Pickup durch Europa und unsere Lebensgeschichten ähneln sich in vielen Punkten. Sie ist weiter als wir und mir wird schlagartig bewusst, dass mein altes Leben vorbei ist und es auch keinen Weg zurück gibt. Nach dieser Reise wird nichts mehr so sein wie vorher. Wir verabschieden uns von Ines und vereinbaren ein Wiedersehen in ein paar Tagen in Albanien, wo ich auch auf ein Treffen mit Karl aus Wien hoffe, so ihm das nicht zu weit ist.

Ines aus Dortmund ist mit ihrem Nissan + Tischer-Wohnkabine auf dem Südbalkan unterwegs. Wir sitzen abends noch lange zusammen und vergleichen unsere Beweggründe, die auf völlig unterschiedlichen Wegen zum gleichen Ergebnis führten.

Markttag in Struga: Die Stadt ist gut auf Tourismus eingestellt und am nördlichsten Zipfel der Ohrid-Sees präsentiert sich das Unesco-geschützte Naturdenkmal von seiner besten Seite. Der türkis-grüne Drin führt durch die lebhafte Stadt und entwässert den riesigen und von schneebedeckten Bergen umrahmten See. Vergleiche zum Gardasee verbieten sich wegen der völligen Unterschiedlichkeit – aber der Ohrid-See hat das gleiche Potential – wenn nicht mehr.

Seeschlangen inklusive – Der Ohrid-See birgt manche Überraschung

Der Markt lebt von regionalen Produkten und empfindliche Gemüter fragen die Hühner und Küken, die hier zum Verkauf angeboten werden, besser nicht nach dem Befinden.

Das Ware schreit vor Frische und für umgerechnet 2 Euro ist der Gemüsekorb für den abendlichen Salat prall gefüllt.

Kein armes Land, dieses Mazedonien und manchmal denke ich, die Mazedonen sind sich dessen auch bewusst.

Für umgerechnet 10 Euro kaufen wir einen Berg Nüsse, die noch in Georgien unser Müsli krönen werden. Zwei Kaffee und ein Orangensaft im Cafe am Fluss: 2 Euro.

Die Schwarze Drin entwässert den mächtigen Ohrid-See durch Struga hindurch.

Das Leben spielt sich hier auf der Straße ab und ob hier jemand ein Kopftuch trägt oder nicht, ist ganz bestimmt kein Thema. Der Muezzin schreit und die Orthodoxen bekreuzigen sich zigfach wann immer sie ein Kreuz sehen.

Im Supermarkt kostet die Milch einen Euro und ich bekomme eine Vorahnung, was bei einem Durchschnittseinkommen von 400 bis 600 Euro nach einem Supermarkteinkauf übrig bleibt. Auch deshalb ist der Markt zu gut besucht – hier gibt es eigentlich alles was man braucht und zu erschwinglichen Preisen.

Überall wird diskutiert – vor allem über den möglichen Nato-Beitritt. Das kleine Mazedonien fürchtet nicht Russland oder Griechenland: Nachbar Serbien macht den Mazedonen Sorgen. In der aktuellen Stichwahl gab es einen überwältigenden Sieg für einen Reformpolitiker, auf dem hier viele Hoffnungen ruhen. Der alte Kaderkandidat – russland-nah – wurde abgestraft.

Hier wird beim Morgenkaffee diskutiert was die Weltlage hergibt – laut und sehr engagiert.

Es ist Montag, 13. Mai, und wir sind seit 6 Wochen unterwegs. Über dem Balkan hat es sich eingeregnet und wir warten gemeinsam mit Justin aus Neuseeland auf besseres Wetter. Es gibt keinen Punkt, den man innerhalb einer Tagesetappe erreichen könte, an dem es nicht regnet, also mummeln wir uns ein und warten auf besserers Wetter. In der Nacht ist ein Pärchen aus Holland gekommen, die auch über Georgien nach Aserbeidschan wollen.

Wir teilen unsere Pasta mit Justin aus Neuseeland – der ist froh im strömenden Regen nicht im Zelt sitzen zu müssen unbd erzählt uns seine spannende Reisegeschichte.

Wir sprechen seit zwei Tagen fast ausschließlich Englisch und es ist schon auffallend, dass alle Leute hier auf dem Platz entweder einen Aussteigerhintergrund haben oder zumindest leidenschaftlich reisen. In diese “Aussteigerszene” platzt eine Reisegruppe mit mehreren Wohnmobilien aus Deutschland und der Schweiz, die im Rahmen einer Guided Tour auf dem Balkan unterwegs sind. Ich habe durchaus Verständnis für die Motivation dieser Leute, aber ich denke, dass selbst der Ängstlichste hier merkt, dass es keine landestypischen Gefahren oder Sicherheitsrisiken gibt. Aber vielleicht lieben diese Leute das Reisen in der Gruppe und die geselligkeit. Da die Gruppe eine eigene soziale Dynamik entwickelt bleibt man aber eher unter sich und verpasst damit womöglich die Chance, von Einheimischen angesprochen und eingeladen zu werden, wie es Individualreisenden hier täglich passiert. Andererseits organisieren die Guides Kontakte und führen die Gruppe sicher auch an Orte, die anderen verschlossen bleiben. Jeder soll das machen, wie er möchte…

Wir sind auf jeden Fall heilfroh nicht fix geplant zu haben, denn Justin legt uns die Mongolei ans Herz und ich grübel über den Karten. Ausgeschlossen ist das nicht , aber wenn, dann dürfen wir jetzt nicht viel Zeit verlieren in Griechenland. Georgien ist der Dreh- und Angelpunkt aller Planungen und ich denke, dass wir Ende Juni dort sein werden.

Thomas und Deria aus Leipzig wollten eigentlich Mazedonien erwandern – bis der Regen kam. In der Campingplatzbar herrscht eine Stimmung wie in der Bar Rick’s Cafe. Hier sind alle Reisende.

Auch Justin hat sich wieder auf den Weg gemacht mit seiner Afrika Twin in Richtung Norden. Wir werden Mittwoch durchstarten nach einer Woche Camping Rino. Wir haben hier Essen, Trinken und Campingplatz 20 Euro die Nacht bezahlt. Gute Nachrichten per email: Kasachstan ist bis zu 30 Tage Visa-frei, was unsere Planungsmöglichkeiten erheblich erweitert. Von unserem Kontakt aus dem Iran gibt es noch keine Infos, aber so wie die weltpolitische Lage gerade aussieht wird das wohl eh nichts werden.

Justin aus Neuseeland bereist die Welt mit seiner Honda.

Am Nachbartisch freuen sich ein paar Mazedonier auf den Sonnenuntergang: Hier ist Ramadan und nur zu gerne trifft man sich im Restaurant zum gemeinsamen Essen.

Die Bevölkerungsmehrheit ist islamisch und folgt den Regeln des Ramadan. Gegessen und getrunken wird nur nach Sonnenuntergang

Die Zeit hier in Struga war sehr wichtig: Zum einen sind wir echt runtergekommen in dieser Regenwoche, zum anderen haben wir wieder tolle Leute kennengelernt und auch die zeit für uns gut genutzt. Ich habe mich z.B. wieder intensiv in Brene Brown hineingehört. Ich bin sicherlich auf dem richtigen Weg, aber es gibt noch viel zu tun!