13. Etappe – Die Türkei

Nach wirklich einfacher Grenzkontrolle fahren wir in die Türkei ein. Der Pulsschlag geht hier schneller, das ist uns sofort klar – spätestens als wir uns in die Schlange für die Fähre über die legendären Dardanellen einreihen. 10 Leute brüllen verschiedene Kommandos und die Autofahrer machen was sie wollen. Nach 10 Minuten ist die Fähre voll.

Eine unbeschreibliche Hektik lädt das Boot – das ginge auch anders, wäre dann aber nicht mehr türkisch.

Nach kurzer Überlandfahrt, auf der wir unser erstes Kamel sehen, erreichen wir Camlik, das ist eine Art Campingplatz, für den man 10 Lira, also etwa 1,50 Euro, für die Nacht bezahlt.

Unser erstes Kamel – es sollten noch einige folgen.

Wir sind die einzigen Ausländer und die Kinder kommen und fragen, ob sie Englisch mit uns reden dürfen. Im Hintergrund dudelt Türk-Pop und es ist eine sehr entspannte Atmosphäre.

Eigener Strandzugang inklusive…

Die Kommunikations- und Arbeitsbedingungen sind 1a: Wir haben uns in Galipolli eine SIM-Karte mit 20 MB gekauft für 20 Euro. Der Diesel ist längst nicht so teuer wie gedacht: Knapp ein Euro.

Nächste Station ist der Campingplatz “Altin-Camp”. Hier planen wir die nächsten Tage. Troja, Ephesos und Pergamon sind zwar berühmte Orte in der Umgebung, aber ganz im Ernst: Ich kann keine alten Steine mehr sehen. Also minimieren wir den Besichtigungsmarathon auf Pergamon un fahren dann direkt nach Pamukkale. Die Annehmlichkeiten des Altin-Camps werden uns aber wohl noch etwas halten. In neun Tagen holen wir Ella in Antalya vom Flughafen ab.

Ein Schläfchen nach der Hitze des Tages – und dann ab ins Nachtleben.

Des Leben in der Türkei ist sehr günstig, insbesondere Nahrungsmittel wie Gemüse, Brot oder Obst ist unglaublich preiswert und von der Qualität nicht mit deutscher Supermarktware zu vergleichen. Die Pracht ist paradiesisch.

Am nächsten Morgen – es ist bereits 9.30 Uhr und die Zirkaden schlafen noch. Es herrscht absolute Ruhe auf dem Platz, obwohl hier gut 100 türkische Familien vor ihren Zelten, Wohnwagen und Wohnmobilen sitzen und frühstücken. Hier schreit keiner rum. Das ist alles überaus angenehm und ein Kontrapunkt zur Art und Weise, wie die Türken ihr Stadtleben präsentieren.

Einladen und eingeladen werden – das geht hier ganz schnell und unkomplizert.

Wir sind weiterhin die einzigen Deutschen hier und neben unserem Michel interessieren sich die Türken ziemlich für mein Auto. Das gibt immer wieder Anknüpfungspunkte für sehr schöne und auch sehr tiefgehende Gespräche, die in einer für uns doch eher ungewohnten Herzlichkeit geführt werden. Was mich weiter tief beeindruckt ist diese Ruhe und Harmonie auf dem Platz und die Ausgeglichenheit der Kinder.

Papa interessiert sich für mein Auto, die Tochter hat nur Augen für den Hund: “Call me if you have any problems in turkey!” Wir werden die Nummer gut aufbewahren.

9. Juli – in sechs Tagen landet Ellas Flugzeug im 500 Kilimeter entfernten Antalya und wir müssen uns auf den Weg machen – widerwillig! Wir haben hier im Altin-Camp tolle Leute kennengelernt, hatten ein Tagesbudget von unter 15 Euro und haben in schönen Gesprächen viel Angenehmes und Widersprüchliches über dieses große Land erfahren. Wer aus politischen Gründen nicht dieses Land bereist, ist meiner Meinung nach selber schuld.

Ob türkischer Kaffee oder ein typisch türkisches Frühstück. Die Türken pflegen einen sehr bewussten Umgang mit Lebensmitteln.

Den Zwischenstopp in Pergamon haben wir nicht bereut: 150.000 Menschen haben hier gelebt und die Anlage – hoch auf einem Berg – vermittelt dazu einen absolut authentischen Eindruck. Das ich nicht mit den paar alten Steinen zu vergeichen, die in Olympia oder Epidauris rumliegen – das ist echt Geschichte zum Anfassen in einer beeindruckenden Umgebung – 700 Meter über Bergama.

Die 250 Kilometer bis nach Pamukkale absolvieren wir auf einer durchweg 2-spurigen Landstraße. An den Straßen hier kann sich Deutschland eine Scheibe abschneiden – nur dass sie in dieser Qualität hier gar nicht notwendig wären. Ich weiß nicht mit welchen Zuwachsraten die bei den kfz-Anmeldungen noch rechnen, aber Staus wird es hier niemals geben.

In Pamukkale will der Campingwart 150 Lira von uns haben, wir handeln ihn auf 90 runter und er ist nicht mal böse, eher leicht beeindruckt. Im Restaurant lernen wir Amel aus Usbekistan kennen. Er schwärmt so von seinem Heimatland, dass wir ernsthaft überlegen, den Schlenker zu machen. Auf dem Campingplatz ist mittlerweile der Australier Paul mit seinem Motorrad angekommen. Er ist seit 8 Wochen unterwegs und ist in Thailand gestartet. Wie ich ärgert er sich, dass der Iran als Transitland kaum noch genutzt werden kann und auch er empfiehlt uns Usbekistan und Kasachstan.

Das Auto läuft seit 1000 Kilometer ohne Mucken und auch die Kabinenelektrik ist stabil – so langsam packt uns das Reisefieber wieder.

Unglaubliche Eindrücke: Pamukkale gehört zu den Top5-Sehenswürdigkeitem der Türkei

Den nächsten Vormittag verbringen wir auf den Kalkfelsen, die wirklich schneeweiß in der Sonne strahlen. Die Türkinnen nutzen diese beeindruckende Sehenswürdigkeit als Laufsteg und schießen dabei nicht selten weit über’s Ziel hinaus. Ich lach mich tod wenn ich drüber nachdenke, dass wir in Deutschland mit den bei uns lebenden Türken eine Kopftuchdiskussion führen und die jungen Damen hier wirklich alles rausholen, was an Figur und Haut zu zeigen ist.

Es geht aber auch stilvoll, wie diese junge Asiatin beweist.
Pamukkale heißt “Weiße Festung” – in Anspielung auf die befestigte Stadtanlage hoch oben über dem Kalk – Das Amphitheater sieht aus, als hätte es gestern noch eine Aufführung gegeben.
Ein Blick von oben auf das neuzeitliche Pamukkale.

Am Nachmittag entfliehen wir der Hitze in die Berge und finden Tepe-Camping. Alles etwas gewöhnungsbedürftig aber wir verzeihen diesem tollen Land mittlerweile gern einiges.

Die Türken wollen mit uns diskutieren – über Erdogan, über die Türken in Berlin, über Trump und über EU-Beitritte. Sie machen das in einer Offenheit, die ich nicht so erwartet hätte. Ich werde dieses Thema aufnehmen, wenn ich zuhause in Deutschland die Zeit und die Muße habe, dass so darzustellen, wie es sein muss.

Hier hat mich vor allem ein älterer Türke zum Nachdenken gebracht. Ich habe ihn gefragt, warum seiner Meinung nach die Deutschen nicht mehr in die Türkei fahren. “Weil unsere Zeitungen ein falsches Bild über die Türkei vermitteln!” Ich konnte ihn davon überzeugen, dass es damit ganz und gar nichts zu tun hat, sondern dass es nur um fehlenden Respekt geht und um Anfeindungen gegenüber Deutschland und auch unserer Kanzlerin, und auch um die Verhaftung deutscher Journalisten und die unnötigen Anspielungen auf die Nazi-Zeit. Er hat sofort verstanden, dass das mit dem türkischen Volk – oder mit seinem Land als Kultur – aber auch gar nichts zu tun hat – aber es hat die Begegnung gebraucht, um sich greunzüberschreitend darüber bewusst zu werden.

Kaum sind wir mit dem Essen fertig bringen uns die Nachbar den Nachtisch – das ist wirklich unglaublich!!!

Mit einem Türkei-Boykott erreichen wir gar nichts – eher das Gegenteil. Die Leute hier wissen nicht mal wirklich, warum die Touristen nicht mehr kommen.

Mein Nachbar Durgan lädt mich ein und ich trinke Raki mit Wasser und finde wieder mal das Konterfei von Atatürk. Der Gründervater der modernen Türkei ist populärer denn je. Mit Nationalismus hat das aber gar nichts zu tun. Es ist eher ein Statement dafür, welche Qualitäten ein Staatsoberhaupt haben sollte.
Selfie mit Durgan: Der Diplomingenieur aus Ankara betreut hier in Denizli eine Baustelle und wohnt werktags auf dem Campingplatz. Er bietet mir rohe Köfte mit Schafskäse an, dazu einen Raki – perfekt.

Die 90 Kilometer zum Lake Salda zeigen ein anderes Bild der Türkei als das bislang gesehene. Ich würde das nicht als ärmlich oder rückständig bezeichnen. Den leuten hier geht es wirtschaftlich nicht schlecht. Es stehen große Traktoren vor den Bauernhäusern aber alles in allem entspricht das doch eher dem Bild von Anatolien, das ich im Kopf hatte. Nimmt man die Kopftuchrate – hier 99 % – als Parameter, dann wird klar, dass die Türkei hier eine andere ist als rund um Istanbul, Ankara, Trabzon oder Izmir. Ob beide Teile harmonieren weiß ich noch nicht, aber schlecht gesprochen über die Landbevölkerung wird hier nicht, obwohl 70 % aller Türken in den 10 größten Städten des Landes wohnen.

Die türkischen Malediven: An den Ufern des Lake Salda, etwa 150 Kilometer nördlich von Antalya, sorgt kalkhaltiger Schlamm für beeindruckende Wasserfarben.

Am Lake Salda stehen wir frei: Die Solaranlage versorgt uns mit Strom, im See gibt es Süßwasser und für insgesamt 10 Euro haben wir in Salda Vorräte für 4 Tage eingekauft, inklusive einem Bund frischer Kichererbsen. Sehr angenehm: 1000 Meter über dem Meer geht die Temperatur nicht über 26 Grad und in der Nacht mussten wir unsere eingemotteten Decken wieder herauskramen.

Am zweiten Tag dösen wir grad so rum, als uns eine zehnköpfige türkische Familie aufmischt. Wir wissen kaum wie uns geschieht, da sind wir schon zum Abendessen eingeladen.

Die Kopdtuchfrage wird in der Türkei wesentlich unemotionaler geführt als bei uns.

Suleymann wohnt mit seinen Eltern und seiner Schwägerin in einem 3-stöckigen Haus. Die Familie hält zusammen, sonst würde es für den Tomatenzüchter und Frisör (im Winter) eng werden, die 5-köpfige Familie zu ernähren. Aber wenn es Gäste gibt, dann ist in türkischen Familien von Mangel nichts zu spüren. Wir unterhalten ins wirklich gut und staunen über die Weltoffenheit dieser Menschen

Zuhause bei Suleymann – für so viel Gastfreundschaft fehlen mir einfach die Worte.

Am nächsten Morgen müssen wir zum Frühstück kommen. In der Nacht zuvor hatte man uns von unserem Stellplatz vertrieben – übrigens das erste Mal während unserer Tour. Wir sind ein paar Meter weiter gefahren und alles war gut.

Ein türkisches Abendessen – so lecker…

Nach dem so ziemlich besten Frühstück, das ich bislang genießen durfte, gibt es eine Besichtigung der familieneigenen Tomatenzucht. Wir werden sofort eingespannt und helfen bis zum frühen Nachmittag. Es ist ein Knochenjob und für 8 Kilogramm Tomaten bekommt Suleyman einen Euro.

Am Lake Salda ist es so schön, dass man es fast nicht glauben kann…

Wir verabschieden uns von diesen herzlichen Menschen und finden auf dem Weg nach Antalya einen wunderschönen Stellplatz mitten im Wald. Einmal mehr preisen wir die Zuverlässigkeit der Apps, mit denen Fernreisende recht zuverlässig gute und sicherer Übernachtungsplätze finden. Wir nutzen Park4Night, merken aber, dass diese in Europa sehr populäre App in der Turkei kaum nochErgebnisse liefert und sind schon vor Wochen auf das von Offroad-Fahrern gestaltete IOverlander (sprich Eioverländer) umgestiegen. Die App führt uns zu einem Camyon mit gasklarem Wasser. Der Platz wird von 100ten von Türken zum Picknicken genutzt und die Holzkohle betriebenen Teekocher und Grills qualmen um die Wette.

Einen Grill und Fleisch dazu – Ohne diese Kombi ziehen die Türken in ihrer Freizeit nicht los. Und es sind immer mindestens 2 Generationen unterwegs.
Glasklares Wasser im Canyon…
Hier sind wir die Exoten – und die Leute freuen sich und begrüßen uns mit einer unglaublichen Herzlichkeit

In Antalya können wir endlich unser Tochter Ella in die Arme schließen. Wir machen jetzt erstmal Urlaub und fahren mit ihr nach Kas.

Prominenz in Kas: Michel trifft Donald Trump – oder zumindest seinen 4-beinigen Doppelgänger.

Thema Erdogan: Da gibt es viel zu berichten und ich freue mich schon auf die Diskussionen in Deutschland. Eins vorab: Es ist vieles nicht so, wie wir das in Deutschand sehen. Erdogan ist hier in allen Bevölkerungsgruppen ein Reizthema.

Antalya/Kas – Wohl eine der schönsten Küstenstraßen der Welt…

Noch mehr und immer aktuelle Bilder finden auf https://www.instagram.com/schmallenbergudo

Kaputaj Beach – noch so ein Superlativ
Meerjungfrauen inklusive – Badeurlaub hat hier schon eine hohe Qualität. Andererseits: In einem ferienhotel möchte ich hier nicht eingepfercht sein. Kaputaj Beach z.B. ist nur mit dem Auto zu erreichen.

Und “Essen in der Türkei” ? Auch der Hammer

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